Was geschah vor 110 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im März 1911, dass in Kuhlowitz eine „Musterwirtschaft“ entstand: „Eine bedeutende Erweiterung seines Gehöfts nimmt der Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher Fr. Paul hier selbst vor. An Stelle eines alten abzubrechenden Hofgebäudes lässt er ein neues, allen modernen Anforderungen der Neuzeit entsprechendes Wirtschaftsgebäude errichten, welches die gewaltige Ausdehnung von über 35 Meter Front und 11,26 Meter Tiefe haben wird. Das Erdgeschoss wird Futterküche, Backstube und Backofen mit Vorraum, einen großen Schweinestall, Hühnerställe, Kutscherstube, einen großen Pferdestall, eine Geschirrkammer und einen Gaststall enthalten. Für die Ober- und Dachetage sind Bodenräume und Kammern vorgesehen.“ Die Ausführung war dem Maurermeister Sacharowitz aus Belzig übertragen worden. Die Meldung endete mit der Aussage, dass nach Abschluss des Bauvorhabens alle Hofgebäude der Paulschen Wirtschaft Neubauten seien.

Hüfner Paul meldet sich daraufhin zu Wort

Wenige Tage danach meldete sich Hüfner Paul zu Wort. Er bat um Korrektur der Meldung, die auf seinem Gehöft geplanten Bauarbeiten betreffend. Er ließ wissen, dass nach Beendigung derselben seine Wirtschaft nicht aus lauter neuen Gebäuden bestehen würde und diese aus solchem Grund ebenso wenig als Musterwirtschaft gelten könne.

Weichensteller Kronert aus Wiesenburg ereilte der Tod

Aus Wiesenburg kam diese Nachricht: „Während der Ausübung seines Dienstes vom Tode ereilt wurde Montag Vormittag der Weichensteller Kronert auf Bahnhof Wiesenburg. Das Personal eines Zuges, dem auf mehrmaliges Pfeifen das Einfahrtssignal nicht gegeben wurde, fand ihn auf der Strecke zwischen den Schienen liegend tot vor. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Kronen war unverheiratet.“

Neue Mitglieder im Der Verein für Landwirtschaft und Gartenbau

Der Verein für Landwirtschaft und Gartenbau für Belzig und Umgebung hielt seine 211. Vereinssitzung ab. Als neue Mitglieder wurden der Königliche Kreisarzt Dr. med. Meyer aus Belzig und der Hüfner Gustav Paul aus Rädigke aufgenommen. Die Vereinsmitglieder machten sich Gedanken über den Schutz der Singvögel, die Vertilgung der Feldmäuse und welche Hafersorten sich für die hiesigen Bodenverhältnisse am besten eignen würden.
Beraten wurde auch über die Gründung eines Pferdezuchtvereins. 60 Mitglieder signalisierten Interesse, sodass die Gründung schon in der nächsten Sitzung erfolgen sollte. Für den Vorsitz des Pferdezuchtvereins konnte Amtsvorsteher Koreuber gewonnen werden.

Tanzkränzchen in Reetz für junge Leute

In Reetz nahm man das Musterungsgeschäft zum Anlass für ein Tanzkränzchen. 23 gestellungspflichtige junge Leute waren zum Aushebungstermin in die Kreisstadt vorgeladen. Es heißt: „Wenn auch die Stimmung bei der Abreise etwas gedrückt war, um so fröhlicher war die Rückkehr. Mit der hiesigen Musikkapelle an der Spitze wurde mit Sang und Klang der einige Kilometer lange Weg von Bahnhof Wiesenburg zurückgelegt und schließlich fand Umzug durch die Straßen unserer Ortschaft statt.“

Feuer in der Werkstatt des Töpfermeisters de Bucourt

Der Schreckensruf „Feuer“ riss die Niemegker aus dem Schlaf, als die Werkstatt des Töpfermeisters de Bucourt ausbrannte. Die Maschinen, die nicht versichert waren, wurden stark beschädigt. „Man nimmt an, dass das Feuer an einem Balken, der in den Schornstein hineingebaut war, ausgekommen ist“, so die Berichterstattung.
Ungehobelt benahmen sich zwei Schlächter aus benachbarten Dörfern auf ihrem Heimweg von Berlin nach Rottstock bei Brück. Während der Fahrt gerieten sie arg aneinander. „Ein mitreisender Fahrgast im selben Abteil schien darüber barbarisch in Angst zu geraten und zog die Notleine.“ Die Missetäter wurden sofort namentlich festgestellt. Auf dem Brücker Bahnhof angekommen, mussten sie sich zur Strafe beim Stationsvorstand melden. „Beide bleich und verstört, und wie es schien, versöhnt, erfüllten sie diese traurige Pflicht.“