Am 21. Dezember 1911 machten sich Landwirte aus der Region - die Mitglied im landwirtschaftlichen Verein für Belzig und Umgebung waren - auf den Weg nach Belzig. Mit ihnen kamen Mägde und Knechte, die im Rahmen der traditionellen Weihnachtsbescherung des Vereins für langjährige, treue Dienste ausgezeichnet werden sollten.

Geld für treue Dienste

Mit 25 Mark - für eine 19-jährige Dienstzeit beim Rittergutsbesitzer Amtmann Lignitz in Hagelberg - belohnte man damals Wilhelm Polz. Mit jeweils 15 Mark bedachte man Gustav Wredo beim Hüfner Gustav Näthe in Bergholz, Friedrich Arndt beim Hüfner Paul in Jeserig/Fläming, Wilhelm Spiesecke beim Ackerbürger Kühne in Belzig, Friedrich Hohnschild beim Hüfner Otto Mädler in Fredersdorf, Friedrich Richter bei der Hüfnerwitwe Krüger in Mützdorf, Wilhelm Strehle beim Hüfner Gustav Schulze in Dahnsdorf, Emma Paul beim Hüfner Hermann Lüdicke in Lütte, Marie Thiele beim Oberförster Zschinschky in Welsigke, Minna Matthies beim Gärtnereibesitzer Schröder in Belzig, Minna Richter beim Hüfner Möbius in Grubo, Wilhelmine Leben beim Hüfner Gustav Zimmermann in Fredersdorf, Frieda Leben beim Hüfner Johannes Bergemann in Ragösen, Wilhelmine Strübing beim Gemeindevorsteher Frohnsdorf in Fredersdorf, Emma Wilke beim Hüfner Friedrich Kühne in Kranepuhl, Emma Gericke beim Hüfner Otto Rettig in Mörz, Alwine Wredow beim Hüfner und Gastwirt Sperfeld in Jeserig/Fläming sowie Anna Frenzel beim Hüfner G. Kühne in Neuendorf bei Brück.

Neben Geldprämie erhielten Dienstboten ein Diplom

Sie alle waren seit sechs bzw. sieben Jahren bei ihren Dienstherrschaften angestellt. Neben der Geldprämie erhielt jeder prämierte Dienstbote ein Diplom, den üblichen Honigkuchen mit seinem Namen darauf sowie eine Tüte voller Äpfel und Nüsse. Neben dem Vereinsvorsitzenden Cunz von Lochow auf Lübnitz nahmen Landrat Bernhardt von Tschirschky und Boegendorff sowie der Mörzer Pfarrer  Reinhold Grundemann teil. Der Pfarrer richtete bei der Gelegenheit an die Dienstherrschaften die Bitte, darauf zu achten, dass die Dienstboten einen sittlichen und religiösen Lebenswandel führen. Der Landrat brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass eine so stattliche Anzahl von Dienstboten mit Prämien bedacht werden konnte und ermahnte die Dienstboten, auch fernerhin in alter Treue zu ihrer Dienstherrschaft zu halten.

Dienstboten und der Schülerchor mit Kaffee und Kuchen bewirtet

Nach der feierlichen Zeremonie wurden die Dienstboten und der Schülerchor unter Leitung von Kantor Kuhlmey, der den Nachmittag mit seinen Liedern umrahmte, mit Kaffee und Kuchen bewirtet.
Um 17.00 Uhr änderte sich jedoch der ansonsten traditionelle Verlauf der Prämierung. Grund war die Maul- und Klauenseuche, die bereits seit Wochen grassierte. Es wurde bekannt gegeben, dass der Vereinsball auf den 12. Januar verlegt werden musste, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Stattdessen wurde die Zusammenkunft noch einmal dazu genutzt, um intensive Aufklärungsarbeit zu leisten.

Kreistierarzt Krause referierte über Vorbeugung und Desinfektion

Nachdem der Kossät Friedrich Woye aus Lüsse als neues Mitglied im Verein begrüßt worden war, gehörte das Wort dem Kreistierarzt Krause. Er referierte über die Themen Vorbeugung und Desinfektion. Um vorzubeugen, waren in betroffenen Städten und Dörfern bereits „bis auf weiteres alle Tanzlustbarkeiten verboten“ worden. Auch Hunde und Hühner durften nicht mehr frei auf den Straßen herumlaufen. Und das zu schlachtende Vieh durfte nur nach vorheriger tierärztlicher Untersuchung „zur Schlachtung ausgeführt“ werden. Für die Landwirte waren die Verluste an Vieh und Milch bereits sehr groß geworden.

Ausbreitung der Seuche verhindern

Um die weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern, mahnte Tierarzt Krause an, dass die Sachen der Schweizer (Melker) bei der Annahme einer neuen Stellung gründlich desinfiziert werden müssen, dass Landwirte während der Ansteckungsphase Handelsleute von ihren Grundstücken fernhalten sollten, dass in betroffenen Ställen gelagerte Kraftfuttersäcke vor einer Weitergabe gründlich desinfiziert und Schemel und Eimer mit scharfer Sodalauge zu reinigen sind. Außerdem erinnerte Kreistierarzt Krause daran, dass vor den Gehöften täglich eine frische Weißkalklösung von zirka fünf Meter Breite gegossen werden muss und in Molkereien der Seuchengebiete strengstens darauf zu achten ist, dass sämtliche Milchfässer und Kannen täglich mit scharfer Sodalauge gereinigt werden.