Was geschah vor 110 Jahren? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im Juli 1911, dass Hitze und anhaltende Trockenheit den Menschen zu schaffen machten. Die Belziger Stadtväter mussten in dieser Folge die Einwohner bitten, sich des Leitungswassers in schonender Weise zu bedienen und das Wasser in erster Linie für Wirtschaftszwecke in Haus und Stall zu reservieren. „Das Wasser wird weiter abends 10 Uhr abgeschaltet und morgens 5 Uhr wieder zu haben sein.“ Gleichzeitig wurde „das waldbesuchende Publikum“ darauf aufmerksam gemacht, dass „das Rauchen im Walde gesetzlich verboten ist und nach dem Strafgesetzbuch geahndet wird.“ Vermehrte Waldbrände hatten Anlass dafür gegeben.

Lehrer Görisch aus Medwitz verstarb am 12. Juli

Medewitz erreichte eine Trauernachricht. Lehrer Görisch, der über 30 Jahre das Lehramt verwaltet und die kirchliche Tätigkeit als Organist ausübte, war am 12. Juli an einem Herzschlag in Kochel (Oberbayern) verstorben. Mit einem Freund weilte der Lehrer dort zur „Erholung von der anstrengenden Schultätigkeit“. Görisch, schon seit einiger Zeit herzleidend, stand im 51. Lebensjahr. Während seiner Dienstzeit hatte er sich die Wertschätzung seiner Vorgesetzten, die Achtung seiner Kollegen, die Liebe der Dorfbewohner und „die Verehrung seiner Schüler im höchsten Maße“ erworben. „Durch die Lauterkeit seiner christlichen Gesinnung und seinem von edelster Menschenliebe getragenen Wandel leuchtete er vielen voran.“

Sohn Paul des Herrn Tiede aus Niemegk erleidet doppelten Beinbruch

Aus Niemegk wurde ein Lausbubenstreich mit Folgen bekannt: „Der 15-jährige Sohn Paul des Herrn Tiede wurde von einem Schlächterlehrling ohne besonderen Grund auf dem Marktplatz mit solcher Gewalt gegen einen Baum gestoßen, dass Tiedes rechtes Bein einen doppelten Bruch erlitt. Die zur Hilfsleistung requirierte Sanitätskolonne transportierte den Verunglückten nach Hause und legte im Verein mit dem hinzu gerufenen Arzt den ersten Verband an. Der Übeltäter wird sich voraussichtlich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht zu verantworten haben.“
Auf dem Flugfeld „Mars“ in Bork (heute Borkheide) herrschte reger Flugbetrieb. Menschen aus Nah und Fern machten sich dorthin auf, um die Flugzeuge mit eigenen Augen zu sehen. Über diese Nachricht, dass die Eintrittspreise zum Flugfeld gesenkt wurden, dürften sich die Zuschauer gefreut haben. Erwachsene konnten fortan für 20 Pfennig den Fliegern zuschauen. „Kinder unter acht Jahren sind frei. Zur Kontrolle müssen die Karten, welche aus einem Automaten entnommen werden müssen, sichtbar getragen werden.“

Hitzewelle sorgte für Brände in der Region

In mehreren Orten kam es, nach der Hitzewelle, infolge starker Gewitter zu Bränden. In Niemegk brach auf dem Grundstück des Bahnarbeiters Gerner in der Burgstraße ein Feuer aus, das einen Stall in Asche legte.
In Locktow ging die Scheune des Kossäten Gustav Hinze in Flammen auf. „Die Spritze von Mörz war als erste auf der Brandstelle und trat gleich in Tätigkeit. Während die Locktower das Eichelbaumsche Grundstück schützten, stand die Mörzer Spritze an der Brandstelle und hielt die beiden Ställe nass. Die Neschholzer Spritze war als zweite auf der Brandstelle und trat ebenfalls in Tätigkeit. Die Dahnsdorfer und Lüsser kehrten um, weil die Gefahr, dass das Feuer weiter um sich greifen könnte, nicht da war.“ Einziger Trost für den Locktower Kossäten Gustav Hinze war, dass sich nur noch Strohvorräte in seiner Scheune befanden und er noch nicht eingefahren hatte.