Stephan Krüger ist hart im Nehmen: Bei einem Grad Lufttemperatur watet er am Dienstag durch das frühere Kombibecken des Beelitzer Klärwerkes, das zur Landesgartenschau in ein Wasserbiotop verwandelt wird und im dem das Wasser derzeit eineinhalb Meter hoch steht. In einigen Bereichen des Beckens ist noch eine dünne Eisschicht auf der Oberfläche, doch der Mitarbeiter der Firma ÖKON Vegetationstechnik aus Wiesenburg schiebt schwimmende Kokosmatten so zusammen, dass sie sich der runden Form des Beckens anpassen. Die Kollegen an Land schneiden derweil Pflanzmatten zurecht, die auf die Schwimminseln gebracht werden und hunderte Wasserpflanzen enthalten. „Es ist sehr selten, dass wir unsere Pflanzen in künstlichen Bauten installieren, das ist schon eine Besonderheit. Meist werden sie zur Renaturierung von Teichen oder Seen eingesetzt“, so Stephan Krüger, der in Neoprenhose und Thermosocken arbeitet – und dem man trotzdem ansieht, dass die Temperaturen am Gefrierpunkt liegen.

Kombibecken des Klärwerkes wird in ein Wasserbiotop verwandelt

Das bis in die 90er Jahre genutzte Kombibecken des Klärwerkes befindet sich auf dem künftigen Festspielareal der Landesgartenschau und wird in ein Wasserbiotop verwandelt. Es besteht aus drei Ringen, in denen früher unterschiedliche Klärstufen waren. Jetzt werden die Schwimminseln in den äußeren Ring gebracht, über dem ein neuer Steg für die künftigen Besucher installiert wurde, der zwischen drei zusammenhängende Pflanzinseln führen wird. Im mittleren Ring werden vier verschiedene Seerosenarten schwimmen, und der innere Ring wird von einer mehrere Meter hohen beleuchteten Fontäne dominiert.

Sumpf-Vergissmeinnicht und Blutweiderich, Binsen, Schwertlilien und Wasserminze

Die Pflanzenvielfalt dabei ist groß: Auf den Schwimminseln werden allein je 120 Sumpf-Vergissmeinnicht und Blutweiderich wachsen, auch Binsen, Schwertlilien oder Wasserminze sorgen auf den Pflanzmatten für Abwechslung. Ein Plan des Landschaftsarchitekten gibt den Vegetationstechnikern genau vor, was wo schwimmen soll. „Die Pflanzmatten wurden bei uns bereits ein Dreivierteljahr angezogen, sodass die Pflanzen den aktuellen Frost problemlos überstehen und auch an ihrem neuen Ort gut wachsen“, sagt ÖKON-Mitarbeiter Julian Vansel.

Alle Arten sind regional, sind auch in natürlich entstandenen Biotopen Brandenburgs zu finden

Noch sehen die Pflanzen etwas klein aus, sie sind aber erst zurückgeschnitten worden, bevor sie nach Beelitz geliefert wurden. Alle Arten sind regional und kommen auch in natürlich entstandenen Biotopen Brandenburgs vor. „Wir schaffen mit der Umgestaltung des alten Kombibeckens nicht nur einen optischen Höhepunkt zwischen Nieplitzpark und Freilichtbühne, sondern auch einen neuen Lebensraum für heimische Arten. Amphibien können durch extra gebohrte Löcher im Beckenrand etwa von der Nieplitz zum Laichen in das Wasserbiotop und wieder zurückwandern, es entstehen dauerhaft neue Lebensräume“, so der Beelitzer Bürgermeister und LAGA-Geschäftsführer Bernhard Knuth.
Rund 175.000 Euro werden in die Sanierung und Umgestaltung des Beckens und dessen Umfeld investiert. Die Schwimminseln sollen bis Ende der Woche zusammengesetzt und bepflanzt sein, anschließend wird der Wasserstand im Becken auf drei Meter erhöht. Mit Seilen durch Edelstahlösen werden die Inseln dann am Beckenrand festgezurrt. „Für uns ist jeder Auftrag anders. Alles, was wir pflanzen, ist eine Spezialanfertigung“, sagt Stephan Krüger.

Das ungenutzte Becken wird für die Gartenschau verwandelt

Die Idee, das seit mehr als 25 Jahren ungenutzte Becken für die Gartenschau zu nutzen und auch zu sehen, wie es sich verwandelt, ist für Besucher bei Rundgängen über das Gelände immer wieder eines der großen Highlights. Besonders die Kombination mit der vor dem Becken aufgestellten Sphinx und alten Betongehwegplatten, die nun als Obelisken am Beckenrand in den Himmel ragen, sorgt immer wieder dafür, dass die Handys für spontane Fotos gezückt werden.