Die Schwäne auf dem Wiesenburger Schlossteich ziehen Besucher des Schlossparks und Einwohner von Wiesenburg seit jeher in den Bann. Den Vögeln gehört ihre volle Aufmerksamkeit und immer wieder werden die Schwäne und ihr Wohlergehen thematisiert.
So manch kleine Geschichte wurde in dieser Folge aufgeschrieben. Eine stammt von Fritz Senst aus Wiesenburg. In der Juliausgabe des „Heimatfreunds“ von 1957 wurde dieselbe veröffentlicht. Siegfried Schmidt aus Belzig steuerte damals eine Fotografie von Hans und Grete - den Wiesenburger Schwänen - bei.

Fritz Senst aus Wiesenburg schrieb in der Juliausgabe des „Heimatfreunds“ 1957 über die Schwäne

„Alle Gäste, die vor dem letzten Weltkrieg unseren Schlosspark besuchten, freuten sich immer wieder über die beiden Schwäne, welche stolz und ruhig ihre Bahnen auf dem Schloßteich zogen. Den Weltkrieg haben aber die Schwäne nicht überstanden. Böse Zungen behaupten, daß diese keines natürlichen Todes gestorben, sondern, daß sie eingefangen, geschlachtet und trotz des starken Trangeschmackes - ja, denken Sie - gebraten und verzehrt worden seien.“

Gretchen wurde allein ausgesetzt, Hans kam einige Monate später hinzu

Im Herbst 1954 sollte wieder ein Paar Schwäne eingesetzt werden. Leider aber war das Männchen während des Bahntransportes eingegangen, und Gretchen musste allein ausgesetzt werden. Sie wurde heimisch und nahm auch gern, wenn sie gerufen wurde, Leckerbissen von den Gästen entgegen. Im Laufe des nächsten Jahres wurde aber wieder ein Männchen bestellt und auch im Herbst geliefert. Als Hans, befreit aus seiner Transportkiste, in das Wasser stieg, schaute Gretchen von der entgegen gesetzten Seite des Teiches auf den fremden Eindringling. Ihr Hals wurde immer länger und länger, wer wagte es da, ihre Ruhe zu stören und ihr Recht auf den Teich streitig zu machen. Auf dem kürzesten Wege eilte sie zu dem fremden Kerl, und als er ruhig im Wasser blieb, fing Gretchen an, mit dem Schnabel zu beißen und mit den Flügeln zu schlagen. Hans war ganz erschrocken und konnte es nicht fassen. Als Gretchen noch immer ärger mit Schnabelhieben und Flügelschlagen fortfuhr, machte er kehrt und verließ das Wasser in Richtung zum Bahnhof. Gretchen schaute beruhigt zu, als Hans immer weiter wanderte, aber dann stieg auch sie auf die Wiese, verfolgte den Hans und trieb ihn endlich in den danebenliegenden großen Schlossteich. Zufrieden kehrte sie in ihren altbekannten Inselteich zurück und kümmerte sich nicht um den frechen Eindringling.

Gretchen fand Gefallen an Hans und gemeinsam lebten sie auf dem Wiesenburger Schlossteich

Es vergingen über acht Tage, als Gretchen auch einen Spaziergang zum Schlossteich unternahm. Nach sehr kurzer Zeit kehrte sie wieder zurück. Dies wiederholte sich nun häufiger und längere Zeit. Scheinbar fand sie allmählich auch Gefallen an dem fremden und jüngeren Artgenossen. Als vier Wochen vergangen waren, nahm sie bei ihrer Rückkehr aus dem Schlossteich auch den Hans in ihren Inselteich mit, wo sie seitdem friedlich und zusammen die Augen der Gäste erfreuen.“