Der Heimatschriftsteller und zeitweilige Herausgeber des Kreiskalenders, Otto Boettger-Seni, veröffentlichte in den 1920er und 1930er Jahren auch in der Brücker Zeitung Aufsätze. Dafür bereiste er nicht nur Städte wie Werder, Beelitz und Belzig, sondern auch kleine Orte, wie das heutige Borkheide - damals noch Bork heißend. Dieser Bericht wurde 1932 in der Brücker Zeitung veröffentlicht und soll hier, der heutigen Rechtschreibung angepasst und leicht gekürzt, wiedergegeben werden.

Eine „Ortsbaby“ wie Bork hat mit seinen 32 Lebensjahren Lesenswertes zu bieten

Boettger-Seni schrieb: Wohl bin ich nicht in der Lage, heute mit diesen Zeilen das 700-jährige Bestehen der Siedlung Bork zu feiern, da heißt es noch ein Weilchen warten. Ich möchte aber den Beweis antreten, dass selbst so ein - an Belzig oder dem bald 1000-jährigen Beelitz gemessenes „Ortsbaby“ wie Bork, mit seinen 32 Lebensjahren, Lesenswertes zu bieten hat.

Ankauf des Jagdgebietes um Bork durch Jürgens und Böhninger

Im Jahre 1898 war es, die ehemalige Wetzlarer Bahn grub sich ihren Weg durch das stundenweite Waldgebiet, in das heute Bork eingebettet liegt, als Professor Jürgens, Chefarzt vom Krankenhaus zu Berlin-Hoppegarten, hier seinen Weidmannsgelüsten mit dem damaligen Gemeindevorsteher von Wendisch-Bork (Anm.: heute Alt Bork) - Albert Schulze - frönte. Jürgens, ein großer Phantast, und wie alle diese nicht im Besitze eines großen Bankguthabens, kommt die Idee, sich hier, in diesem schönen, ausgedehnten Jagdgebiet anzukaufen. Der Gedanke liegt nahe, dass ihn in dieser Absicht Albert Schulze unterstützte. Professor Jürgens tat sich mit Herrn Böhninger zusammen, um sein Kaufprojekt durchführen zu können. Man kaufte 715 Morgen Heide, diesseits und jenseits der Wetzlarer Bahn. Um sie auch gleich an Ort und Stelle gastronomisch auswerten zu können, bauten sich die zwei 1899 ein Häuschen, damals in kleinen Ausmaßen, dicht neben der Bahn, dass später Jugendheim wurde. Wohl hatten Jürgens und Böhninger die 715 Morgen nicht zu teuer bezahlt, aber der Vertrag hatte, wie alles im Leben, seinen Haken. In den Kaufvertrag war der Punkt aufgenommen, dass die Käufer dieses Jagdgebietes den Bau des Bahnhofs Bork zu finanzieren hatten.

Der Bahnhof Bork wird 1900 gebaut

Im Jahre 1900 wird der Bahnhof Bork, ein architektonisches Schmuckstückchen, gebaut. Bahnhof Bork steht und wird seiner Bestimmung zugeführt, Böhninger und seinem Jagdfreunde Jürgens aber geht dabei, wie man so zu sagen pflegt, „die Puste aus“. 1905/06 trennen sich die beiden Besitzer. Ihr Eigenheim geht nun von Hand zu Hand. Einen Teil des Geländes kaufte der Ingenieur Rothgießer, Berlin. Und nun nähern wir uns der eigentlichen Geburtsstunde Borks. Auf einer Reise nach Frankreich sieht Rothgießer in Pau stark besuchte Fliegervorführungen, die Bleriot und die Gebrüder Wright bestreiten. Als Mensch mit weitem Horizont kommt ihm dort der Gedanke, nahe dem Bahnhof Bork den ersten Flugplatz in Deutschland zu eröffnen. Mit sicherem Blick fällt seine Wahl auf Hans Grade, den er sich 1909 aus Magdeburg holt, um ihm auf seinem Flugfelde Mars bei Bork ein neues Wirkungsfeld zu schaffen. Hans Grade, dem erfolgreichen Ikariden, gelingt es nun, dem Namen Bork, aus der verträumten märkischen Waldverschwiegenheit heraus, Weltruf zu schaffen. Der Flieger Grade - Bork! Die ganze Welt horcht auf. Auf dem Flugplatz Mars zu Bork werden Flugrekorde gebrochen. Von Bork nach Brück geht in atemloser Spannung die erste Flugpost!