Was geschah vor 100 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im November 1920 über diverse Brandereignisse. Von drei Vorfällen wird in dieser Folge der Heimatgeschichte erzählt.

Brand unterbracht Trauung

Aus Ragösen heißt es: „Eine unangenehme Störung erlitt letzten Dienstag Nachmittag eine kirchliche Trauung durch den wiederholten Ruf ‚Wrickes Scheune brennt‘ und das Verlangen, die Sturmglocke zu ziehen, was mit Bezug auf die kirchliche Handlung verweigert werden musste. Unter lautem Gepolter verließen die Zuschauer die Emporen und auch der Hochzeitsgäste bemächtigte sich, bevor sie den Brandherd erfuhren, eine gewisse Beunruhigung.

Rettung des Gebäudes ausgeschlossen

Infolge des Orkanartigen Sturmes, der die Flammen zu immer neuen Gluten anfachte, war die Rettung des Gebäudes ausgeschlossen, so dass sich die hiesige Spritze damit begnügen musste, das Feuer auf den ursprünglichen Herd zu beschränken. Sämtliche Heu- und viele Strohvorräte wurden ein Raub der Flammen. Von dem Vieh, dass in der Scheune untergebracht war, verbrannten zwei Ferkel, während ein drittes angebrannt war. Das Schlachteschwein floh nach der nahen Staatsforst und wurde erst abends in der Dunkelheit in einer Schonung von Schulknaben gefunden und zurückgebracht.

Brandursache unbekannt

Über die Entstehung des Feuers ist nichts bestimmtes bekannt, dass es durch Kinder entstanden sein kann, ist nicht ausgeschlossen, aber nicht erwiesen. Als eine Unsitte muss es übrigens bezeichnet werden, dass die Kinder der Bahnhofstraße abends mit ausgehöhlten Kürbissen, die brennende Lichte enthalten, umherlaufen. Da gerade in der Bahnhofstraße überall an den Zäunen leicht brennbare Stoffe aufgespeichert sind, so ist es Sache der Eltern, diese gefährliche Spielerei zu verbieten.

In Schutt und Asche

Ein Glück bei der Gefahr war es, dass der Sturm die Flammen in die nahe Frost trug, die wiederholt brannte; umgekehrt wäre die ganze Bahnhofstraße, deren Gebäude meist dicht von Holz- und Reisbundmieten und Streuehaufen umgeben sind, also den Flammen günstige Nahrung bietend, in Schutt und Asche gelegt worden. Bei den jetzigen teuren Holz- und Steinpreisen und Arbeitslöhnen wird es dem abgebrannten Besitzer schwer werden, die Scheune, die er auch als Viehstall notwendig braucht, wieder aufzubauen. Für die Unterbringung und Ernährung des Viehs wird vorläufig die Gemeinde sorgen. Dankbar zu begrüßen wäre es, wenn auch die Oberförsterei Dippmannsdorf ein übriges tun und dem Abgebrannten vom Forstfiskus Bauholz für einen ermäßigten Preis erwirken würde.“

Feuer in Mützdorf forderte Menschenleben

In Mützdorf kam es zu einem Feuer, dass ein Menschleben forderte. Spät abends bemerkten Einwohner, dass auf dem Boden des Wilhelm Krügerschen Hauses Flammen zum Fenster herausschlugen. „Sie weckten sofort das Krügersche Ehepaar, dass schon schlief, und retteten, was noch zu retten war, Betten und Möbel. Nach dem Vater des Eigentümers Krüger, dessen Bett leer war, wurde in der Aufregung nicht gefragt, da man annahm, dass er in seinem kranken Zustand Aufnahme bei Nachbarsleuten gefunden habe.

Verkohlte Leiche entdeckt

Als jedoch nach 3 Uhr das Feuer abgelöscht war, entdeckte man mit Schrecken die verkohlte Leiche des alten Krüger auf dem Hausboden unter dem Dach. Er soll in letzter Zeit wiederholt geäußert haben, seinem Sohne Schaden anzutun und wahrscheinlich bei der Ausführung dieses Planes durch Erstickung den Tod gefunden. Er hat auf dem Hausboden Heu angezündet und ist durch die schnelle Rauchentwicklung, ehe er die Treppe finden konnte, bewusstlos geworden und verbrannt. Den Eigentümer Krüger trifft ein großer Verlust, weil er nur niedrig versichert war. Verbrannt sind ihm Getreide, Heu und Obst und verschiedene andere Sachen. Zur Hilfeleistung waren die Spritzen aus Grubo und Lotschke erschienen. Der Dachstuhl ist vernichtet. Hätte Mützdorf eine Spritze gehabt, wäre das Haus wohl gerettet worden.“

Sechsjähriger setzte Brand in Wiesenburg

In Wiesenburg verkündeten Feuerhörner den Ausbruch eines Schadensfeuers. „Der sechsjährige Sohn der Kriegerwitwe G. hatte Laub in Brand gesetzt und bei dem herrschenden Winde hatte ein Holzdiemen des Herrn Franz Zehnsdorf Feuer gefangen, dass den unteren Teil des Dorfes in ein graues Nebelmeer verwandelte. Unsere brave Feuerwehr war mit ihrer neuen Spritze schnell zur Stelle und es dauerte nicht lange, da hatte sie jede Gefahr beseitigt und den Brand gelöscht.“