Das Tier wurde im Jagdrevier von Rudi Heinisch in Buchholz bei Niemegk, unweit des Dorfes, von mindestens zwei Wölfen zur Strecke gebracht. "Den Fundort hatte mir zuvor ein Nachbar hier aus Buchholz gemeldet", so Weidmann Heinisch und zeigt Aufnahmen des durch zwei Kehlbisse getöteten Tieres, das eigentlich ganz legal auf Isegrims Speiseplan stehen darf.
Heinisch treibt eine Sorge. Er sagt: "Meiner Meinung nach ist schon bedenklich, dass Wölfe inzwischen unweit der Ortschaften solch starke Hirsche reißen". Geschehen nur knapp 600 Meter von der Ortslage Buchholz entfernt und mit ziemlicher Sicherheit zur schönsten Mittagszeit.
Deshalb versucht er den Vorfall in die Öffentlichkeit zu bringen. Jedoch nicht um Angst zu schüren, sondern um zu sensibilisieren. "Ich will niemanden verrückt machen und habe nichts gegen den Wolf", so der erfahrene Weidmann. Er ergänzt: "Die Menschen müssen aber wissen, dass der Wolf dicht am Dorf jagt".
Kritisch beurteilt er die immer größer werdende Population. Ohne einen natürlichen Feind und durch das Gesetz streng geschützt, vermehrt sich Isegrim nicht nur im Brandenburgischen seit Jahren enorm und breitet sich dadurch bedingt auch immer weiter aus.
Dass der graue Räuber jedoch wie im Märchen - in dem er das Rotkäppchen verspeist - einen Menschen angreifen würde, hält der 65-Jährige, der mittlerweile seit 44 Jahren das sogenannte grüne Abitur in der Tasche hat und damit die Befähigung zur Ausübung der Jagd besitzt, für unwahrscheinlich. Dennoch warnt er: "Der Wolf ist ein Großraumtier dessen Reproduktionsrate enorm ist". Was passieren könnte, wenn ein Artgenosse zu einem "Problemtier" wird, das infolge Krankheit oder Verletzung den Hunger nicht mehr artgerecht stillen kann - will man sich besser nicht vorstellen.
Heinisch vertritt in diesem Zusammenhang auch die Ansicht, dass Isegrim hierzulande verniedlicht wird. Er mahnt: "Die Ausbreitung des Wolfes braucht dringend Augenmaß".
Den Fund des gerissenen Damhirsches deutet er als Beleg dafür, dass einzelne Exemplare die ihnen eigentlich angeborene Scheu vor dem Menschen bereits verloren haben. Noch vor einem Jahr hielten die Tiere drei bis vier Kilometer Abstand von der Ortslage Buchholz. Mittlerweile sind sie zu direkten Nachbarn geworden.
Hundebesitzern legt der 65-Jährige deshalb ans Herz, im Interesse ihrer Vierbeiner die Anleinpflicht immer ernst zu nehmen. "Haltet euch dran, ich mache es auch", bemerkt der Weidmann mit Blick auf die eigene Hündin und das im Begegnungsfall von Hund und Wolf von Isegrim ausgehende nicht abschätzbare Gefahrenpotenzial.
Etwas verschmutzt hat Canis lupus - der Wolf - durch den Riss des starken Damhirsches bei Buchholz auch sein Image als Gesundheitspolizist des Waldes. Anstatt alt und krank, hatte er an jenem Wintertag scheinbar Appetit auf jung und knackig.
Im Land Brandenburg sollen nach aktuellem Kenntnisstand etwa 100 Wölfe in elf Wolfsrudeln und teilweise allein leben. Kritik am Wolfsmanagement des Landes, mit dem um Akzeptanz und Verständnis für die vierbeinigen Rückkehrer geworben wird, und Forderungen nach einer Regulierung der Wolfsbestände nehmen in vielen Regionen seitens der Landwirte und der Jägerschaft zu. Immerhin vernaschte Isegrim in 2015 (Stand November) im Land Brandenburg 66 Schafe, 17 Stücken Damwild, drei Kälber und ein Fohlen. Der hohe Fläming rangiert mittlerweile als Wolfsrevier Nummer 2 im Land Brandenburg, gleich hinter der Lausitz. In Potsdam-Mittelmark wurde Isegrim 2008 erstmals nachgewiesen.