Aschermittwoch war einst ein Tag, auf den sich Kinder besonders freuten. Mit Ruten aus Birkenreisern und dem Vers „Ascher-, Aschermiddewoch, ´ne Brezel oder`n  Silbergrosche“ auf den Lippen, machten sie sich auf den Weg zu ihren Paten, um zu „aschern“. Angekommen wurde von ihnen genannter Spruch aufgesagt und mit den Reisigruten gewedelt. Zum Lohn dafür gab es ein kleines Geldstück, eine Fastnachtsbrezel oder anderen Süßkram.
Mitte des 19. Jahrhunderts uferte der Brauch des „ascherns“ - mit dem man glaubte die Kraft des Frühlings zu stärken - jedoch aus. Längst gehörten nicht mehr nur die Paten der Kinder zur Zielgruppe der Menschen, die vom Nachwuchs aufgesucht wurden. Den am Aschermittwoch durch die Straßen ziehenden Kindern wurde Bettelei nachgesagt.

Polizeiverwaltung verbot in Niemegk 1854 das Umherziehen der Kinder

So geschehen auch im Jahr 1854, weshalb sich die Polizeiverwaltung von Niemegk genötigt sah, folgende Bekanntmachung zu veröffentlichen: „Nachdem es von vielen Seiten als ein Übelstand angesehen worden ist, dass am Aschermittwoch Schaaren von Kindern mit Tagesanbruch in der Stadt umherzogen und die Einwohner durch Ansprechen belästigten, hat die unterzeichnete Polizei-Verwaltung, nach eingeholtem Gutachten der Armen-Commission, das fernere Umhergehen durch öffentliche Bekanntmachung verboten, dagegen an die bemittelten Einwohner die Aufforderung erlassen, dasjenige, was sonst an die umherziehenden Kinder vertheilt worden, an die Behörde zur Vertheilung an würdige Arme, abgeben zu lassen.“

Einwohner der Stadt sollten Gaben Zugunsten der „würdigen“ Armen abgeben

Obgleich im Vorfeld viele „bemittelte“ Einwohner der Stadt signalisiert hatten, das Vorhaben mit einer Spende zu unterstützen, lösten als es soweit war, nicht viele ein. Zugunsten der „würdigen“ Armen gaben im Jahr 1854 Oberprediger Stein 15 Silbergroschen, Diakonus Erler 15 Silbergroschen, Rektor Seydel 5 Silbergroschen, Stadtmusicus Poppenburg 5 Silbergroschen, Beigeordneter Kaufmann Seeger 5 Silbergroschen, Kaufmann Francke 5 Silbergroschen, Bezirksvorsteher Börner 4 Silbergroschen, Gastwirt Börner 5 Silbergroschen, Tuchfabrikant G. Pärsch 5 Silbergroschen und Bezirks-Vorsteher B. J. Meißner 20 Silbergroschen. Damit kamen insgesamt 2 Thaler und 20 Silbergroschen zusammenkamen.

Spenden wurden den Bezirksvorsteher verteilt

„Diese sind sofort an 34 Arme mit je 2 Silbergroschen 6 Pfennig durch die Herren Bezirksvorsteher vertheilt worden und von Allen, so klein die Gabe auch gewesen, mit bestem Danke angenommen. Hätten die übrigen Einwohner nur einen geringen Teil desjenigen, was sie gegeben haben würden, wenn der alte Unfug geblieben wäre, gespendet, so würde in dieser, für die armen trostlosen Zeit, mancher schwere Kummer gelindert sein“, hieß es später im Belziger Stadt- und Landboten.
Trotz aller Anstrengungen, den Übertreibungen beim „aschern“ Einhalt zu gebieten - über die auch in Belzig und anderswo geklagt wurden - erhielt sich der Brauch bis in das 20. Jahrhundert.