„Katastrof“, entfuhr es Leonard S. während der Urteilsverkündung. Für zwei Jahre und zehn Monate muss der 33-Jährige nach einem Urteil des Landgerichts Potsdam in Haft, weil er auf der im April 2020 aufgeflogenen Cannabis-Plantage in Wiesenburg über mehrere Monate die Pflanzen gegossen hatte – Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln.
Viel schlimmer für den aus Albanien stammenden S.: Wegen Fluchtgefahr musste er als einziger der drei Angeklagten nach dem Urteil am Tag vor Heiligabend in Untersuchungshaft bleiben. Da halfen auch alle Entschuldigungen und das Versprechen, für die Gefängnisstrafe zurückzukommen, nichts.

Daniel R. und Alex M. durften die Feiertage in Familie verbringen

Besser erging es zwei Komplizen, die für ihre Beteiligung deutlich höhere Strafen kassierten. Ihre Haftbefehle wurden außer Vollzug gesetzt. Ihr Vorteil: Sie sind Deutsche, haben in Berlin ein soziales Umfeld. Bei beiden ging das Gericht davon aus, dass sie die Haft antreten, wenn sie dazu aufgefordert werden. Daniel R. (vier Jahre und vier Monate Haft) und Alex M. (drei Jahre, neun Monate) durften deshalb die Feiertage in Familie statt mit JVA-Wachtmeistern verbringen. Ihre Reisedokumente mussten sie abgeben, weil das Gericht Verbindungen in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion sah. Beide hatten, im Gegensatz zu S., ein längeres Vorstrafenregister und waren auf Bewährung draußen, als sie im April 2020 in Wiesenburg festgenommen wurden.

Geständnisse abgelegt und Prozess erheblich verkürzt

Alle drei zwischen 27 und 33 Jahre alten Männer hatten Geständnisse abgelegt und damit den Prozess auf drei Tage verkürzt, im Gegenzug hatte sich das Gericht auf einen Strafkorridor festgelegt. Ihre Geschichte im Kurzdurchlauf: Investoren, angeblich aus Albanien, trafen auf R., der angeblich Schulden hatte. 50.000 Euro sollte er für den Plantagen-Betrieb auf dem Gelände des früheren Kreisbetriebs für Landtechnik erhalten. Als es ihm mulmig wurde, bat er seinen Bekannten M. um Hilfe beim Schutz der Anlage. Er sollte dafür ein Drittel des Geldes abbekommen. Zur Unterstützung brachten die Drahtzieher dann auch noch einen Landsmann zur Plantage – Leonard S., letztlich das kleinste Licht im Gefüge. Er soll Kost, Logis und 100 Euro im Monat erhalten haben. Eigentlich wollte er in Deutschland arbeiten, um seine Familie in der Heimat zu unterstützen.

Der markante Cannabis-Geruch verriet die Plantage

Was die Drei über mehrere Monate hegten und pflegten, bis ein Nachbar einen markanten Geruch wahrnahm und zur Polizei ging, war offenbar von guter Qualität. Mehr als 850.000 Konsumeinheiten je 15 Milligramm THC errechneten Gutachter bei den mehr als 2000 sichergestellten Pflanzen, die in einer hochmodernen Anlage heranwuchsen. Zum Vergleich: bei 500 Konsumeinheiten THC ist die „nicht geringe Menge“ erreicht, beträgt die Mindeststrafe für Täter zwischen einem und 15 Jahren.

Cannabis Anbau in Brandenburg außer Kontrolle

Mit der Menge wäre eine normale Oberschule über Jahre lahmgelegt, rechnete der Staatsanwaltschaft vor, der für jeden Angeklagten einige Monate mehr beantragt hatte. Auch R.s Strafverteidiger Mirko Röder beschrieb die Situation dramatisch, wenn auch eher aus allgemeiner Sicht. Man könnte sich das ganze Jahr über mit Plantagen beschäftigen, sagte er in seinem Plädoyer. Er habe den „Eindruck, dass es in Brandenburg außer Kontrolle geraten ist.“