Was hat der Kunstverein Hoher Fläming mit Tesla Chef Elon Musk gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Denn die Renovierung der Ausstellungsräume mit Unterstützung der Stadt und vielen fleißigen Handwerkern hat etwa genauso lange gedauert, wie das Herausstampfen einer Fabrik auf 60 Hektar Fläche. „Aber es hätte alles schlimmer kommen können, denkt man an den BER“, so Thomas Wernicke in seinen Begrüßungsworten zur Neueröffnung der Galerie mit einem verschmitzten Lächeln. Aber eine Gemeinsamkeit gibt es: Die Träume. Während Musk jedoch in anderen Dimensionen träumt, nämlich von Flügen zu Mars, ist der Kunstverein bescheidener. Er träumt von lebendigen Ausstellungen in den neuen Räumen und von Besuchern.

Ausstellung „Das kleine Format“ in den Räumen zu sehen

Die Mitglieder hoffen nun auf baldiges Ende aller Notbremsen und träumen von gemeinsamen Projekten, die helfen, die Welt ein klitzekleines Stück nachdenklicher und fröhlicher werden zu lassen.
Corona hat auch den Kunstverein ausgebremst, denn die jetzige Ausstellung „Das kleine Format“, ist normalerweise im November und Dezember zu sehen. Aber die Zeit wurde sinnvoll genutzt. So gab es einen neuen Fußboden und die Wände sind wieder im Originalzustand. Auf Initiative von Architekt Mike Enzmann und Vereinsmitglied Ralph Hildebrandt wurden Vorstellwände angeschafft. Besonders die neue Lichtanlage fällt sofort auf, die Räume wirken heller und so kommen die Kunstwerke auf besondere Weise zur Geltung. „Das alles zusammen macht den musealen Charakter der Räume aus und wir können den Werken etwas mehr Raum geben“, freut sich auch Susanne Kraißer über das Ergebnis.

49 Arbeiten aller 14 Vereinsmitglieder des Kunstvereins ausgestellt

Insgesamt werden 49 Arbeiten aller 14 Vereinsmitglieder ausgestellt. Dabei arbeitet jeder in seinem Metier. Zu sehen sind Werke aus Malerei, Fotografie und Skulpturen. Und der Andrang im Gewölbe der Burg Eisenhardt zeigte, dass die Menschen auf Kultur gewartet haben. Da nahmen sie auch die Wartezeiten in Kauf, denn coronabedingt durften sich in den Räumen nur eine begrenzte Anzahl an Menschen aufhalten. Zur Überbrückung hatte Brigitte Heßler für eine zünftige Maibowle gesorgt. Und Flashmobartig zeigten die Künstler, dass sie auch singen können, es erklangen Frühlingslieder.

Künstlerin Halina Hildebrand aus Lehnsdorf neu im Kunstverein

Eine der Künstlerinnen ist Halina Hildebrand. Sie ist ein knappes Jahr im Verein. Die Kunstfotografin wohnt in Lehnsdorf und ist im Bereich Fotografie Autodidaktin. Vorher hatte sie eine Praxis für Naturheilverfahren, ehe sie sich voll aufs Fotografieren verlegt hat. Dabei steht hinter jedem ihrer Bilder ein Konzept. Halina Hildebrand fotografiert neben Aufträgen für Museen und Ausstellungen. Besonders liebt sie die Reisefotografie und hofft, dass die bald wieder fremde Orte in Augenschein nehmen kann. Für die Ausstellung hat sie sich etwas Besonderes einfallen lassen, nämlich die künstlerische Darstellung des Brandenburger Waldes. Betrachtet man die Fotos, scheinen die Stämme der Bäume durchsichtig zu sein. Das ist aber nicht etwa am Computer bearbeitet, sonder direkt mit der Kamera entstanden. Und zwar durch Mehrfachbelichtung. Dabei werden, vereinfacht gesagt, mehrere Fotos übereinander gelegt. Kein einfaches Verfahren. „Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, ehe das funktioniert hat“, lächelt Halina Hildebrand.

Susanne Kraißer aus Bad Belzig arbeitet seit 20 Jahren mit Bronze

Susanne Kraißers Metier sind Skulpturen aus Bronze. Für die Ausstellung hat sie Miniaturen gestaltet. Es wirkt, als ob diese schweben, denn sie sind auf Kuben angebracht, die mit Echtrost beschichtet wurden. Schon der reine technische Prozess der Herstellung dauert etwa vier Wochen, die Formung und Entwicklung einer Skulptur mitunter mehrere Jahre. Susanne Kraißer hat Kunst studiert und zwei Hochschulabschlüsse in Bildhauerei. Mit Bronze arbeitet sie seit mehr als 20 Jahren. Eine ihrer größeren Skulpturen zeigt eine Frau auf einem Kissen. Von weitem betrachtet hält man das Kissen für echt, so exakt ist es gearbeitet. Tritt man näher heran und berührt es, stellt man fest, es ist aus Metall. „Lässt man Wasser darauf tropfen, klingt es wirklich wie ein Kissen“, lächelt Susanne Kraißer, „aber wir fallen ja im Moment alle hart.“
Bis zum 13. Juni können nun Kunstinteressierte und solche, die es werden wollen, die Ausstellung besuchen. Sie ist immer samstags und sonntags von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Maske nicht vergessen.