Pfarrer, die ihren Glauben zu vermitteln verstehen und dabei auch unterhaltsam sein können, erfreuen sich oft besonderer Beliebtheit und besitzen Zugkraft über ihren Pfarrbereich und über ihren Glauben hinaus. Pfarrer Helmut Kautz in Brück war so einer. Daniel Geißler aus Niemegk versteht sich mindestens genauso gut darauf. Als er zum Krimigottesdienst nach Haseloff lud, waren unter den über 50 Teilnehmern sieben Haseloffer. Die anderen kamen aus Niemegk oder sogar aus Dresden und Berlin.

Krimigottesdienst zur besten Sendezeit

Der Krimigottesdienst begann pünktlich zur besten Tatortzeit um 20.15 Uhr neben der Kirche. Wegen des Corona-Virus hätten nicht alle Interessenten in der Kirche genügend Abstand halten können, was der Atmosphäre keineswegs geschadet hat. Auch das gemeinsame Singen musste ausfallen. Dafür begleitete der Bad Belziger Kantor Winfried Kuntz den selbstgedrehten Tatort einfühlsam auf einem Keyboard, dass Geißler zu seinem 16. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. „Wer auf diesem Instrument spielen kann, der ist ein wahrer Meister“, begrüßte Geißler den Kantor.

Pfarrer Geißler schlüpfte in alle Rollen

Der Tatort spielte im alten Ägypten. Das Leid seines Volkes, der Hebräer bringt Mose dazu, einen der Aufseher zu erschlagen. Geißler spielte dabei mit großer Spielfreude alle Rollen selbst, den biblischen Kommissar, der den Mord aufklären soll, die Frau des Aufsehers, die über die Hebräer jammert, weil sie erst zu sozialen Wesen gepeitscht werden müssen, die Tochter des Pharaos, die den ausgesetzten kleinen Mose aufgenommen hatte. Schließlich auch noch den anklagenden Staatsanwalt und den Verteidiger Mose. Am Ende sollte das Publikum als Geschworene über die Tat von Mose abstimmen. War es Mord oder war es ein Unfall? Sie blieben uneinig wie viele Generationen vor ihnen.

Preise für die Mitratenden

Nebenbei konnte man raten, um welche Stelle in der Bibel sich der Tatort drehte. Wer meinte sie zu finden, der sollte laut „Habs“ rufen. Als ersten Preis gab es eine Flasche Erdbeerlikör von Getränke Höhne aus Niemegk zu gewinnen. Der zweite Preis bestand in einer DVD über den Niemegker Kirchenkreis.

Glückliche Besucher

Selbstverständlich hat Geißler am Ende die kurze Geschichte noch einmal aus der Bibel vorgetragen. Die Idee kam jedenfalls an. Viele gehen nach dem Gottesdienst noch zum Pfarrer, um sich ausdrücklich zu bedanken. Ein älteres Ehepaar versucht sogar, Geißler zur eigenen Kirchengemeinde in Berlin einzuladen, doch aus Zeitgründen vergeblich.

Zweiter Krimigottesdienst in Haseloff

Es war bereits der zweite Krimigottesdienst in Haseloff. Der erste fand vor fast genau einem Jahr statt. Gedreht wurde dieser Tatort in Rekordtempo, nämlich am Mittwochvormittag vor der Erstaufführung. Doch er habe ja einen großen Vorteil, erklärt Geißler: „Ich arbeite nur mit Schauspielern, die absolut machen, was ich will.“ Ein Nachteil ist jedoch, dass er auch sein eigener Kameramann ist. Am längsten dauerte deshalb nach Auskunft des Regisseurs und Produzenten die Eingangsszene, in der der Kommissar die Leiche des Aufsehers im ägyptischen Sand findet. Gedreht wurde sie auf dem Spielplatz in Niemegk. Geißler musste sie mehrfach drehen: „Es erwies sich als schwierig, meinen Kopf ins Bild zu bekommen und das Klettergerüst draußen zu lassen.“

Kollekte für Wartung der Kirche

Die Kollekte dieses Abends diente der dringend notwendigen Wartung der Orgel in der Haseloffer Kirche.
https://www.youtube.com/watch?v=Px0m9dvVRVU