Im Jahre 1895 wurde der Grundstein für das „Kaiserliche Postamt“ in Belzig gelegt. Am 1. Juli 1896 wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Mit der Einweihung begann der Post- und Telegrafenbetrieb im neuen Haus. In diesem Zusammenhang wurde in der Berichterstattung des „Zauch-Belziger Kreisblatts“ bemerkt, „dass die Post eines der vollendetsten Institute ist, das die Gegenwart aufzuweisen hat“.

Postamt nahe Landratsgebäude

Mit dem neuen Postamt hatte Belzig binnen kurzer Zeit ein weiteres öffentliches Gebäude erhalten, das dem „Orte zur Zierde gereicht“. Erst im Jahre 1894 war in unmittelbarer Nähe das Landratsgebäude errichtet worden.
Das für damalige Zeiten hochmoderne Postamt beherbergte im Obergeschoss eine Dienstwohnung für den zuständigen Postbeamten. Späterhin wurden diese Räume als Telegrafenamt genutzt. Doch die Belziger taten sich anfangs schwer mit ihrem neuen Postamt. Warum? Weil dasselbe „draußen hinter der zugigen Wiesenburger Brücke weniger bequem liegt als früher“.

Post erst in der Wiesenburger Straße

Bis zur Indienststellung des Neubaus war die Post mehr als 30 Jahre in einem Haus in der Wiesenburger Straße untergebracht. Wer nach dem Umzug der Einrichtung zur Post wollte, musste über die Wiesenburger Brücke gehen, die damals holprig und schlecht gepflastert war. Den gesamten Postverkehr hatte anfangs nur ein einziger Beamter erledigt, dem ein Briefbote unterstellt war. Letzterer war für die Zustellung der Post im Stadtgebiet zuständig.

Mehr Personal machte Neubau notwendig

Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die in der Wiesenburger Straße angemieteten Räumlichkeiten jedoch viel zu eng geworden, da mit der wachsenden Angebotspalette der Post auch mehr Personal nötig geworden war. In dieser Folge hatte die obere Postbehörde beschlossen, in Belzig ein neues Postamt zu bauen. Schließlich waren schon sieben Beamte angestellt und 15 Briefboten stellten die Postsendungen zu.
Es heißt, dass das neue Postamt, allen dienstlichen Anforderungen „aufs trefflichste“ entsprach. Über das neue Arbeitsumfeld der Beamten berichtete das „Zauch-Belziger Kreisblatt“, dass es den Herren nun wohler sei, „wenn sie bei ihren Obliegenheiten sich räumlich bequemer bewegen können“.

Briefmarken direkt beim Briefträger erwerben

Vier Tage nach der Eröffnung des neuen Postamtes fand sich folgende Mitteilung im Kreisblatt: „Um den jetzt weiteren Weg zur Post zum Einkauf von Briefmarken sc. zu sparen, machen wir darauf aufmerksam, dass die Briefträger stets Postmarken, Postkarten u.s.w. zum Verkauf bei sich führen.“ Der Weg zur Post, „hinter die zugige Wiesenburger Brücke“ konnte also vermieden werden.

Postbeamte durch Inserate gesucht

Wer damals Postbeamter werden wollte, für den war diese Meldung von Interesse: „Die Ober-Postdirektion zu Potsdam setzt die ihr unterstellten Postämter in Kenntnis, dass die meisten jungen Leute, die als Postgehilfen in den Postdienst eintreten wollen, ihre Ausbildung meist nur in einer Volksschule empfangen oder höchstens nach Abgang von dieser noch einige Zeit eine Privatschule, so genannte Postfachschule, besucht haben. Das genüge nicht den an sie gestellten Forderungen. Die Postbehörde erachtet für den Eintritt in den Postdienst den Besuch der Mittelschule für unerlässlich.“

Briefmarkenautomaten ab 1926

Den ersten Briefmarkenautomaten - „der Fünf-Pfennigmarken liefert“ - erhielt das Belziger Postamt wiederum im Jahr 1926. Er wurde im Schalterraum aufgestellt. Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ informierte wie folgt: „Es sei darauf hingewiesen, dass der Automat stets zwei Briefmarken liefert und immer zwei Fünf-Pfennigstücke hineingetan werden müssen, niemals ein Zehn-Pfennigstück. Diese Einrichtung ist bei der Hast und der Beschränkung der Zeit, unter der wir leiden, auf alle Fälle mit Freuden begrüßt.“