Vor seiner Auswanderung nach Amerika verabschiedete sich Gustav Poppenberg aus Niemegk am 12. März 1853 mit einem Inserat im Belziger Stadt- und Landboten von seiner Familie, von Verwandten und Freunden. Wie er brachen in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Menschen auf, um in der „neuen Welt" - in Amerika - ihr Glück zu suchen.

Der gesamte Besitz wurde verkauft

Vor der Abreise musste meist das gesamte Hab und Gut verkauft werden. Auch dabei halfen Inserate im Stand- und Landboten. „Wegen Auswanderung nach Amerika beabsichtige ich mein hierselbst vor dem Wiesenburger Tor belegenes Haus nebst Garten und Ställen, sowie einen Ackerplan auf dem Hagenberg und einen dergleichen auf den Torfstücken, am Mittwoch 15. März 1854 an Ort und Stelle meistbietend zu verkaufen", inserierte beispielsweise der in Belzig lebende Fuhrmann Schulze.

Eine ganze Gruppe reiste mit dem Schiff aus

Knapp sechs Wochen danach, am 27. April 1854, stand Schulzes Auswanderung mit seiner Frau und den drei Kindern unmittelbar bevor. Gut möglich, dass sie an jenem Tag sogar eines der Auswanderungsschiffe bestiegen. Mit ihnen reisten aus Belzig stammend der Tischlermeister C. Schmiel mit Frau und einem Kind, F. Schumann mit Frau, Pfennigsdorf mit Frau und einem Kind, Ferdinand Pfefferkorn, Karoline Jacob, Emma Müller und Christiane Große ab. Aus Reetzerhütten die Gebrüder Kracht mit Angehörigen, aus Setzsteig M. Eichelbau nebst Frau und drei Kindern und aus Brück ein gewisser Polz. Die genannten hatten gemeinschaftlich noch einmal ein Inserat im Belziger Stadt- und Landboten aufgegeben, um „allen ihren lieben Freunden, Verwandten und Bekannten ein herzliches Lebewohl" zu sagen.

Carl Eisenstein aus Berlin vermittelte Schiffspassagen

Bei der Vermittlung von Schiffspassagen war seit 1847 ein gewisser Carl Eisenstein aus Berlin als Generalbevollmächtigter und königlich-preußisch konzessionierter Generalagent für die Beförderung der Auswanderer und Reisenden nach Amerika tätig. In regelmäßigen Abständen annoncierte er im Stadt- und Landboten und ließ die Menschen wissen, dass im Wechsel, jeweils Sonnabends, in Bremen und Hamburg die großen Postdampfschiffe nach New York ablegten. Wie mag es Fuhrmann Schmidt aus Belzig, Gustav Poppenberg aus Niemegk, den Eichelbaums aus Setzsteig und allen anderen in Amerika ergangen sein? Nicht immer verlief der Weg in das erhoffte bessere Leben reibungslos. Brach der Kontakt zu den Familienangehörigen hier ab oder gab es ein Wiedersehen?

Weitere Bürger folgten dem Ruf der Freiheit

In den Jahren darauf folgten weitere Menschen wie die Familien Kalitz aus Görzke und Kelch aus Reetzerhüten ihrem Weg. Ab 1868 gab es mit dem Postexpediteur Göde aus Golzow in hiesiger Region sogar einen Ansprechpartner für Ausreisewillige.
Bärbel Kraemer von der Geschichtswerkstatt Belzig e.V. versucht, die Lebenswege der Auswanderer nachzuvollziehen. Dabei helfen können Nachfahren der Auswanderer, die von ihnen erzählen können. Jede noch so kleine Information ist dabei ein wichtiges Puzzlestück, dass bei der Erarbeitung einer Dokumentation helfen kann. (Kontakt: geschichtswerkstatt-kraemer@web.de oder 033841/31316).