Was geschah vor 110 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im September 1910, dass Hans Grade auf dem Flugplatz in Bork (heute Borkheide) einen weiteren Testflug in Form eines Dauerfluges mit einem verbesserten Motor unternahm.

Flugplatz Bork

Es heißt: „Er flog eine Stunde, vier Minuten, 30 Sekunden, erreichte dabei eine Höhe von 60 bis 70 Metern und landete erst um 7 Uhr, als ihn die Dunkelheit dazu zwang. Damit scheinen die Schwierigkeiten, welche der Motor ihm monatelang bereitete, behoben zu sein, so dass man demnächst von Grade Apparaten diejenigen Leistungen erwarten darf, welche nach den ersten Flügen des graziösen Apparates im vorigen Jahr zu erwarten waren. Zu der Motorflugwoche in Johannisthal sind verschiedene Gradeapparate gemeldet worden.“

Unfall in Trebitz

Aus Trebitz wurde ein Unfall bekannt. Der Büdner Gottlieb Lau war von seinem eigenen Gespann überfahren worden. „Er war mit Heu einfahren beschäftigt, wozu er sich seiner beiden Kühe bediente. Als er den Theematen Heuweg passierte, rutschte einer Kuh die Fliegendecke ab. Beim Auflegen derselben wurden die Kühe unruhig, gingen durch und rissen den L. um. Dieser kam so unglücklich zu Falle, daß der Wagen über ihn hinweg ging. Er erlitt erhebliche Quetschungen an den Schultern und Brustrippen. Die Verletzungen sind umso bedenklicher, als L. alt ist und bereits das 70. Lebensjahr vollendet hat.“

Mädchen in Linthe verschüttet

Ein schreckliches Unglück ereignete sich in Linthe. „In der am Eingang des Dorfes  gelegenen Sandgrube am Mühlenberge brachten mehrere Schulknaben trotz mehrfacher Warnung seitens Erwachsener durch umher springen auf dem oberen Rande eine große Erdmasse ins rutschen, wodurch das unten spielende zweijährige Töchterchen des Büdners Dobritz verschüttet wurde. Zum Glück waren zwei Arbeiter in der Nähe, denen es gelang, die Kleine unter der Erdlast hervorzuschaufeln. Es war aber auch die höchste Zeit. Nur mit Mühe gelang es dem herbeigerufenen Vater, sein fast ersticktes Kind wieder ins Leben zurückzuführen.“

Brände vieler Orten

Wieder kam es zu Bränden. In Bergholz brannte, wenige Tage nachdem ein Feuer auf dem Huyoffschen Besitz bereits eine Scheune und einen Stall in Asche gelegt hatte, ein Feuer auf dem Sternbergschen Gehöft aus. Auch dort brannten Scheune und Stall nieder.

Schlittenpartie im Hochsommer

In den Landschaftswiesen bei Brück sorgte eine „eigenartige Heuabfuhr“ für Aufsehen. Sie machte als „Schlittenpartie im Hochsommer“ von sich reden. Über die Art, wie Müllermeister Schiering von der Alten Mühle in Gömnigk damals sein Heu von den „unzugänglichen Wassermoorwiesen“ einbrachte, heißt es: „Dessen Heuschober setzen sich in Bewegung, und ohne zu schwanken, streben sie der 2000 Fuß entfernten Plane zu, wo die leeren Wagen auf dem Wege darauf warten! Die dort heuende Landbevölkerung sah, staunte und glaubte an ein Wunder, da eine Verbindung nicht zu sehen und der eine dabei seiende Mann unmöglich solche Heumenge fortbewegen kann. Aufgeklärtere brüllten: ‚A ha! Elektrisch! Über-Wiesen-Zentrale!‘ Die Herbeieilenden gewahrten wohl, dass ein Rosselenker seine Pferde (ohne Wagen) auf dem Wege antrieb und erst beim näher kommen ev. auch wohl erst nachdem sie hingefallen waren, sahen sie, auf die verbindende und ausführende Kraft, das Drahtseil im Grase, getreten zu sein.“

Die Kaiserin in Belzig

Am 22. September wurden die Einwohner von Belzig darüber informiert, dass die Stadt „die hohe Ehre“ hat, am Tag darauf Besuch von Ihrer Majestät der Kaiserin zu bekommen. Von besonderen Vorbereitungen konnte die Redaktion des Kreisblatts jedoch nichts in Erfahrung bringen. Eben so wenig wie über die Stunde der Ankunft. Zwei Tage später folgte diese Meldung: „Unsere Freude, die Kaiserin am gestrigen Tage hierselbst begrüßen zu dürfen, war eine vergebliche gewesen. Wie wir hören, soll ihre Majestät mit der Prinzessin Viktoria Luise in Golzow gewesen und von dort im Auto wieder nach Potsdam zurückgekehrt sein. Vielleicht ist das ungünstige Wetter bestimmend dafür gewesen.“

Abschied des Reetzer Pastoren

Nach fünf Jahren seelsorgerischer Arbeit nahm Pastor Bertram am Monatsende Abschied aus Reetz. Der Magistrat der Stadt Belzig informierte die Einwohnerschaft, die Niemegker Vorstadt mit Wasser versorgen zu wollen. Zu diesem Zweck musste das Leitungsnetz von der Brandenburger Straße bis zum Kreiskrankenhaus vervollständigt werden.