Über 500 Städte in ganz Deutschland sind bereits ganz oder teilweise pestizidfrei. Das heißt unter anderem, dass auf Straßen und Wegen, Spiel- und Sportplätzen keine Pestizide mehr ausgebracht und dass Bienen- und insektenfreundliche Blühflächen angelegt werden.
Das Amt Brück verzichtet seit dem Sommer auf die chemische Keule und hat stattdessen ein Heißwasser Sprühgerät angeschafft, mit dem Unkräuter auf Spielplätzen oder Grünflächen ausgemerzt werden.
Mittlerweile hat sich auch die Stadt Bad Belzig auf den Weg gemacht, insektenfreundliche und pestizidfreie Kommune zu werden.

Erstmals Antrag durch Bündnis 90/Die Grünen

Die Initiative dazu geht auf einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zurück. Zwischenzeitlich hat das Papier die Ausschüsse passiert. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 26. Oktober steht die Beschlussfassung bevor. In letzter Instanz hatten auch die Mitglieder des Hauptausschusses die Thematik diskutiert und ebenfalls mehrheitlich befürwortet.
Begonnen hatte die Diskussion jedoch bereits vor einem Jahr. Im November 2019 hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erstmals einen entsprechenden Antrag gestellt. Damals enthielt das Papier jedoch noch die Forderung, dass auch auf Flächen die landwirtschaftlich genutzt werden, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten werden soll. Was zur Folge hatte, dass Landwirte - die Flächen von der Stadt gepachtet haben - auf die Barrikaden gingen.

Konsens nach gemeinsamem Termin in Rädigke

Um die unterschiedlichen Standpunkte darzulegen und einander besser zu verstehen, wurde ein Vorort-Termin in einem landwirtschaftlichen Betrieb vereinbart. Noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie fand das Treffen in der Agrargenossenschaft „Hoher Fläming“ in Rädigke statt.
Der nachfolgend noch einmal neu formulierte Antrag sieht nunmehr das Verbot von synthetischen Pestiziden auf den verpachteten landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr vor.
Geblieben ist jedoch die Forderung, dass auch Dienstleister, die im Auftrag der Stadt öffentliche Flächen pflegen, auf die chemische Keule verzichten.
Bürger sollen zudem über die Bedeutung von Biodiversität informiert und ihnen Möglichkeiten zum giftfreien Gärtnern aufgezeigt werden.

Klimawandel in Corona-Zeiten nicht vergessen

Ursula Schwill, die Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, warb im Hauptausschuss noch einmal eindringlich, den Antrag zu empfehlen. Sie sagte: „Trotz Corona dürfen wir nicht vergessen, dass wir noch ein ganz anderes Problem haben. Den Klimawandel“.
Bürgermeister Roland Leisegang bekannte sich als „Freund von Blühwiesen“ und sieht diesbezüglich in der Stadt noch Potenziale. „Wir werden uns auch Gedanken machen, welche Flächen in den Ortsteilen Blühwiesen werden können“, so Leisegang.
Den mit dem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel einhergehenden Mehraufwand bei der Pflege von Grünflächen schätzte Marco Grambow von der Bauverwaltung als vertretbar ein und versicherte, dass nach Kooperationsmöglichkeiten - mit Besitzern von Heißwasser Sprühgeräten - Ausschau gehalten wird.