„Immer mehr nehmen an der Jugendweihe teil“, berichtet der „Heimatfreund“ - der Kulturspiegel des Kreises Belzig - im März 1959.
100 Jahre zuvor, im Jahr 1852, wurde zum ersten Mal eine Jugendweihe gefeiert. Als Gründungsvater gilt Eduard Baltzer aus Nordhausen.
Ab den 1950er Jahren wurde die Jugendweihe in der DDR von immer größerer staatspolitischer Bedeutung.

Bekenntnis zum Arbeiter- und Bauern-Staat

Im „Heimatfreund“ heißt es dazu: „Die Jugendweihe ist ein bedeutender Faktor der sozialistischen Erziehung unserer Jugend. Sie dient der Entwicklung allseitig gebildeter, charakterfester und lebenstüchtiger Menschen. Sie ist ein Bekenntnis zu unserem Arbeiter- und Bauern-Staat und zu den hohen Zielen der Menschheit: Frieden, Völkerfreundschaft und Sozialismus.“
Folgende Zahlen aus der Statistik: 1956 wurden vier Jugendweihefeiern mit 74 Teilnehmern durchgeführt. Das entspricht einer Teilname von 10,3 Prozent aller Schulabgänger.

Immer mehr Jugendweiheteilnehmer

1957 waren es 79 Teilnehmer (14,1 Prozent). 1958 wurden bereits sieben Feierstunden mit insgesamt 126 Teilnehmern, die die Grundschule verließen, veranstaltet. „Hinzu kamen noch 118 Mittel- und Oberschüler, die den Wunsch hatten, die Jugendweihe nachzuholen.“
1959, im Jahr des Erscheinens des genannten Berichts im „Heimatfreund“, waren die Jugendweihefeiern für die letzten beiden Sonntage im März und für alle Sonntage im April terminiert. 274 Mädchen und Jungen waren angemeldet. „Das sind 75 Prozent aller Schulabgänger im Schuljahr 1958/59.“ Die Feierstunden sollten in Belzig, Brück, Niemegk, Wiesenburg, Dahnsdorf, Görzke, Dippmannsdorf und Lehnsdorf stattfinden.

Eltern, Schule, Pionierorganisation

„Dieses Ergebnis konnte nur in enger Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und Pionierorganisation erreicht werden. Das größte Verdienst und besondere Anerkennung gebühren hierbei den unermüdlichen Helfern: unseren Lehrern, den Eltern und den Werktätigen in den Orts- und Betriebsaktiven“, schrieb der damalige Sekretär des Kreisausschusses für Jugendweihe, Michael Lazusch.

Für das Gelingen der Jugendweihen

Im „Heimatfreund“ werden dann die Namen derer genannt, die sich „von Jahr zu Jahr“ für das Gelingen der Jugendweihe eingesetzt hatten. Genannt wurden die Jugendstundenleiter H. Leo, Lohagen, M. Tesch, Kolln. F. Lindau (alle aus Belzig), E. Henschke (Borkheide), K. Tietz (Neuendorf b. Brück), K. Dörrwand (Kranepuhl), E. Schäfer (Lehnsdorf), P. Muthig (Mahlsdorf), K. Walaschek (Reetz), R. Römlinger (Görzke), R. Schreiber (Niemegk), E. Kundt (Brück) und W. Biallas (Fredersdorf).

Jugendweihe im Wandel der Zeit

Wer damals die Jugendweihe feierte, ging von der Feierstunde mit einer Urkunde und dem Buch „Weltall Erde Mensch“ heim. Später erhielten die Teilnehmer die Bücher „Der Sozialismus, Deine Welt“ und „Vom Sinn unseres Lebens“.
Vor der Jugendweihe standen die Jugendstunden. Sie waren u.a. der Rahmen für Vorträge, Tanzstunden, Betriebsbesichtigungen und den Besuch von KZ-Gedenkstätten.