Es gibt ihn auch in diesem Jahr wieder, den Heimatkalender der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark. Obwohl man durch das verloren gegangene Weihnachtsgeschäft 2020 in die Miesen geraten sei, wie der Vorsitzende Jaromir Schneider auf der jüngsten Zusammenkunft in Wittbrietzen bestätigte. Das zeigt sich auch in einem etwas abgespeckten Layout. Doch es wurde wieder eine Vielzahl interessanter Beiträge zusammengetragen.
Die meiste Arbeit hat das Redaktionsteam, allen voran Chris Rappaport. „Ohne Chris würde es keinen Kalender geben, die Arbeit ist ihm auf den Leib geschneidert“, würdigte Jaromir Schneider das Engagement von Rappaport.

Der Kalender hat eine Auflage von 650 Exemplaren und kostet 10 Euro

Besonders anspruchsvoll ist der Vertrieb des Kalenders. Dazu fährt das Team mehrere 1.000 Kilometer durch die Region, um Geschäfte und Buchhandlungen, aber auch andere Möglichkeiten zu finden, den Kalender an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Der Kalender hat eine Auflage von 650 Exemplaren und kostet 10 Euro, die aber auch nicht jeder ausgeben möchte. Finanzielle Unterstützung kam vom Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Für den Heimatkalender kann jeder Bürger, jede Bürgerin schreiben. Und dabei geht es nicht nur darum, was allgemein als Geschichte zu verstehen ist. „Gestern ist ja schon Geschichte“, so Chris Rappaport. Für ihn sollte viel mehr von dem aufgenommen werden, was nach der Wende passiert ist. Aber auch besondere persönliche Erlebnisse sind gern gesehen. So ist im diesjährigen Kalender zum Beispiel eine Beitrag von Heinz Niendorf zu lesen, in dem es um den Autokauf in der ehemaligen DDR geht.

Henrik Schulze, Stadtgeschichtsschreiber von Jüterbog, stellte sein neues Buch „Jammerbock IV“ vor

Ein besonderes Schmankerl gab es für alle Anwesenden, die nach der offiziellen Vorstellung des diesjährigen Heimatkalenders blieben. Henrik Schulze, seit gut 40 Jahren ehrenamtlicher Stadtgeschichtsschreiber von Jüterbog, stellte sein neues Buch „Jammerbock IV“ vor. Wie auch schon in den vorangegangenen drei Bänden geht es um Militärgeschichte rund um Jüterbog, diesmal um die Jahre 1945 bis 1994. „Genau genommen kam ich im Kreiskrankenhaus Königs Wusterhausen zu Welt. Doch mein Elternhaus war in Halbe“, erzählt Henrik Schulze.
Doch woher sein Interesse für Militärhistorie? „Da ich in meiner Kindheit im wahrsten Sinne des Wortes bei Schritt und Tritt mit Kriegsschrott in Berührung kam, als Schulkind wie Hamlet mit einem Schädel in der Hand ins philosophieren geriet, wurde die Geschichte mein wichtigstes Hobby. Das erste Betätigungsfeld war die Ur- und Frühgeschichte als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Speziell zur Militärgeschichte kam ich erst mit meinem Umzug nach Jüterbog, Anfang der 70er Jahre. Hätte es mich nach Hamburg verschlagen, wäre der Hafen mein Schwerpunkt. Und in Jüterbog waren es notgedrungen die Truppenübungsplätze. Forschungsfreiheit gab es erst mit dem Untergang der DDR - vorher war das alles streng geheim,“ sagt er.

Rund 20 Jahre Recherche und bis drei Jahre Schreibarbeit investiert Henrik Schulze in seine Veröffentlichungen

In der Regel stecken in einem Buch rund 20 Jahre Recherche und zwei bis drei Jahre reine Schreibarbeit. Natürlich steht der Kontakt mit Zeitzeugen im Vordergrund. Das war für die Sowjetarmee besonders schwierig. Doch inzwischen kommt der eine oder andere als Tourist wieder her.
Sein wohl erfolgreichstes Buch „19 Tage Krieg“ wird überarbeitet noch einmal auf den Markt kommen. Doch vorher wird es ein „dickes Buch“ über die Kesselschlacht von Halbe geben - wenn die Gesundheit stabil bleibt und das Alter es zulässt. Die Militärgeschichte von Jüterbog 1792 – 2014 gibt es in vier Bänden, mit „Jammerbock IV“ ist das Neueste erschienen.
Der Heimatkalender ist im Handel erhältlich (verfügt über eine ISBN) und kann beim Chronistenverein per Mail an rappaport@freenet.de bestellt werden. Wer sich redaktionell am nächsten Kalender beteiligen möchte, kann sich unter info@chronistenvereinigung-pm.de melden.