Nach 30 Jahren als Schulleiterin der „Grundschule am Schlosspark“ ist Ilona Zehnsdorfs in den Ruhestand gegangen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn sie hat ihren Beruf geliebt. Auch wenn sie eigentlich nicht Lehrerin werden wollte. Ilona Zehnsdorf stammt aus Schlamau, ist dort die ersten Jahre zur Schule gegangen, 1966/1967 dann nach Wiesenburg. Damals in das Schulgebäude vor dem Schloss, in dem jetzt Rathaus und Bibliothek untergebracht sind. Ilona Zehnsdorf wollte einen technischen Beruf erlernen, besonders die Tontechnik interessierte sie. „Diese vielen Knöpfe am Pult fand ich unheimlich spannend“, erzählt sie. Aber um diesen Beruf zu erlernen, hätte sie nach Berlin umsiedeln müssen - und dort gab es kein Internat. Der Traum war geplatzt, die Enttäuschung groß.

Den Beruf der Lehrerin hat Zehnsdorf nicht einen Tag bereut

„Die wird Lehrerin“, sagte Klassenlehrerin Ingeborg Kappler. So kam Ilona Zehnsdorf an das Institut für Lehrerbildung nach Potsdam. Im Nachhinein hat sie das nie einen Tag bereut. Ihr Praktikum machte sie bereits an der Wiesenburger Schule. Ihre Mentorin war Hannelore Mallas. Das hieß jedoch nicht, dass sie auch in Wiesenburg arbeiten würde. Damals hieß es: Du gehst dahin, wo der Staat dich braucht. Es gab nur eine Chance, in der Nähe des Heimatortes bleiben zu können: Eine Wohnung haben, verheiratet sein und möglichst ein Kind haben. Das Heiraten war kein Problem. „Nur das mit dem Kind hat dann noch gedauert“, schmunzelt sie. Sie bekam eine Zuweisung nach Mörz. Durch den Ausbau eines freien Zimmers im Hause der Oma in Wiesenburg konnte Ilona Zehnsdorf 1977 an der Schule ihre Arbeit aufnehmen, wurde zweifache Mama. Als Lehrerin für Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Werken wollte sie den Kindern etwas Praktisches beibringen.

Ilona Zehnsdorf übernahm nach der Wende die Grundschüler

Nach der Wende gingen die Kinder in Wiesenburg bis zur 10. Klasse in die Schule. Unterstufe und Oberstufe unter einen Hut zu bekommen, war für die damalige Schulleiterin Cornelia Scholla nicht einfach und sie suchte Hilfe bei Ilona Zehnsdorf, die dann für die Jüngsten zuständig war. Es folgte die Trennung der Schule, die oberen Klassenstufen gingen nach Bad Belzig. Es wurde eine Leiterin für die Grundschule gesucht. „Du kannst das, Du machst das“, sagten alle zu Ilona Zehnsdorf, „wenigstens die erste Zeit.“ Aus der ersten Zeit wurden am Ende 30 Jahre.

Generationswechsel an der Wiesenburger Grundschule ist vollzogen

Dass Ilona Zehnsdorf aufhört, hat viele Gründe, auch private. Ihr Mann ist seit einigen Jahren in Rente. Nun wollen sie gemeinsam das Leben genießen. Sorgen um die Schule macht sie sich nicht. Der Generationswechsel sei vollzogen, meint die 64-Jährige. Unterrichtet hat sie zuletzt in einer dritten und einer vierten Klasse. Besonders geliebt hat sie Sachkunde und den Neigungsunterricht. Außerdem leitete Ilona Zehnsdorf die Arbeitsgemeinschaft „Naturfreunde“. In enger Zusammenarbeit mit Parkleiter Ulrich Jarke wurde auch im Schlosspark gearbeitet, ebenso im Schulgarten. Dieser ist der ganze Stolz von Ilona Zehnsdorf. Dort ist viel passiert. Tischlermeister Spatzier hat gerade zwei Hochbeete gesponsert und den Kompostbehälter. Christian Höhne aus Wiesenburg kam mit einem ganzen Hänger voll Stauden, so dass die Kinder mit dem Schulförderverein ein Beet anlegen konnten. Durch die Aktion „Obstbäume für Streuobstwiesen“ konnten fünf Apfelbäumchen gepflanzt werden. Außerdem eignet sich der Schulgarten gut für den Unterricht im Freien. Ilona Zehnsdorf findet es wichtig, dass die Kinder in die Natur gehen und lernen, was über der Erde und was darunter wächst.

Spontane Unternehmungen und Reisen zu den Söhnen stehen nun an

Und nun? Am meisten freut sich Ilona Zehnsdorf, auch mal spontan etwas unternehmen zu können, ganz ohne Terminkalender und Ferienzeiten. Außerdem möchte sie gern ihre Söhne, die in Innsbruck und Spanien leben,  länger als nur ein paar Tage besuchen.
Die Nachfolge für Ilona Zehnsdorf ist geregelt. Ihren Platz nimmt die bisherige Stellvertreterin Susann Lodge ein. Und so kann Ilona Zehnsdorf loslassen, denn sie weiß, die Schule kommt in gute Hände.