Am 20. Januar 1911 hatten die Herren des Belziger Magistrats und des Stadtverordneten-Kollegiums die Ehre, Gäste des Königlichen Landrats Bernhard von Tschirschky und Boegendorff und dessen Frau Gemahlin zu sein.
Mit dem Ehrenbürgerbrief in der Tasche, kamen die Herren der städtischen Verwaltung nicht mit leeren Händen. Die Ehrenbürgerschaft, die die Stadt dem Landrat verliehen hatte, war damit der Grund für die Einladung beziehungsweise den Besuch.

Herr von Tschirschky engagiert sich zum Wohle der Stadt

Wenige Tage später wurde im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ darüber berichtet. Es heißt, dass Bürgermeister Stahlberg, der dem Landrat den Ehrenbürgerbrief überreichte, in seiner Ansprache auf die Verdienste - die sich Herr von Tschirschky um das Wohl der Stadt erworben, hatte - einging. Er bat, „auch für die Zukunft“ um des Landrats Wohlwollen. Letzterer nahm den Ehrenbürgerbrief in Empfang und stattete während der Tafel seinen Dank für die zuteil gewordene Ehrung ab. „Er hob in seinen Worten hervor, dass er sich mit seiner Familie schon lange als Belziger fühle; sei das Landratsamt doch schon von seinem Großvater und Vater verwaltet worden; und so hoffe er, dass sich die Verwaltung desselben auch weiterhin vererben möge.“ Der Landrat versprach, dass Interesse der Stadt Belzig auch weiterhin im Auge haben zu wollen und äußerte die Hoffnung, „die baldige Eingemeindung Sandbergs in den Stadtbezirk Belzig verwirklicht zu sehen“.

Beschluss für die Ehrenbürgerschaft erging im Oktober 1910 einstimmig

Den für die Übergabe der Ehrenbürgerschaft erforderlichen Beschluss hatten die städtischen Körperschaften im Oktober 1910 einstimmig gefasst. Den entsprechenden Antrag hatte Bürgermeister Stahlberg eingebracht. Auch darüber hatte das Kreisblatt berichtet: „Herr Landrat von Tschirschky ist der erste und einzige Ehrenbürger unserer Stadt“, so Alexander Mallwitz, der Herausgeber des Kreisblatts.

Eingemeindung des Dorfes Sandberg

1914 erfuhr der Landrat aus Anlass der Eingemeindung des Dorfes Sandberg in die Stadt Belzig eine weitere große Ehrung. Als „äußeres Zeichen“ hatte der Magistrat beschlossen, der Straße am Kreishaus den Namen „von Tschirschky-Straße“ (heute Niemöllerstraße) zu geben. Auch darüber berichtete das „Zauch-Belziger Kreisblatt“. Es heißt, dass von landrätlicher Seite diese Eingemeindung bereits seit über 50 Jahren angestrebt wurde und sich von Tschirschky  bei den nunmehr zum Erfolg gebrachten Verhandlungen „große Verdienste“ erworben hatte. Weiter schreibt Mallwitz: „Was Generationen erträumt, gewünscht, erhofft hätten, heute sei es erfüllt. Der Dank dafür gebührt in erster Reihe dem Herrn Landrat, der sich der Einsicht nicht verschlossen habe, dass eine Vereinigung beider Gemeinwesen zum Vorteile beider ausschlagen müsse“.

Landrat seit 22. Juni 1898 gewählt, am 8. August vom Kaiser berufen

In das Amt des Landrates gewählt wurde Bernhard von Tschirschky und Boegendorff am 22. Juni 1898. Am 8. August folgte die offizielle Berufung durch den Kaiser. Von Tschirschky war der fünfte Landrat des 1815 vereinigten Kreises und der dritte aus dem Hause von Tschirschky (Klein-Glien). Die Kreisverwaltung als landrätliche Arbeitsstätte befand sich ab 1893 im damals neu erbauten Kreishaus in der heutigen Niemöllerstraße. Von Tschirschkys Stadtwohnung befand sich wiederum in der Brandenburger Straße, wohin der Bürgermeister und die Stadtverordneten 1911 eingeladen worden waren. Am 12. November 1918 wurde von Tschirschky seines Amtes enthoben. Das Kreishaus an der von Tschirschky-Straße wurde in dieser Folge unter Verwaltung eines Arbeiterrates gestellt, dessen Vorsitzender der Belziger Maler Oskar Preuß war.