Die ersten 3.000 Weihnachtsbäume für das Weihnachtsfest des Jahres 1910 wurden am 2. Dezember durch die Forstverwaltung der Güter Wiesenburg - öffentlich meistbietend und gegen Barzahlung - am Birkenberg bei Grützdorf nahe der Belziger Chaussee verkauft.

Schmückwerk und allerlei Geschenkideen

In Belzig hielten eine ganze Reihe von Geschäftsleuten Dinge parat, mit denen die Weihnachtsbäume geschmückt werden konnten.
Bei Richard Vocke gab es Christbaumständer, Christbaumlichthalter und Christbaumschmuck. Als Neuheit waren kleine goldene und silberne Drahtkörbchen im Sortiment. Daneben erhielt die Kundschaft bei Vocke auch Kinderschlitten, Schlittschuhe und echte Gebirgsrodelschlittengeläute, die später als Geschenk unter dem Baum liegen konnten.

Weihnachtsausstellung bei Konditormeister Dorno

Baumlichte in allen Größen und Farben sowie Wachsstöcke in verschiedenen Größen bekam die Kundschaft bei Kaufmann Busse.
Feinster essbarer Baumschmuck war wiederum bei Konditormeister Dorno erhältlich. Er lud in der Adventszeit zu einem Besuch seiner Weihnachtsausstellung. Die war reich bestückt mit Baumbehang in großer Auswahl, Honigkuchen, Marzipan, Schokoladengegenständen und diversen Bonbonieren.

Mandeln, Sultaninen, Rosinen, Korinthen und Zitronat

Zur Festbäckerei daheim hatte Kaufmann Lucke ein breites Sortiment im Angebot. Dazu gehörten Mandeln, Sultaninen, Rosinen, Korinthen und Zitronat. Das besondere Schnäppchen: „Vorjährige Rosinen das Pfund zu 25 Pfennig“. Kurz vor dem Fest brachte Lucke in einem Inserat noch einmal sein reichhaltiges Zigarrenlager in Erinnerung. Und er warb für sein Spirituosenlager. Vorrätig waren Rotweine, Weißweine, Südweine, Cognac, Rum, Punsch und verschiedenste Liköre.

Geschenkideen bei Emil Balzer

Weihnachtsgeschenke in großer Auswahl - Fotografie- und Postkartenalben, Haussegen, Kochbücher, Damentaschen, Papierkassetten, Gesangbücher, Schreibzeuge, Poesies, Bilder, Portemonnaies, Zigarrentaschen, Nippsachen, Spiegel, Etuis, Nähkästen, Haarschmuck, Jugendschriften, Galanteriewaren, Spielwaren und Puppen - hatte Emil Balzer in seinem Geschäft vorrätig.

Weihnachtsmarkt in Belzig

Mit Weihnachtsgeschenken und tausend anderen kleinen Dingen konnte man sich auch auf dem traditionell vor dem Fest in Belzig stattfindenden Weihnachtsmarkt eindecken. 1910 fand derselbe am 14. Dezember statt. Wer sich auf dem Weg zum Markt machte, musste jedoch vorsichtig sein und auf den Weg achten - zumindest wenn er aus Richtung Schwanebeck kam. „Im Zuge der Belzig-Brandenburger-Kreischaussee, dicht hinter Belzig an der Lehmgrube der Kirstenschen Ziegelei, hat sich auf 60 bis 80 Meter Weges eine bedenkliche Senkung des Chausseedammes eingestellt, die auch einen Teil des rechtsseitig gelegenen Ackers in Mitleidenschaft gezogen hat. Damm und Acker weisen tiefe Risse und Furchen auf. Wie es scheint, hat die Senkung die Ausspülung des Untergrundes durch Quellwasser als Ursache. Die betreffende Stelle ist natürlich für Reiter und Fuhrwerke unpassierbar.“

Hüfner Otto Schöter plagten Sorgen in der Weihnachtszeit

Weihnachtssorgen hatten indes der in Linthe ansässige Hüfner Otto Schöter und seine Magd Minna Heese aus Alt Rottstock. Die Magd hatte vom Hüfner den Auftrag bekommen, ein Gewehr alten Kalibers, welches nicht mehr gebraucht wurde, in den Ofen zu stecken. „Das junge Mädchen kam dem Befehle auch nach, keiner wusste aber, dass das Gewehr noch geladen war. Kaum hatte das Mädchen den Kolben in das Feuer gesteckt, als sich auch schon der Schuß entlud. Er ging dem jungen Mädchen in die rechte Hand und Hüfte.“

Schröter seit Jahren vom Unglück verfolgt

Weiter heißt es, dass Schröter in den vergangenen Jahren bereits mehrfach vom Unglück heimgesucht worden war. Eine Magd war ihm im Krankenhaus verstorben. Einer seiner Knechte starb, nachdem er von Schröters Pferd getreten worden war. Ferner waren dem Hüfner in 1910 bereits „zwei Pferde gefallen“ (gestorben). Damit nicht genug: „Auf der Rückfahrt mit der Heese vom Arzt in Brück nach Linthe ging ihm das Pferd durch, nachdem es zwischen Bahnhof Brück und Rottstock die Schere des Wagens zerbrochen hatte. Der Wagen wurde deshalb einstweilen nach Rottstock geschoben. Das mit der Schere davonrasende Pferd eilte zu seinem früheren Besitzer nach Linthe, von dem es Schröter erst kürzlich gekauft hatte.“ Wie es der verletzten Magd ging, darüber schweigt das Blatt.
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