Der 2. Oktober ist Tag der Gewaltfreiheit. Mit diesem Thema beschäftigten sich nun zum zweiten Mal Künstler im Studien- und Reflektionspark Schlamau. Am vergangenen Sonnabend wurden die Ergebnisse der einwöchigen Arbeit der Öffentlichkeit präsentiert. Elf Künstler hatten Installationen, Landart, Malerei und Zeichnungen ausgestellt.
„Wir haben am Montag angefangen und eine erlebnisreiche und produktive Woche hinter uns“, so Julia Schneider. Die Künstler kommen mit dem Material, mit dem sie gern arbeiten möchten. Was daraus entsteht, entscheidet sich vor Ort und ist sehr von den Gegebenheiten in Schlamau inspiriert. Jeden Morgen trafen sich die Künstler zu einem zweistündigen Erfahrungsaustausch. Im Vorfeld hatten sie Themen zur Gewaltfreiheit aufgeschrieben und in einen großen Topf geworfen. Am Morgen wurde dann ein Thema gezogen und dieses zeichnerisch umgesetzt. Erst dann ging es an die eigentliche Arbeit.
„Wir haben uns gefreut, dass in diesem Jahr auch Bernadette Arnaud und Dietmar Paul als einheimische Künstler dabei waren“, so Julia Schneider. Außerdem konnten sie Pauline Disson aus Sachsen-Anhalt begrüßen, viele Künstler waren aus Köln angereist. Das Symposium ist nicht nur ein Ort kreativen Schaffens, sondern dient auch der gegenseitigen Inspiration und zum Erfahrungsaustausch. Daraus entwickeln sich dann die verschiedenen Projekte. Außerdem sei es eine tolle Vernetzung unter den Künstlern, so Julia Schneider.
Im Park konnten die Gäste nun die Werke bewundern. Ines Braun, die war zum zweiten Mal dabei. Die Kölnerin bewegte der Gedanken wo Gewalt anfängt und wo sie aufhört. Das Thema Organentnahme stand im Mittelpunkt. Entnimmt man aus einem lebenden Körper ein Organ, wie zum Beispiel eine Spenderniere, ist das dann schon Gewalt, die dem Körper angetan wird? Oder wenn Menschen in armen Ländern ihre Organe verkaufen, um überleben zu können? Ines Braun hat dazu durchsichtige Mäntel aus Folie arrangiert. „Die wirken seelenlos“, so Braun. Um die Gedanken zu verdeutlichen, wurden Blutbeutel und Beatmungsschläuche eingefügt. Zusätzlich hat sie verschiedene Organe gezeichnet, die durch das Plastik sichtbar sind. Plastik hat sie verwendet, damit alles eine Leichtigkeit bekommt trotz des schweren Themas. „Ich wollte die Schnittstelle darstellen, an der man Gutes tun will, nämlich ein Leben retten, und damit gleichzeitig aber Gewalt auslöst“, so Ines Braun.
Pauline Disson hat sich Material aus dem Wald geholt - beschädigte oder abgestorbene Bäume. „Diese Bäume haben keine Seele mehr“, so Pauline Disson, „aber ich wollte sie für das würdigen, was sie einmal waren.“ Auch Dietmar Paul hat sich beteiligt. Durch riesige Spiegelkugeln wollte er darstellen, wie man durch den Raum läuft und so auch sehen kann, wie man den Raum wechselt.
Ihr Faible für Landart hat Bernadette Arnaud umgesetzt. Wie ein großer Hula Hoop Reifen schwang ihre Installation rund um einen Apfelbaum.  Sie nannte ihre Installation „Dancing Tree“, also tanzender Baum. „Es ist wie ein Kleid, welches der Baum trägt“, erklärt sie und freute sich über jeden Windstoß, der das Weidengeflecht in Bewegung brachte. „Das ist wie eine Kommunikation zwischen allem rund herum“, so Bernadette Arnaud.
Inzwischen gibt es den Park seit elf Jahren. Weltweit gibt es etwa 50 davon, Schlamau ist der einzige in Deutschland. Die Humanistische Bewegung wollte Orte schaffen, an denen sich die Teilnehmenden mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen und meditieren können.
Alles wird ehrenamtlich gestemmt. Die Menschen, die den Park betreiben, finanzieren ihn auch. „Wir wollen frei bleiben in unseren Entscheidungen“, so Marita Simon, eine der Pionierinnen der Aktion. Deshalb hat man sich auch bewusst gegen Fördermittel entschieden. Vom Objekt in Schlamau waren alle sofort begeistert. Natürlich ist der Park noch lange nicht fertig. Ein Brunnen und ein Meditationssaal fehlen. Im Haus selbst gibt es Gästezimmer, die auch vermietet werden. Gern würden sich die Künstler mit dem Park aber auch im Kunstwanderweg der Region einbringen.