Manfred Letz und Andy Mielis lernten sich im Oktober 2016 kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmte sofort. Schon im Februar 2017 wurde die Firma übergeben. Andy Mielis übernahm sie mit Mann und Maus. Er behielt alle Arbeitnehmer, sämtliche Maschinen und auch bereits feststehende Aufträge. "Manfred und Jutta Letz waren quasi wie Eltern für mich", sagt er heute. Was Jutta Letz sehr beeindruckte. "Es macht stolz, das jetzt so zu hören", sagte sie ein bisschen gerührt. Und natürlich steht Manfred Letz auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite.
Der Gedanke, sich selbstständig zu machen, war schon zu DDR-Zeiten vorhanden. Manfred Letz war Bereichsleiter für die Maler der PGH Wiesenburg. Zuständig war er für einfach alles – von der Betreuung der Arbeitnehmer bis hin zum Einkauf. Das Ehepaar stellte einen Antrag auf Selbstständigkeit. Da gab es bereits die Währungsunion, von einer Wiedervereinigung war aber noch nicht die Rede. Mit der Währungsunion brachen von heute auf morgen alle Aufträge in der PGH  weg oder wurden storniert. Ein Grund mehr, sich auf eigene Füße zu stellen.
Angefangen hat er als Einzelkämpfer. Manfred Letz erinnert sich noch an seinen ersten Auftrag. Den bekam er von Walter-Julius Stolte, dem damaligen Betreiber des "Juliushof" in Klein-Briesen. Er sollte Infoschilder für den Hotelbetrieb anfertigen. Vereinbart waren 6.000 D-Mark, das war damals sehr viel Geld. Gearbeitet hat Manfred Letz in der alten Küche in seinem Wohnhaus, manchmal bis in die Nacht. Bald stellte er mit Ronny Schröder aus Wiesenburg den ersten Lehrling ein, kurze Zeit später mit Heinz Schiller aus Görzke einen älteren Arbeitnehmer, der noch sehr lange in der Firma beschäftigt war.
Leicht war es nicht. Es gab viele neue Materialien und Techniken. Also besuchte Manfred Letz Lehrgänge und westliche Firmen, um sich Wissen anzueignen. Der Arbeitsbereich weitete sich erst bis nach Brandenburg aus, später bis nach Potsdam und Berlin, um immer Arbeit für die Angestellten zu haben. In der ersten Zeit stand er abends nach der Arbeit an der Telefonzelle mitten im Ort, um seine Bestellungen aufzugeben. Oft musste er warten, da er nicht der einzige war, der telefonieren wollte. Ein eigenes Telefon bekam er ein Jahr später. Die Büroarbeiten erledigte Ehefrau Jutta. "Angefangen hab ich mit einer einfachen Reiseschreibmaschine", erinnert sie sich. Später hatte sie dann eine elektrische, wo wenigstens schon die Arbeitsverträge abgespeichert werden konnten.
Inzwischen ist der Betrieb gewachsen. Andy Mielis hat 28 Mitarbeiter und obendrein eine Niederlassung in Berlin.
Die Firmenübergabe ist eigentlich ein Paradebeispiel, wie ein Übergang funktionieren sollte, sind sich Manfred Letz und Andy  Mielis einig. "Ich hab eine komplett fertigen Betrieb übernommen, inklusive Aufträge", so Andy Mielis. Auch er hatte sich im Vorfeld einige Betriebe angesehen. Viele Inhaber wollte sofort komplett abschließen und gar nichts mehr mit den Betrieb zu tun haben. Aber einfach so einen Tag X festlegen, geht gar nicht, ist er der Meinung. Da hat er es mit Manfred Letz gut getroffen. Denn dieser schaute und schaut oft, ob er irgendwie helfen kann. Und ist froh, dass das Unternehmen in seinem Sinne weitergeführt wird.
Jetzt ist auch für Andy Mielis die Zeit des Pendelns vorbei. In Absprache mit seiner Frau wurde das Haus bei Falkensee verkauft und in Bad Belzig ein Neues gebaut. So haben die drei Kinder wenigstens am Abend ein bisschen Zeit mit ihrem Vater.