In der Vergangenheit wurden Familienstreitigkeiten nicht selten öffentlich ausgetragen. Im „Belziger Stadt- und Landboten“ ist eine solcher Zwist, geschehen im Jahr 1848, zwischen Vater und Sohn überliefert. Wie er ausging, darüber schweigt das Blatt. Bei ihrem Streit ging es, wie so oft, um das liebe Geld. Konkret um ein Altenteil, dass der Vater bei der Übergabe seines Büdnergutes an den Sohn für sich eingefordert hatte. Da es damals weder Renten- noch Pflegeversicherungen gab, war der Vater über dieses Altenteil finanziell abgesichert. Eine gängige Praxis zur damaligen Zeit. Doch entweder hatte er mehr gefordert als die Büdnerwirtschaft abwerfen konnte oder die Nöte der Zeit hatten die wirtschaftliche Situation des Sohnes verschärft.

Was war geschehen?

Dem Vater war zugetragen worden, dass der Sohn auf „öffentlicher Bierbank“ gesagt haben soll, dass er 700 Thaler geben würde, wenn seine Eltern in vier Wochen unter der Erde sein. Anstatt den Sohn darauf anzusprechen, wählte der Vater den Weg in die Öffentlichkeit. Die Leser des „Belziger Stadt- und Landboten“ ließ er wissen: „Vor kurzem stand in diesem Blatte eine Erzählung von einem Bauer, dessen Kinder ihn quälten, er mögen ihnen die Wirtschaft übergeben und sie wollen ihn dafür pflegen. Er aber fing junge Sperlinge ein, die von den Alten gefüttert wurden; dann ließ er die Jungen fliegen und steckte die Alten in den Bauer; aber keiner der jungen Spatzen kümmerte sich um seine Pfleger. Hierdurch bewies er, wie viel auf die Kindesliebe für treue Pflege und unendliche Sorge und Mühe zu geben sei. Diese Wahrheit habe auch ich alter Mann nach einem langen, langen Leben voller Sorgen und Mühen, um eine zahlreiche Familie zu erhalten und meine Kinder dereinst nicht hülflos in die Welt hinaus zu senden, an einem meiner Kinder, jedenfalls dem Bevorzugtesten in der Überlassenschaft, gemacht ...“. Am Ende wiederholte er den ihm zugetragenen Satz.

Die Stimmung war hinüber, der Sohn antwortete ebenfalls öffentlich

Dass die Stimmung im Haus danach endgültig verhagelt war, ist anzunehmen. Es dauerte auch nur wenige Tage, bis sich der Sohn im Kreisblatt zu Wort meldete: „Blutige Thränen sind oft, sehr oft geweint, nicht aber von Euch Eltern, sondern wir haben sie über Euch weinen müssen. Ihr habt durch Eure Handlungsweise nicht allein meine, sondern auch die Gesundheit meiner Frau hingeopfert; der ganze Ort kann Zeugniß geben. Ich, der Bevorzugte in der Ueberlassenschaft? Nein, einen drückenden Auszug habt Ihr mir bei der Uebergabe auferlegt, und nicht etwa aus Noth, denn Ihr hattet und habt jetzt, nachdem Ihr Eure Kinder alle, und einige viel besser, denn mich, versorgt, noch so viel, daß Ihr von Zinsen leben könnt; ich habe Euch diesen Auszug unverkürzt und ohne Murren, pünktlich gegeben, nur im vorigen Jahre habt Ihr mir zwei Scheffel Korn erlassen, wo Ihr aber nicht ermangelt, mich täglich daran zu erinnern.“

Behauptungen wurden mit Zahlen unterlegt

Dann nennt der Sohn Zahlen. Genannt sind 200 Thaler, die er für den Ankauf der elterlichen Büdnerwirtschaft zahlte, sowie jährlich vier Scheffel Roggen, 12 Scheffel Kartoffeln, 52 Stück Butter, 52 Pfund Fleisch, 91 Maß Milch, die Hälfte vom Obst, freies Brennholz und freie Wohnung. Die Äußerung, wie sie geschehen sein soll, wies der Sohn abermals zurück - und forderte Mühlenmeister Sch. auf, die Wahrheit zu bekennen und seine Unschuld zu bezeugen.