„Ich habe die alte Bäuerin aus den Zauche-Dörfern noch gut in Erinnerung mit ihren vielen Falten im Gesicht, den rissigen Händen und den Beinen, die von Krampfadern entstellt waren. Sie hatte sich nie schonen können und schwere körperliche Arbeit geleistet wie ein Mann, ungeachtet der Schwangerschaften und Stillzeiten. Sie war eine unendlich gute und fleißige Frau, die viel zu früh gealtert war in Mühen und Sorgen", so Barbara Faensen in ihrem Ratgeber „Kleine Kosmetik für die Landfrau". Er erschien im Heimatkalender 1962 in der Rubrik „Die Seite für die Frau" - die jedoch einmalig blieb und schon 1963 nicht fortgesetzt wurde.

Schönheitsmittel-Empfehlungen von Barbara Faensen

Lesen wir, was Barbara Faensen empfahl: Die Landfrau hat zunächst einen klaren, frischen, wettergebräunten Teint, der keine Schminke braucht. Nur sollte die Frau auf dem Lande darauf achten, dass Wind und Wetter die Haut nicht zu stark austrocknen und vorzeitige Faltenbildung verursachen. Milch ist das allerbeste Schönheitsmittel seit Jahrtausenden, warum will sie es nicht auch ausnutzen? Also: Abends vor dem Schlafengehen jeden Tag erst einmal den ganzen Körper mit Wasser und milder Seife waschen. Das Gesicht wird dann mit etwas roher oder saurer Milch leicht eingerieben, das ganze zwei Minuten einwirken lassen, anschließend wieder mit kaltem oder lauwarmen Wasser abspülen. Danach wird zur Nacht das Gesicht sanft eingefettet, Hals nicht vergessen.

Pflegemittel aus der Natur für Gesicht, Hals, Hände und Füße

Einmal in der Woche bekommt das Gesicht eine Sonderzuteilung: Legen Sie einen mit Milch getränkten Wattebausch auf das Gesicht, 15 Minuten langlegen, Beine hochlagern und entspannen.
Für Hals und Hände machen sie sich so oft sie Zeit finden, eine Ölkur, damit der Hals keine Falten bekommt und die Hände nicht rau und rissig werden. Erwärmen sie ein wenig Sonnenblumenöl, legen sie um den Hals einen ölgetränkten Wickel, die Hände tauchen sie in das Öltöpfchen, so werden die Spuren der Feldarbeit, des Scheuerns und Putzens rasch getilgt. So oft sie können, legen sie die Beine hoch bei der Hausarbeit, damit nicht Schwellungen und Stauungen ihnen das Leben erschweren. Leisten sie sich jeden Abend ein Fußbad, eine Handvoll Kochsalz hinein, und es wird wunderbar stärken. Wenn sie durch Überanstrengung einmal geschwollene Knöchel haben, dann tauchen sie ein Frottiertuch in einen Rosmarinaufguss (eine Handvoll auf einen Liter Wasser), schlagen das Tuch um die Knöchel und legen sich hin, indem sie die Füße höher lagern durch zwei untergelegte Kissen. Krampfadern sind häufige Schönheitsfehler bei den Landfrauen, doch kann man ihrer Entstehung gut vorbeugen, wenn man schon in jungen Jahren darauf achtet, dass keine Stauungen am Körper entstehen können durch zu stramme Gummibänder, zu enge Schuhe, zu starke einseitige Belastung der Beine bei langem Stehen usw.

Die exakte Pflegeanleitung für schönes Haar

Und dann das Haar! Schonen Sie es recht! Wenn sie nicht mit einem struppigen Kopf herumlaufen wollen, schützen sie bei der Arbeit in Feld und Garten das Haar mit Hut oder Kopftuch vor Sonne, Wind und Wetter, in der Scheune vor Schmutz und Staub. Wenn sie nur ein-, höchstens zweimal im Jahr eine Dauerwelle legen lassen und es ihnen zur Gewohnheit wird, das Haar regelmäßig mit 100 Bürstenstrichen täglich zu versorgen, wird es seinen jugendlichen Glanz bewahren bis ins hohe Alter. Zum Waschen benutzen sie eine gute Ölhaarwäsche, die sie sich selbst bereiten können: Mischen sie zwei Eigelb mit ein paar Tropfen Öl und reiben sie das Haar gründlich ein. Je länger sie die Haarpackung einwirken lassen, desto größer ist die Wirksamkeit. Danach waschen sie das Haar mit dieser Packung, sie schäumt mild. Seife braucht ihr Haar nicht, aber zum Spülen mit lauwarmen Kamillentee wird unbedingt geraten .
Und wenn sie ausgehen wollen, benutzen sie den Lippenstift sparsam und wählen einen nicht zu dunklen oder gar violetten Farbton zu ihrem schönen Kleid. Viel Vergnügen - und schlafen sie nach Möglichkeit hinterher gut aus. Denn Schlaf ist in der Kosmetik durch nichts zu ersetzen (Anm.: gekürzt).