Was geschah vor 110 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im April 1911 über die Witterung während des Monatswechsels: „Nun haben wir einen regelrechten Frühlingswinter“. Das Quecksilber stieg in den ersten Apriltagen kaum über Null; während die letzten Märztage sonnig und warm waren. Es heißt, dass auf Juniwärme Januarkälte folgte und ein „ziemlich hartnäckiges Frühjahrsgewitter“ über Belzig und die Umgebung zog. In Fredersdorf traf ein Blitz die Spitze des Kirchturmes, richtete aber keinen weiteren Schaden an; „ein Vögelchen nur war es, das auf der Turmspitze geweilt und durch den niedergehenden Strahl den Tod fand“.

Brand im Cammeraner Vorwerk

Der Ruf des Feuerhornes ließ die Cammeraner zum nahen Vorwerk Tornow eilen. Ein Dachstuhlbrand sorgte dort für helle Aufregung. „In der Decke eines kleinen, zu der Dienstwohnung des Königlichen Försters Rücker gehörigen Dachstübchens war das Feuer entstanden. Glücklicherweise konnte das Feuer durch das schnelle Eingreifen zahlreich herbeigeeilter Hilfspersonen auf seinen Herd beschränkt werden.“

Anzeigepflicht von übertragbaren Krankheiten

Der Landrat mahnte bei den Kreiseingesessenen wieder die Anzeigepflicht von übertragbaren Krankheiten an. Auch Fälle von Diphtherie (Rachenbräune), übertragbarer Genickstarre, Kindbettfieber, Körnerkrankheit, Rückfallfieber, übertragbarer Ruhr, Scharlach, Thypus (Unterleibsthypus), Milzbrand, Rotz, Tollwut, „sowie Bissverletzungen durch tolle oder der Tollwut verdächtige Tiere“, Fleisch-, Fisch- und Wurstvergiftungen sowie Trichinose waren anzeigepflichtig. Ferner jeder Todesfall an Lungen- und Kehlkopftuberkulose.

Waldbrand im Schmerwitzer Tiergartenrevier

Aus Schmerwitz kam diese Nachricht: „Am dritten Feiertage, dem Dienstage nach Ostern, brach im Schmerwitzer Tiergartenrevier ein Waldbrand aus, der sich auf zirka 70 Morgen ausdehnte. Tatkräftige Hilfe war bald zur Hand, die denn auch erfolgreich eingriff.“ Dennoch hatten Holzfirmen und Privatleute, deren gekaufte Hölzer noch in dem von Brand betroffenen Revier lagerten, Verluste zu beklagen.

Die Erweiterung des Wiesenburger Postamtes

Neuigkeiten wurden aus Wiesenburg bekannt. „Mit dem Erweiterungsbau unseres Postamts, den Herr Maurermeister Senst ausführt, ist begonnen worden. Es werden 5,38 Meter angebaut; die Bauarbeiten sollen zum 1. Juli beendet sein.“
Ein Hundertmarkschein war verloren gegangen! In die Suche nach dem Zahlungsmittel mit der Nummer 3693015 wurde auch das Kreisblatt eingebunden. Kaufleute und Banken, „bei denen derselbe kursieren sollte“, wurden aufgefordert, beim Auftauchen des gesuchten Geldscheines unverzüglich die Polizeiverwaltung Beelitz zu informieren. Zuvor sollte jedoch fix noch der Name des Einzahlers festgestellt werden, da das Zahlungsmittel „mittels strafbarer Handlung“ abhanden kam.

Erweiterung der Wohngebäude in der Niemegker Straße

In Belzig sollten entlang der Niemegker Straße weitere Wohnhäuser errichtet werden. Im Kreisblatt heißt es, dass Pastor Grundemann aus Mörz die Errichtung einer Villa plane und nicht weit davon entfernt der Zimmermeister Steinhaus aus Sandberg ein zweistöckiges Wohnhaus erbauen will. Wenige Tage darauf meldete sich der Pastor selbst zu Wort und stellte klar: „Bezüglich des von mir gekauften Grundstückes, welches in diesem Blatte kürzlich erwähnt wurde, erkläre ich hiermit, dass es noch gar nicht entschieden ist, ob auf demselben überhaupt gebaut werden soll oder nicht. Wenn ich aber einmal in den Ruhestand treten und mich dann noch zum Bauen entschließen sollte, würde es jedenfalls keine Villa werden, sondern ein schlichtes Landhaus.“