Der Arbeitsplatz von Burghard Juling und Andreas Mahlow liegt am Montagmorgen in 26 Metern Höhe. Für die Dachdecker der Niemegker Firma Bernd Lutsch ist das an sich nichts besonderes. Und doch ist die Baustelle und der Grund, weshalb die beiden dort tätig werden müssen, besonders. Nachdem im Sommer 1999 und im Frühjahr 2015 bereits einmal Bäume vom Kirchendach der St. Johanniskirche in Niemegk hatten beseitigt werden müssen, war es jetzt wieder soweit. An drei Giebelseiten des Kirchbaus reckt vorwitziges Grün seine „Nase“ in den Himmel. Weshalb Pfarrer Daniel Geißler die ortsansässige Dachdeckerfirma um Hilfe gebeten hat.

Zwei Fachleute in luftiger Höhe

Um Punkt 8 Uhr begann der Einsatz. Mit einer Hebebühne konnten Burghard Juling und Andreas Mahlow erst einmal „nach oben“ fahren und den Bewuchs in Augenschein nehmen. Ein Teil des Aufwuchses war schon wieder so groß, dass er nur noch abgeschnitten werden konnte. Ansonsten würde das poröse Mauerwerk noch mehr Schaden nehmen. Während Moose und gerade erst gekeimte Bäumchen noch herausgezogen werden können. Und so blieb nach getaner Arbeit das Wurzelgeflecht der teilweise schon bis zu 1,50 Meter großen Bäume in den Fugen auf dem Dach zurück. Keine optimale Lösung, vielmehr eine Art erste Hilfe - wie allen Beteiligten klar war.

Größerer Schaden ohne Hilfsaktion

Dennoch, sie ist wichtig, wie Andrea Molkenthin, die Baupflegerin des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg, bestätigt. Würde man die jungen Bäume ungehindert auf dem Dach wachsen lassen, würde das Wurzelwerk bald noch größere Schäden hervorrufen.
Weil eine Sanierung der verwitterten Fugen noch nicht geplant ist - dazu müsste die von 1851 bis 1853 nach Plänen von August Stüler erbaute Kirche aufwendig eingerüstet werden - werden sich wohl vorerst weiter Samen von Bäumen dorthin verirren. Vom Wind oder von Vögeln dorthin getragen. Nach vollzogener „Holzernte“ 2020 konnte dann auch noch festgestellt werden, dass das Niemegker Kirchendach nicht nur kleinen Linden eine Wachstumsplattform geboten hatte, sondern auch Birken, Zierkirschen und einer kleinen Kiefer.