Der Brauch, an den Sonntagabenden zwischen dem 6. Januar und dem Osterfest auf den Straßen von Niemegk Fastnachtsbrezeln zu verkaufen, ist in Vergessenheit geraten. Seit mehr als 100 Jahren wird er nicht mehr gepflegt.
In einer Ausgabe der „Zauche-Fläming Heimat“ (Jahrgang 1942) wird über den damals schon nicht mehr existenten Brauch berichtet. Es heißt, dass „die modere Zeit“ um die Jahrhundertwende den Straßenverkauf der Brezeln immer mehr einschränkte und er während des Ersten Weltkrieges „vollends zum Erliegen“ kam.

Zwei junge Bäckerburschen boten die Köstlichkeiten an

Doch was hatte es mit den Fastnachtsbrezeln auf sich? Der namentlich nicht genannte Schreiber erklärt in diesem Zusammenhang, dass neben den Fastnachtsbrezeln auch Mohn, Kümmel- und Schaumbrezeln feil geboten wurden. Weiter heißt es: „Zwei junge Bäckerburschen trugen einen großen, viereckigen Korb, ähnlich einem Waschkorb, der, mit entsprechender Einteilung versehen, diese köstlichen Brezeln barg. Unter Schwenken einer Laterne, die damals bei der schwachen Beleuchtung der Straßen weithin sichtbar war, und mit dem Rufe: ‚Brezeln, frische Brezeln!‘ zogen sie straßauf und -ab und lockten damit die jungen Leute an ihren Korb. Hier setzte bald ein guter Verkauf des Korbinhalts ein, denn jeder erstand, je nach dem Inhalt seiner Geldbörse, einige Brezeln.

Knabberwerk zum Bierchen genossen

Es war selbstverständlich, daß jeder junge Mann seinen Schatz reichlich mit diesem Knabberwerk versorgte. Der Verkauf wurde auch in den einzelnen Gastwirtschaften fortgesetzt, denn die ehrsamen Bürger, die hier beim Doppelkopf ihre Braune tranken, ließen sich die Salzbrezeln munden, die ja zu dem Bier ganz vorzüglich schmeckten. Erst spät abends wurde der Verkauf eingestellt. So ging es vielleicht schon Jahrhunderte lang, und alle Jahr kam ein andere Bäckermeister an die Reihe.“
Erwähnenswert hier ist, dass noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Stadt sieben Bäcker ihr Handwerk, unterstützt von zwei Gesellen, ausübten. Das Geschäft mit dem Straßenverkauf der Fastnachtsbrezeln machte damit jeweils immer nur einer.

Brezeln noch bis in die 1930er Jahre gebacken

Auch Siegfried Dalitz, der mehrere Chronikbände die Stadtgeschichte betreffend hinterließ, war der Aufsatz in der „Zauche-Fläming Heimat“ bekannt. Der Niemegker konnte ihn wie folgt ergänzen: „Brezeln wurden dann von den Bäckern nur noch bis in die 1930er Jahre zum Aschermittwoch und zum Verkauf im Laden gebacken. Mit dem Zweiten Weltkrieg fand die Herstellung der Schaumbrezeln endgültig sein Ende. Vermutlich lag es daran, dass die Herstellung sehr arbeitsaufwendig war und durch den Krieg kaum noch Arbeitskräfte zu haben waren.“