Ein Greifvogel kreist über der Nieplitz. „Dort fliegt der rote Milan, er ist sehr selten“, sagt Christel Niederland. Man erkenne ihn am gegabelten Schwanz. Die ehemalige Biologie- und Chemielehrerin kommt eben immer wieder durch. Viele Beelitzer dürften Christel Niederland noch aus ihrer Zeit an den Schulen in Beelitz und Fichtenwalde, später am Seddiner See kennen.
Jetzt hat die Lehrerin, die seit zehn Jahren im Ruhestand ist, eine neue Aufgabe übernommen: Sie engagiert sich ehrenamtlich bei der Vorbereitung des Grünen Klassenzimmers auf der Landesgartenschau. „Ich würde gerne bei den Kindern die Liebe zur Natur wecken“, sagt Christel Niederland. Sie selbst ist derart mit ihrem Garten verwurzelt, dass sie regelmäßig Oleander, Feigen und andere Pflanzen verschenken muss, die im früheren Vierseithof der Familie in Klaistow nicht mehr in das alte Stallgebäude passen. Der Weg zum westlichen Teil des Laga-Geländes führt an einer Streuobstwiese an der Treuenbrietzener Straße vorbei. „Das sind die Kinderobstbäume“, sagt Christel Niederland.

Kinder finden dank Christel Niederland einen Zugang zur Natur

Nach ihrer Pensionierung hat sie einiges dazu beigetragen, dass die Kinder der Region einen Zugang zu Flora und Fauna finden. Schon die Kleinsten bekommen in Beelitz ihr eigenes Stück Natur mit auf den Weg – regelmäßig können Eltern von der Stadt gesponserte Bäume für ihren Nachwuchs pflanzen. Christel Niederland war von 2009 bis 2019 Vorsitzende des Sozialausschusses in der Stadtverordnetenversammlung. In der Zeit hat sie diese Initiative maßgeblich mit angeschoben. Einige Bäume auf der Wiese sind noch klein, andere schon richtig hochgewachsen.

Mit den Schülern die Region erkundet

Als Christel Niederland noch Lehrerin war, hätten die Kinder ihr immer in den Ohren gelegen, mal wieder nach Potsdam in den Park Sanssouci oder zum Ruinenberg zu fahren. Sie habe damals auch immer nach interessanten und finanziell machbaren Angeboten geschaut – ein Highlight war beispielsweise eine Insektenausstellung in Berlin, die komplett kostenfrei war. Auch die Biosphäre in Potsdam war ein interessanter Besuchsort. Zur Landesgartenschau sollen umgekehrt Schulklassen aus Berlin, Brandenburg und den umliegenden Bundesländern an die Nieplitz gelockt werden. Am trockengefallenen Mühlenfließ entlang geht es in den hinteren Teil des künftigen Landesgartenschau-Geländes. Noch sind die Archegärten nur eine Wiese. Hier wird als Mittelpunkt des nachgebauten Slawendorfes ein überdachter Pavillon für das Grüne Klassenzimmer entstehen – wo vor fast 3000 Jahren die möglicherweise ersten Beelitzer wohnten. Am westlichsten Punkt des Landesgartenschaugeländes wurden bei Ausgrabungen kürzlich 2700 Jahre alte Urnengräber und andere Siedlungsreste aus der frühen Eisenzeit entdeckt.

Grünes Klassenzimmer für Kindergartenkinder, Grundschüler und Jugendliche

Im Grünen Klassenzimmer sollen sowohl Kindergartenkinder als auch Grundschüler und Jugendliche die Natur erfahren. Zurzeit erarbeitet die Grüne Liga Berlin dafür gemeinsam mit dem Projektverantwortlichen für die Landesgartenschau, Joachim Muus, das Programm – tatkräftig unterstützt durch Christel Niederland, die nicht zuletzt den Kontakt zu den Schulen vor Ort herstellen kann. Ein Fragebogen ist bereits an die Beelitzer Bildungseinrichtungen gegangen. Geht es nach der ehemaligen Biologielehrerin Niederland, sollen die Kinder dabei auch ordentlich etwas lernen.

Kinder können im Grünen Klassenzimmer was lernen

Das könne man dann auch gut mit dem Lehrplan verbinden, beispielsweise der Pflanzenkunde in der Grundschule. Christel Niederland deutet mit der Hand einen Kreis an, wo wahrscheinlich in anderthalb Jahren Kinder auf Bänken oder Hockern sitzen werden. Hier könnte man ihnen gut Heilpflanzen näherbringen – Spitzwegerich, Schafgarbe oder Löwenzahn, sagt Christel Niederland, die das Thema seinerzeit ausgiebig mit Oberschülern im Wahlpflichtunterricht erarbeitet hat. Auch Nachhaltigkeit, alte Handwerkstechniken und Ernährung sollen dort auf der Archeninsel anschaulich gemacht werden. Die Spargelhöfe würden ebenfalls einbezogen. Beim Grünen Klassenzimmer will sich Christel Niederland, die lange Zeit Schulleiterin in Fichtenwalde war, vorrangig an der Organisations- und Koordinierungsarbeit beteiligen. Das Unterrichten möchte sie weitgehend den amtierenden Pädagogen der Grünen Liga Berlin, Mareike Homann und Anke Küttner, überlassen. „So viel Ehrenamt kann man gar nicht machen“, sagt sie.

Volkssolidarität, Kirchenälteste, Jagdgenossenschaft, Forstbetriebsgemeinschaft - aktiv in vielen Ehrenämtern

Seit Jahren engagiert sie sich auch in der Volkssolidarität in Busendorf, ist als Kirchenälteste in der Gemeinde Bliesendorf aktiv und wirkt nebenher noch in den Vorständen der Jagdgenossenschaft und der Forstbetriebsgemeinschaft Busendorfer Heide mit. Ehrenämter gehören im Leben von Christel Niederland wie selbstverständlich mit dazu. Viel Aufhebens darum möchte sie aber nicht machen. „Es muss einfach gemacht werden.“ Als Vorstandsmitglied in der Ortsgruppe der Volkssolidarität hat sie beispielsweise Kaffeetafeln für ältere Einwohner mitgestaltet oder sich gemeinsam mit Ausstellungen zum Dorfleben früher und heute am Dorffest beteiligt. Erst neulich waren sie zum Geburtstagsständchen bei einer 92-Jährigen - Corona-konform draußen an der Treppe. Wieder in der Stadt zurück, grüßt die engagierte Frau eine ältere Dame, die erzählt, was sie gerade für den Baby-Begrüßungsdienst strickt. Obwohl Christel Niederland sich auch für Senioren engagiert, gehört ihr Herz nach wie vor den Kindern, wie sie zugibt.