Eine Stunde lang sang Jürgen Giese aus Cammer für die Bewohner der Einrichtung und das Team. "Ich will einen Beitrag leisten, damit die Menschen gut durch die Krise kommen", erklärt der 58-Jährige und ergänzt: "Mit meinem Akkordeon und einigen schönen Liedern".
Seine Idee - in den vergangenen Tagen sang Giese bereits vor Alteneinrichtungen in Dahlen und Berlin - hatte sich über Facebook schnell verbreitet und den Weg nach Bad Belzig gefunden.
"Eine Mitarbeiterin erzählte uns davon", so Pflegedienstleiterin Elke Gravelmann. Der Kontakt zu Jürgen Giese war schnell geknüpft und die Hofmusik konnte stattfinden. Während ein Teil der Bewohner auf Stühlen vor den Häusern Platz genommen hatte, erlebte der andere das Konzert aus den Häusern heraus. Die Fenster waren weit geöffnet, so dass die Melodien bis an jedes Ohr dringen konnten.
Damit die Lieder und das Akkordeon überall gut zu hören waren, hatte der Cammeraner einen Verstärker dabei. "So bin ich unabhängig und muss niemanden nahe kommen", erläutert Jürgen Giese, der hauptberuflich in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel und nebenberuflich als Musiktherapeut in Heimen tätig ist. Weil Musik seine Passion ist, leitet er in seiner Freizeit die Chöre in Golzow und Cammer. "Ich arbeite im Schichtdienst und habe heute eigentlich frei", erklärt der 58-Jährige. Weil aufgrund der Coronapandemie auch keine Chorproben und Veranstaltungen stattfinden dürfen und seine Termine als Musiktherapeut abgesagt wurden, kam er auf die Idee, für Menschen zu musizieren, für die die aktuelle Situation besonders herausfordernd ist. Wie für die Senioren in Pflegeeinrichtungen, die aufgrund der Ansteckungsgefahr aktuell keine Besuche von ihren Angehörigen erhalten dürfen.
Den Bewohnern im Hospital "Zum Heiligen Geist" brachten die von Jürgen Giese zu Gehör gebrachten "Tulpen aus Amsterdam" dann auch genau so viel Freude, wie das Frühlingslied "Komm lieber Mai und mache".
"Die Menschen kommen dabei auf andere Gedanken. Bei Musik kann jeder entspannen", so Giese, der beim musizieren und singen - aus der Ferne -in viele Gesichter schaute. In die von Bewohnern und Mitarbeitern. In allen entdeckte er Zufriedenheit. Für kurze Zeit konnte der Corona-Alltag vergessen werden.
Mit dem Hofkonzert verband das Team des Hospitals gleichzeitig ein großes Dankeschön an all die, die in den vergangenen Tagen Engagement in der Coronakrise gezeigt haben. Ob mit Osterkarten und anderen Kartengrüßen, die den Bewohnern ein lächeln ins Gesicht zauberten oder durch Mundschutzmasken, die für Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer genäht und abgegeben wurden. Letztere wurden von Lina Elisath-Block, Andrea Syring, Wolfgang Aland vom Tierheim Verlorenwasser und durch Steffi Wiesner von der Koordinierungsstelle Freiwillig in PM zur Verfügung gestellt. "Wir danken aber auch den Angehörigen, die in dieser Zeit viel Verständnis aufbringen müssen", ergänzt Pflegedienstleiterin Elke Gravelmann.