Eine ausrangierte Badewanne und andere große Bottiche schleppt der Lütter Herbert Grüneberg an seinen Gartenteich. Derselbe wird durch den Lütter Bach gespeist. Detlef Brüning aus Dippmannsdorf lässt Wasser einlaufen.

Bachforellen seit Januar in Grünebergs Teich

Derweil treffen die Bad Belziger Klaus Baaske und Robert Wolf vor Ort ein. Mit weiteren Helfern sollen die Bachforellen - die seit Januar in Grünebergs Teich zur Erhaltung des Bestandes in den Flämingfließen gehegt und gepflegt wurden, abgefischt werden. Dazu bedienen sich Baaske und Wolf des besonderen Technik des Elektrofischens. Dabei werden die Fische mittels Strom leicht betäubt - nicht getötet - und aus dem Wasser geholt.

Fische werden betäubt

Mit einer Schutzausrüstung steigt Wolf wenig später in den Teich. Auf dem Rücken trägt er eine Art kleinen Generator. Am Ufer stehen die Helfer bereit, die geschickt und schnell die betäubten Fische mittels Käscher abnehmen und in die bereit stehenden Behälter umsetzen. Es dauert nicht lange und die Arbeit ist erledigt. Danach bringen die Angelfreunde die Bachforellen ins Bruthaus an der Bad Belziger Springbachmühle. Kaum das der Umgebungswechsel vollzogen ist, sind die Fische auch schon wieder „quicklebendig“, haben sich von der Betäubung erholt.

52 Rogener und 28 Milcher

Das Fazit, dass Klaus Baaske später zieht, ist positiv. 52 so genannte Rogener, weibliche Bachforellen die Rogen tragen, und 28 Milcher, geschlechtsreife männliche Fische, haben sich über den Jahreslauf gut entwickelt. Sie werden jetzt die nächste Bachforellengeneration begründen. Eine weitere Beobachtung war, dass einige Rogener, so Baaske, unterernährt waren; während einige Milcher sehr groß wurden. Der Ruheständler, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Bachforelle in hiesigen Gewässern bemüht, erklärt: „Die Großen haben sich im Teich durchgesetzt und den anderen das Futter weg gefressen“. In dieser Folge blieben einige Bachforellen im Wachstum zurück.

Nachzucht für die Flämingfließe

Dennoch sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden. Die geschlechtsreifen Fische liefern Laich für die Nachzucht und in den Flämingfließen können die Naturfreunde wieder Bachforellen aussetzen.
Grüneberg, der mittlerweile im zweiten Jahr seinen Gartenteich zur Verfügung stellte und damit einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung leistete, möchte auch im kommenden Jahr wieder Herbergsvater sein.

Herbergsvater Grüneberg stellt Gartenteich wieder zur Verfügung

„Es war schon sehr beeindruckend, die Forellen im Teich beobachten zu können“, so der 72-Jährige über die vergangenen Monate. Eigens für die Bachforellen hatte er diverse Sicherheitsvorkehrungen an seinem Gartenteich getroffen. Vom Elektrozaun über ein Vogelschutznetz bis hin zu einer Vergitterung am Bacheinlauf. Die Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen hatte der Landesanglerverband Brandenburg (LAV) bereits im vergangenen Jahr unterstützt.

Bachforellen vom Aussterben bedroht

Bachforellen sind in den Flachlandbächen der Region vom Aussterben bedroht. Heimisch sind sie dort bereits seit dem 16. Jahrhundert. Der Kurfürst sorgte für den ersten Fischbesatz.
Zu DDR-Zeiten litten die Bestände, die fließende und klare Gewässer zum Leben brauchen, jedoch massiv unter Umwelteinflüssen. Vor mehr als fünf Jahrzehnten fanden sich daher engagierte Naturfreunde zusammen, die sich für den Erhalt der Art einsetzten. Sie bauten am Gesundbrunnen in Schwanebeck ein Bruthaus und betrieben dort erfolgreich die Forellenaufzucht. Den Fischnachwuchs lieferte man bis nach Mecklenburg.

Neues Bruthaus nach der Springbachmühle

In den 1980er Jahren wurde das Bruthaus in Schwanebeck aufgegeben und in Nähe der Springbachmühle ein neues gebaut. An die Erfolge konnte angeknüpft und mit Fischen aus der Zucht der Bestand in der Natur aufrecht erhalten werden. Auf hoffnungsvolle Nachwendejahre, durch den Bau von Klärwerken, hatte sich die Wasserqualität in den Flämingbächen deutlich verbessert, folgte die Erkenntnis, dass saubere Gewässer nicht ausreichen, um die Art zu erhalten. Heute sind Mink, Fischotter & Co für den dramatischen Rückgang der unter Schutz stehenden Bachforellen im Hohen Fläming verantwortlich.