Die letzte große Volkszählung, der „Zensus 2011“, liegt zehn Jahre zurück. Die nächste Zählung steht 2022 bevor. Da lohnt ein Rückblick in das Jahr 1910, als für den 1. Dezember eine Volkszählung terminiert wurde.
Im Vorfeld wurde die Bevölkerung gebeten, den ehrenamtlichen Zählern die Arbeit zu erleichtern und ihnen unnötige Wege zu ersparen. Gleichzeitig wurde über die Notwendigkeit informiert. Den Zählern war unter anderem Auskunft über die Anzahl der Familienmitglieder, Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf und Religionszugehörigkeit zu geben. Es heißt: „Die Ergebnisse der Volkszählung dienen nicht nur als Hilfsmittel wissenschaftlicher Erforschung wichtiger Verhältnisse des Volkslebens, sondern auch zu mancherlei praktischen Zwecken, wie zur Verteilung gemeinsamer Einkünfte und Lasten der einzelnen Bundesstaaten, zur Regelung der Münzprägung, zur Ordnung vieler Verhältnisse …“.

Guts- und Ortsvorstände übernahmen die Zählung, in Städten wurden Zählbezirke gegründet

Auf Zählkarten wurden die Informationen notiert. Während in kleinen Orten die Guts- und Ortsvorstände die Aufgaben der Zähler übernahmen, wurden in Städten Zählbezirke gegründet. Die Haushaltungsvorstände nahmen die Zählpapiere in Empfang und mussten sie ausfüllen oder durch geeignete Personen ausfüllen lassen. Ab 1. Dezember hatten sie diese Unterlagen ab mittags 12 Uhr zur Abholung wieder bereit zu halten. In Belzig gingen unter anderem Barbiermeister Fäsler, Kantor Kuhlmey, Kaufmann Sachs, Schornsteinfegermeister Kühne, Barbiermeister Hartmann und Schuhmachermeister Bruno Würz von Haus zu Haus.

Auch Pferde, Rinder, Schafe und Schweine wurden gezählt

In der gleichzeitig stattfindenden Viehzählung wurden Pferde, Rinder, Schafe und Schweine gezählt. Hierzu war jeder Haushaltungsvorsteher oder sein Stellvertreter verpflichtet, das ihm gehörende oder unter seiner Obhut befindliche Vieh, welches in der Nacht vom 30. November bis 1. Dezember 1910 auf dem Gehöft stand, zu zählen und wahrheitsgetreu einzutragen.
Im Ergebnis des Zählmarathons 1910 wurde festgestellt, dass in Niemegk 2.433 Menschen  (1.131 Männer, 1.302 Frauen) lebten. Die Viehzählung ergab 112 Pferde, 432 Rinder, 620 Schweine und drei Schafe. In Dahnsdorf  wurden 69 Wohnhäuser mit 178 männlichen und 185 weiblichen Personen festgestellt. Im Gutsbezirk weitere 25 Wohnhäuser in denen 66 Männer und 72 Frauen Personen lebten. Die Viehzählung ergab 67 Gehöfte, von denen 65 Viehbestände aufwiesen. Es wurden gezählt: 106 Pferde, 432 Rinder, 153 Schafe und 632 Schweine. Der Dahnsdorfer Gutsbezirk hatte 25 Gehöfte, von denen 23 Viehbestände aufwiesen. Hier wurden notiert: 24 Pferde, 138 Rinder, zwölf Schafe und 274 Schweine.

1.492 männliche und 1.535 weibliche anwesende Personen in Belzig

Ende Dezember lag das Ergebnis für Belzig vor. Es waren vorhanden: 426 bewohnte und drei unbewohnte Wohnhäuser. 662 gewöhnliche Haushaltungen von zwei und mehr Personen, 83 einzeln lebende Personen mit eigener Hauswirtschaft, fünf Gasthäuser, Herbergen und dergleichen mit einlogierten Gästen, zwei Anstalten, 1.492 männliche, 1.535 weibliche im Ort anwesende Personen, darunter zwei reichsangehörige aktive Militärpersonen. Auf den Kontrolllisten für die Viehzählung stand: 435 Gehöfte, davon 309 mit Viehbestand, 155 Pferde, 187 Rinder, 23 Schafe, 1.007 Schweine.