Im 100. Jahr des Bestehens des Volkstrauertages war mit dem Gedenken an die Millionen Kriegstoten der Aufruf zu Versöhnung, zu Völkerverständigung und Frieden verbunden. 1919 gründete sich der den Volkstrauertag ausrichtende Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Damals mit dem Ziel, Solidarität zu signalisieren. Solidarisch zu sein mit denen, die im Ersten Weltkrieg Angehörige verloren hatten. Ziel war auch, die Gräber der Toten ausfindig zu machen, sie zu pflegen und für die Hinterbliebenen Orte des Gedenkens zu schaffen. 17 Millionen Menschen kostete dieser Krieg das Leben. 1922 wurde der Gedenktag zum ersten Mal ausgerufen. Im Reichstag in Berlin fand eine Gedenkveranstaltung statt. Vielerorts, so auch im Hohen Fläming, wurden danach über Spendensammlungen Denkmäler errichtet, an denen der toten Väter und Söhne gedacht werden konnte.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Volkstrauertag von der Nazis als Heldengedenktag stilisiert und missbraucht. Er kostete 60 Millionen Menschen das Leben.  Eine Zahl, die man nicht begreifen kann.Während in der DDR die Erinnerung an die Toten und das Gedenken am Volkstrauertag nicht gewollt war, wurde in der Bundesrepublik nach Kriegsende der Sonntag vor dem Totensonntag als Tag der nationalen Trauer wieder neu ausgerichtet. Mit deutlicher Abgrenzung zum Heldengedenken der Nazis.
Heute, mit Blick auf bedenkliche politische Strömungen die sich Bahn zu brechen versuchen, ist das Gedenken wichtiger denn je.
"Mit manchen Dingen wird man nicht fertig", so Pfarrer Matthias Stephan während der Andacht in der Lühnsdorfer Kirche.
Er erzählte aus dem Leben einer Frau - das im Selbstmord endete. Aus Verzweiflung. Da war die glückliche Kindheit; da war das junge Mädchen das erwachsen wurde, als vor 80 Jahren mit dem Überfall der Deutschen auf Polen der Zweite Weltkrieg begann. Als junge Frau erlebte sie die erste Liebe mitten im Krieg. Als er 1945 endlich zu Ende war, "war jeder ein Greis", so Stephan. Auch die junge Frau. Sie hatte nicht nur ihre erste Liebe im Krieg verloren, sondern die gesamte Familie.
Die Generationen der Kriegskinder kennen Schicksale wie diese. An der Last tragen sie noch heute. Auch deshalb hat die Andacht zum Volkstrauertag in Lühnsdorf Tradition. Kirchengemeinde und Freiwillige Feuerwehr laden jeweils gemeinsam zum Gedenken ein.
Fritz Moritz, Ortschronist und Kriegskind, erinnert sich: "Immer und immer wieder stellte sich bohrend für uns Kinder die Frage: Warum?" Sein Vater - Paul Moritz - musste in den Krieg ziehen. Die Mutter war fortan mit drei Kindern und einer mittelgroßen Landwirtschaft allein. Als der Krieg endlich zu Ende war, erlebte er, wie die Männer nach und nach heim kamen. Einer mit einem zerstörten Arm, einer mit nur einem Bein. Auf den Vater wartete er vergeblich. Die letzte Nachricht hatte die Familie im Februar 1945 erhalten. "Viele Tränen flossen vor dem Einschlafen in die Kissen, dennoch erfüllte sich der Wunsch nicht", so der Lühnsdorfer. Such- und Vermisstenanzeigen bei den zuständigen Stellen waren erfolglos. Er erlebte, wie der Mutter angeraten wurde, den Vater für tot erklären zu lassen. Neue Hoffnung keimte, als Bundeskanzler Adenauer im September 1955 die Sowjetunion besuchte und den noch 10.000 gefangen gehaltenen deutschen Soldaten die Heimkehr ermöglichte. "Und wieder wurden neuerliche Suchanzeigen gestellt. Antworten gab es, aber alle den Verbleib betreffend, im Konjunktiv", so Moritz. Anderen Familien im Dorf ging es ebenso.
2008 sorgte die Dorfgemeinschaft dafür, dass die Namen der Toten und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg an die gereiht werden, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten.