Was geschah vor 110 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im September 1911 aus Reetz: „Verschiedene Brunnen haben schon das köstliche Nass versagt, und bei einigen bekommt von den Interessenten nur noch jeder sein gewisses Quantum zugemessen. Auch der ziemlich große Teich ist dem Austrocknen nahe und wurde schon deshalb das Wasserholen für die Dampfwalze, welche auf der Chaussee Reetz-Reuden arbeitet, verboten. Die betreffenden Wasserwagen müssen nun das Wasser zirka 1 ½ bis 2 Stunden weit aus der Schafwäsche, zwischen Reetz und Reppinichen gelegen, genannt ‚Hammelstall‘, holen, und auch dieser Quell nimmt zusehends ab.“

Während des Überlandfluges in Bork sind Straßen und Wege über das Flugfeld gesperrt

Der Amtsvorsteher von Bork (Borkheide) gab bekannt: „Während des Überlandfluges sind sämtliche Straßen und Wege über das Flugfeld ‚Mars‘ polizeilich gesperrt. In dieser Zeit dürfen Fuhrwerke, Räder und Fußgänger nur an den von den Polizeibeamten und Aufsichtsbeamten bezeichneten Stellen das Flugfeld passieren.“ Der bevorstehende Überlandflug war für den 23. September vorgesehen. „Wer diesem Verbote zuwider an nicht zugelassenen Stellen das Flugfeld betritt, wird bestraft“, so Dr. von Ramin. Über die Flugveranstaltung wurde auch rückblickend berichtet: „Vor allen Dingen hatten die jungen Flieger ihren guten Tag und es schien, als wenn sie dem scheidenden Sommer ein Lebewohl sagen wollten.“ Auch Hans Grade, er stieg mit dem „neuen Typ 1912“ in die Lüfte, war unter den Fliegern vertreten. „Leider war eine Engländerin enttäuscht. Die junge Dame hatte sich auf einen Aufstieg gefreut, doch war der Passagierapparat nicht montiert. In kürzester Zeit soll aber der Wunsch der Miß in Erfüllung gehen.“

Gemeindejagd in Rottstock ging an Fuhrwerksbesitzer Dahnemann in Steglitz

Die Verpachtung der Gemeindejagd in Rottstock bei Brück war abgeschlossen. Abermals ging die Jagd zu einem Pachtpreis von 1.850 Mark an den Fuhrwerksbesitzer Dahnemann in Steglitz über. „Solange Dahnemann schon Pächter der Jagd ist, hatte er zu dem Kinderfest alljährlich 100 Mark gespendet. Diese freiwillige Gabe ist in den neuen Betrag als eine Verpflichtung aufgenommen worden. Das letzte Mal hatte die Frau Gemahlin des Pächters der Kinderwelt eine schöne Überraschung bereitet und die Kinderherzen zuvor in eine freudige Erwartung versetzt. Sie hatte für jedes Kind – es waren 110 – ein Extrageschenk mit zu dem Feste gebracht. Das hatte großen Jubel ausgelöst, und Jung und Alt war der gütigen Spenderin von Herzen dankbar.“

Kaninchenplage in Niemegk während des Saatzeit

Aus Niemegk wurde von einer Kaninchenplage berichtet. „An den Waldrändern entlang sind schon Drahtzäune gezogen. Sie müssen noch bedeutend erweitert werden bei der Saatzeit. Zwar hat der Jagdpächter versprochen, jetzt Kaninchen abzuschießen. Wenn aber 800 Stück wirklich abgeschossen werden, so ist dies kaum zu spüren.“

Trockenheit verhindert das Sprießen von Pilzen

Während sich im Vorjahr viele Menschen mit dem Sammeln von Pfifferlingen und Steinpilzen ein gutes Zubrot verdienen konnten, war ihnen ein solcher Verdienst im Jahre 1911 nicht vergönnt. „Man kann jetzt stundenlang durch den Wald wandern, ohne auch nur einen Pilz anzutreffen; die anhaltende Dürre hat die Pilzlager vollständig ausgebrannt.“