Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 1912. Zuschauertribünen wachsen in märkischem Sand. Autobusse schwemmen Menschen in die Flugvorführungen nach Bork. An Sonntagen herrscht ein Riesenbetrieb - mit diesen Worten versuchte der in Freienthal lebende Heimatschriftsteller und zeitweilige Herausgeber des Kreiskalenders, Otto Boettger-Seni, für nachfolgende Generationen ein Bild von Bork zu skizzieren. Der Ort, heute Borkheide heißend, gehörte zu den Siedlungen, die Boettger-Seni auch für journalistische Zwecke besuchte. In einem 1932 verfassten Bericht, der der heutigen Rechtschreibung angepasst und hier leicht gekürzt wiedergegeben wird, schreibt er: Die private Bautätigkeit, die seit 1903 langsam eingesetzt hatte, nimmt nun einen erfreulichen Aufschwung. Die Jahre 1919 bis 1924 bringen ein weiteres Aufblühen der Grade-Industrie, mit ihr eng verbunden, eine weitere Entwicklung Borks.

Zwischen 1919 bis 1924 herrscht in Bork rege Bautätigkeit

In diesen Jahren setzte südlich der Bahn eine rege Bautätigkeit ein, die ihre Kräfte aus dem Boden der damals in Mode kommenden Wochenendbewegung zog. Bald wuchs sich die Wochenendbewegung zur bodenständigen Siedlungsbewegung aus. Bork durfte in dieser Zeit oftmals an den Sonntagen einen Verkauf von 3000 Fahrkarten verbuchen. Typisch für die damalige Strömung sei auch das geradezu im amerikanischen Stil aufgezogene benachbarte Wochenend, heute Borkwalde, angeführt, das im Laufe von zwei Jahren einen größeren Raumumfang als Potsdam erreichte.
Erst im Jahre 1914 geriet die Entwicklung Borks in geordnete, zielbewusste Bahnen. Das war, als Professor Jansen den Siedlungsplan für Bork mit sicheren Strichen festlegte. Langsam aber stetig ging es nun weiter aufwärts, trotz der vielen Hemmnisse, die sich der Entfaltung Borks entgegenstellten.

Ausbau des Postwesens, Einweihung des neuen Schulhauses, Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

Schritt haltend mit der allmählich aufblühenden Siedlung ging die kulturelle Entwicklung einher: Der moderne Ausbau des Postwesens, die Einweihung des schönen neuen Schulhauses und nicht zuletzt die Schaffung einer schlagkräftigen Freiwilligen Feuerwehr, der ein Sanitätskorps angegliedert ist.
Die Aufzeichnungen von Otto Boettger-Seni halten immer wieder neue Überraschungen parat. So schreibt er weiter: „... was vielen nicht bekannt sein dürfte“, dass „der zur Zeit leider Dornröschen schlafende Flugplatz Bork“, zu Beginn der 1920er Jahre „offizieller Verladeplatz des zentralen Flugplatzes Berlin-Tempelhof“ war.

Nach der Vereinigung von Bork und Bork-Nord sollte die Gartenstadt Bork entstehen

Auch das ist interessant: Bei einer Vereinigung von Bork und Bork-Nord hatte man damals die Vision, „in einer Reihe von Jahren die Gartenstadt Bork entstehen zu sehen“. In diesem Zusammenhang nennt Boettger-Seni die Männer, deren Namen mit der Entwicklung Borks eng verbunden sind. Von 1898 an notiert er: Amtsvorsteher Bürgermeister Nürnberg (Beelitz), Dr. von Ramin (Beelitz), August Bochow (Schäpe), die Gemeindevorsteher Schulze, Jacob, Gustav Tietz und Lintow sowie Dr. Schäfer, der sich um das Feuerwehrwesen verdient gemacht hatte. Hatte Boettger-Seni den Beginn seiner Aufzeichnung unter den Blickwinkel „wie Bork wurde“ gestellt, endete er mit Gedanken, „wie Bork werden soll“.
„Die Lösung dieser Frage aber steht oder fällt mit der so lange angestrebten Einführung des Vorortverkehrs nach Bork. Die Deutsche Reichseisenbahn hätte hier schöne Gelegenheit, sich mit um die Weiterentwicklung Borks verdient zu machen.“
Und auch diese Information hielt der Freienthaler für wichtig, aufzuschreiben: Das erste in Bork geborene Kind hieß Alice Riese. Sie erblickte am 25. März 1910 im Haus Bork das Licht der Welt.