„Das ist die Gelegenheit, ein großes Zeichen zu setzen“, so Rudolf Kaltenbach während er auf dem Firmengelände von Rex-Granit in Brück zwei riesige Sandsteinquader betrachtet. Jeder dieser Steine ist gut zehn Tonnen schwer und soll der Kunst gewidmet werden.

Symbolische Steinübergabe

Mit dem Bildhauer aus Berlin stehen der Bad Belziger Gerd Pohl, der Lokale Koordinator des LAP für den Hohen Fläming, Florian Görner, und Rex-Granit Geschäftsführer Ewald Mattes im Rund - symbolisch soll der Sandstein übergeben werden, der im Frühjahr 2021 auf einer Freifläche vor dem künftigen soziokulturellen Zentrum an der Weitzgrunder Straße 4 in Bad Belzig aufgestellt wird. In Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Bildhauer Rudolf Kaltenbach und seiner Lebensgefährtin Silvia Fohrer sollen Jugendliche im Rahmen des Projekts „Bad Belzig - ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau“ daraus eine Skulptur erschaffen.
Das Künstlerpaar hat seit über 20 Jahren Erfahrungen mit der Durchführung vergleichbarer Jugendprojekte und organisieren seit 2001 die Bildhauer-Symposien „Steine ohne Grenzen“.

Bad Belziger Jugendprojekt

Über die Symposien sind der Künstler Kaltenbach und der Unternehmer Mattes wiederum einander bekannt. Über das Bad Belziger Jugendprojekt steht - weil das in Brück ansässige Unternehmen einen für die Arbeiten geeigneten Stein vorrätig hat - quasi eine neuerliche Zusammenarbeit an. Mit einer tonnenschweren Überraschung.

Förderung durch „Aktion Mensch“

Aber der Reihe nach. Dieser Tage wurde das Projekt, für welches Gerd Pohls Herz schlägt und für das er auch den Verein Belziger Forum e.V. gewinnen konnte, durch eine Zuwendung aus der „Aktion Mensch“ gefördert. Durch diese Zuwendung war es möglich geworden, bei Rex-Granit einen Sandsteinblock von gut zehn Tonnen zu kaufen, so dass die symbolische Steinübergabe vollzogen werden konnte.
Während Rudolf Kaltenbach die auf dem Gelände gelagerten Natursteine in Augenschein nahm, Gerd Pohl und Florian Görner in Gedanken über den Transport ihres Steinblocks nachdachten, stiftete Geschäftsführer Ewald Mattes einen weiteren Sandstein für das Projekt, damit möglichst viele Schüler und Jugendliche Gelegenheit haben, daran mitzuwirken. Zur großen Überraschung und zur Freude aller Anwesenden.

Frieden, Akzeptanz und Zusammenarbeit

„Die Jugendlichen aus unterschiedlichen Herkunftsländern sollen sich mit den Themen Frieden, Akzeptanz und Zusammenarbeit im Gegensatz zu Ausgrenzung, Ausbeutung, Vertreibung und Vernichtung künstlerisch auseinandersetzen und bildhauerisch an einem Sandstein ihre Vorstellungen erarbeiten“, erläutert Gerd Pohl. Die bildhauerischen Arbeiten der Schüler unter Regie des Künstlerpaares sollen dann am künftigen Standort erfolgen.

Ein dritter Naturstein

Nach eingehender Betrachtung durch Kaltenbach wurde einer der beiden Riesen später auch noch diagonal in zwei Hälften geteilt, sodass nunmehr insgesamt drei Natursteinquader für das Projekt bereit liegen.
„Mit der Stadtverwaltung und dem für die Freiflächenplanung zuständigen Büro Lange müssen wir kurzfristig klären, ob sich die drei Steine als Ensemble auf der Freifläche unterbringen lassen und wenn ja wo“, so Gerd Pohl voller Dankbarkeit. Seit mittlerweile sieben Jahren verfolgt er die Vision und Entwicklung der„Straße des Friedens“. Mit den angedachten Skulpturen wird Bad Belzig Teil derselben.

„Straße des Friedens“

Die Idee der Völker verbindenden Straße geht auf den deutsch-jüdischen Humanisten und Pazifisten, Maler und Bildhauer Otto Freundlich zurück. Letzterer entwickelte in den 1930er Jahren die „Straße der Skulpturen Paris-Moskau“ - als einen Weg der Brüderlichkeit und der menschlichen Solidarität, als ein sichtbares Zeichen für die Abkehr von Krieg und menschlicher Gewalt sowie für das friedliche Zusammenleben der Nationen in Europa. Die Verwirklichung seiner Vision erlebte Freundlich nicht. Nach seiner Verhaftung im französischen Exil wurde er im Konzentrationslager Majdanek durch die Nazis ermordet.

Info


Der Künstler Leo Kornbrust griff diese Vision 1971 wieder auf. Er entwickelte im St. Wendeler Land eine Straße der Skulpturen und führte die Idee der Friedensstraße weiter. Seinem Beispiel folgten der Maler und Bildhauer Paul Schneider mit der Skulpturenstraße „Steine an der Grenze“, das „Dillinger Stahlbildhauersymposion“ und die Berliner Künstler Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer mit den Symposien „Steine ohne Grenzen“.