Am Wasserwerk in Wiesenburg blühen die Schneeglöckchen. Auf dem kleinen Teich finden sich nicht nur Stockenten ein, auch die verschiedensten Amphibien sind dort zu Hause. Diese bereiten sich langsam auf die Wanderung zu ihren Laichgewässern im Park vor. „Wenn es nachts nicht kälter als 5 Grad ist und die Temperaturen tagsüber im zweistelligen Bereich liegen, machen sie sich auf den Weg“, erklärt Katrin Dörrwand von der Naturwacht. Um diesen Weg so sicher wie möglich zu gestalten, werden derzeit allerorten Krötenzäune aufgestellt.

Mitarbeiter der Naturwacht und Ehrenamtler errichten Krötenzäune

Seit mehr als zwei Wochen sind die Mitarbeiter der Naturwacht mit vielen ehrenamtlichen Helfern im Einsatz. „Ohne die fleißigen Ehrenamtler würden wir das gar nicht schaffen“, so Katrin Dörrwand. Etwa acht Kilometer Krötenzäune werden in der Region aufgebaut. Zweimal täglich werden sie dann von freiwilligen Helfern kontrolliert und die Amphibien über die Straßen getragen. Die Mitarbeiter der Naturwacht freuen sich, dass sie für alle Standorte ehrenamtliche Betreuer gefunden haben.

Erdkröte in Schmerwitz, Kammmolch in Golzow

„Letzte Woche wurde die erste Erdkröte in Schmerwitz auf der Straße gesichtet und von Anwohnern gerettet, noch bevor der Zaun stand. Am vergangenen Freitag haben die Zaunbetreuer von den Torfkuten in Golzow den ersten Kammmolch gemeldet“, sagt Katrin Mielsch. Sie ist die Amphibienbeauftragte der Naturwacht.

Juniorranger halfen beim Zaunbau in Wiesenburg

In Wiesenburg halfen die Juniorranger beim Aufstellen der Zäune. Die Sieben- bis Zwölfjährigen wissen ganz genau, warum sie das tun. „Damit die Kröten nicht auf die Straße laufen und überfahren werden“, sagt Ida aus Jeserig. Gemeinsam mit den Kindern und auch zahlreichen Eltern ging es ans Werk, natürlich nicht ohne Schutzwesten, denn der Teich liegt an der vielbefahrenen B246. Zuerst wurden die Stäbe in bestimmten Abständen in die Erde gesteckt, dann der Zaun ausgerollt und befestigt. Zum Schluss mussten die Eimer eingebuddelt werden. In diese kamen Gras und ein Stock. Warum, wussten die Kinder ganz genau. „Manchmal fallen auch Mäuse oder Käfer in die Eimer, die kommen sonst nicht mehr raus.“ Viele Kinder sind nicht das erste Mal dabei, wie Paula aus Bad Belzig. Sie half schon mit, als sie noch ein Kindergartenkind war.

Dramatischer Rückgang der Amphibien registriert

Die Bestände an Amphibien sind dramatisch zurückgegangen, nicht nur in Wiesenburg. Wurden 2017 noch über 30.000 Tiere gezählt, waren es 2021 nur noch etwa 13.000. „Keine Ahnung, was uns in diesem Jahr erwartet“, sagt Katrin Mielsch. Man sei hin und her gerissen, ob der Zaun an bestimmten Stellen noch aufgebaut werden soll. „Jedes Tier, welches nicht überfahren wird, ist wichtig.“

Extreme Trockenheit von 2019 hallt noch heute nach

Die trockenen und heißen Sommer haben ihren Teil zum Rückgang der Bestände beigetragen. „Es gibt immer noch Sölle, die seit Sommer 2019 permanent trocken sind, zum Beispiel der Johannispuhl bei Medewitzerhütten oder der Lüttchen Teich bei Görzke. Da hat auch der Regen der vergangenen Monate nicht viel gebracht, die Grundwasserstände sind einfach zu sehr abgesackt“, weiß Katrin Mielsch. Sie richtet nochmal einen ausdrücklichen Dank an alle ehrenamtlichen Helfer. „Ohne euch wären wir aufgeschmissen.“