Im Frühjahr des Jahres 1887 verließ ein Fass Bier die Wiesenburger Schlossbrauerei, welches Otto von Bismarck zum Geschenk gemacht wurde. Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet: „In besonderer Weise hat die Gräflich Fürstensteinsche Schloßbrauerei Wiesenburg dem Fürsten Bismarck zu seinem Geburtstag gratuliert. Sie hat demselben zu Ehren ... ein eigenes Bräu, ‚Fürstenbräu‘ gebraut und eine Probe davon dem Kanzler gesendet.“

Überliefertes Begleitschreiben

Mit dem Bier erhielt Bismarck ein Begleitschreiben in Form eines Gedichtes. Wer der Verfasser desselben war, ist nicht überliefert.  „Schon oft hab` ich vernommen, Daß die aus Bayerland / Zum Wiegenfest dem Kanzler / Ihr bestes Bier gesandt. Da dachte ich beim Sinnen / Ob diesem schönen Brauch; Was die in Bayern können, Das kannst Du Märker auch. Vom allerbesten Hopfen / Nahm ich, vom besten Malz; Das muß ein Tränklein werden / Gar prächtig jedenfalls!Und als der erste Tropfen / Uns über die Zunge rann, Da riefen in dem Kreise / Die Zecher, Mann für Mann: Das ist ein biedres Tränklein, Gleich milde und gleich stark, Ohn` Falsch und ohne Fehle, Ein echtes Kind der Mark! Drum gebt ihm mit dem Namen / Auch gleich die rechte Weih`! Da nannten wir dem Kanzler / Zur Lieb` es „Fürstenbräu!“ So mag den Weg es nehmen / Vom märkschen Fürstenstein / Zu allen deutschen Zechern / Weit in die Welt hinein! Das erste Fäßlein aber, Das davon wird versandt. Das senden wir dem Manne, Nach dem es ward genannt! Mag es Dem Fürsten munden / Heut und noch manches Jahr! Mit diesem Wunsche bringen / Wir diese Gabe dar. So lang Er in den Händen / Hält fest die Zügel noch / Blüht Deutschlands Malz und Hopfen / der Kanzler lebe hoch.“

Otto von Bismarck antwortete prompt

Es dauerte auch nicht lange und in der Fürstensteinschen Schloßbrauerei trudelte ein Antwortschreiben ein. Auch darüber berichtete das „Zauch-Belziger Kreisblatt“. Im Mai 1887 heißt es, dass Otto von Bismarck es nicht unterlassen hat, „in einem eigenhändigen Schreiben für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit seinen Dank und seine Anerkennung“ auszusprechen.

Die Entstehung der Brauerei

Bei der Gelegenheit lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Die Gebäude hatte Curt Friedrich Ernst von Watzdorff von 1864 bis 1866 errichten lassen. Am 1. Februar 1866 waren die Arbeiten soweit vorangeschritten, dass das tägliche Brauen am neuen Standort beginnen bzw. die im 15. Jahrhundert begonnene Brautradition fortgesetzt werden konnte. Für die Schlossherren war damit ein einträgliches Geschäft verbunden, da für die Gastwirtschaften in der Brandtsheide Bierzwang bestand. Dies bedeutete, dass dort nur Bier aus der Schlossbrauerei ausgeschenkt werden durfte.

Die Brauerei an der Chaussee nach Neuhütten

Doch zurück zur neuen Schlossbrauerei, die nach dem Tod Curt Friedrich Ernst von Watzdorfs im Jahr 1881 an seine Schwester Elisabeth von Fürstenstein fiel. In der Fähndrich`chen Chronik heißt es: „Die Brauerei steht an der Chaussee nach Neuhütten an der Stelle des früheren sogenannten neuen Gasthofs und ist nach den neuesten Erfindungen, mit bedeutenden Eis- und anderen Kellern gebaut. Sie wird natürlich in einem viel größeren Maße betrieben als früher, liefert Braun-, Bairisch-, Export- und Bockbier und braut ein sehr gutes Getränk, das weit verfahren wird. Das Gebäude bildet eine wesentliche Zierde für Wiesenburg...“

Dem Verfall preis gegeben

1949 wurde aus der Schlossbrauerei der Volkseigene Betrieb (VEB) Brauerei Wiesenburg. 1972 wurde derselbe ein Betriebsteil des Getränkekombinats Potsdam. Alle nach der Wende unternommenen Versuche, den Betrieb zu privatisieren, schlugen fehl. Seit der Schließung 1994 sind die Gebäude dem Verfall preisgegeben.