Die Stadtwerke Bad Belzig stecken weiter tief in der Finanzmisere. Nun soll eine Insolvenz in Eigenverantwortung das Unternehmen retten. Laut Medienberichten soll es durch verbotene Spekulationen an der Börse zu einem Millionenschaden gekommen sein.
Bei einem Eigenverwaltungsverfahren ist ein Massekredit der Stadt Bad Belzig in Höhe von bis zu 1,6 Millionen Euro notwendig. Nach Auskunft des Aufsichtsratsvorsitzenden Tobias Paul liegt der Vorteil eines solchen Verfahrens darin, dass am Ende die StwBB GmbH immer noch mit ihren wirtschaftlichen Teilen existieren, während bei einem Regelinsolvenzverfahren das Unternehmen komplett zerschlagen würde.

Sicherung der Arbeitsplätze im Vordergrund

Bürgermeister Roland Leisegang erklärt die besondere Dringlichkeit des Beschlusses der Stadtverordneten: „Die Rettung der Stadtwerke und der damit verbundenen Arbeitsplätze sowie die Versorgung der Bürger steht bei diesem Sanierungskonzept im Vordergrund. Wir sind uns der beschränkten Möglichkeiten unserer aktuell wachsenden Gemeinde am Rande Berlins bewusst. Jedoch hat die Stadt Bad Belzig in den letzten Jahren gut gewirtschaftet, sodass wir als Gesellschafterin in der Lage sind, das Fortbestehen zumindest des Gasbereiches, für den sich die Stadtwerke inzwischen ausreichend eindecken konnten, mit einem Darlehen zu unterstützen,“ so der Bürgermeister weiter.

Einigungen durch Verletzung der Schweigepflicht gescheitert

Die Stadtverordneten hatten bereits bei einer früheren außergewöhnlichen Versammlung am 14. Dezember verschiedene Handlungsoptionen diskutiert und schließlich beschlossen, den Stadtwerken mit einem Darlehen ein sogenanntes StaRUG-Verfahren zu ermöglichen. Dieses relativ neue Verfahren hätte es ermöglicht, ohne Öffentlichkeit Einigungen mit den größten Gläubigern zu finden und trotzdem den Schutz eines Moratoriums zu haben. Die Stadtwerke hätten damit zumindest zu den aktuellen Preisen Erdgas und Strom am Markt einkaufen und hätten somit eine Insolvenz vollständig vermieden.
Auf Grund der „widerrechtlichen und wiederholten Verletzung der Schweigepflicht“ zunächst durch einzelne Mitglieder des Aufsichtsrats und dann der Stadtverordnetenversammlung, gefolgt von ausführlicher Berichterstattung  in Verbindung mit der Energiepreisentwicklung, wurde jedoch die Durchführung dieses grundsätzlich nicht-öffentlichen StaRUG-Verfahrens von den Verantwortlichen und Rechtsanwälten als gescheitert angesehen.

Bereich Stromversorgung wird eingestellt

Das von der Stadtverordnetenversammlung jetzt beschlossene Eigenverwaltungsverfahren sieht daher vor, den gesamten Bereich Stromversorgung einzustellen und die entsprechenden Verträge sowohl auf Einkaufs- als auch auf Kundenseite unmittelbar mit Einleitung des Verfahrens zu beenden bzw. den Geschäftsbereich an andere Anbieter zu übertragen.

Gasversorgung und Fernwärme bleibt bei den Stadtwerken

Anders die Gasversorgung und Fernwärme. „Hier verfügen wir über entsprechende Kapazitäten und bei normalem Geschäftsgang auch über die Möglichkeit das Geschäft zukünftig gewinnbringend zu betreiben. Zwar werden die Versäumnisse des ehemaligen
Geschäftsführers auch hier zunächst zu erheblichen Verlusten führen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese mittelfristig wieder ausgeglichen werden können,“ so Bürgermeister Roland Leisegang.
„Wir wollen das Eigenverwaltungsverfahren nutzen, um gegenüber der schon jetzt in die Verhandlungen eng einbezogenen Hauptgläubigerin und den weiteren Gläubigern Verzichte im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens durchzusetzen. Nach Verfahrensabschluss sollen die Stadtwerke Bad Belzig über eine gesunde bilanzielle Verschuldenssituation und über einen profitablen Geschäftsbetrieb verfügen,“ erklärt Bürgermeister Roland Leisegang.
Viele Anbieter in Deutschland weigern sich angesichts grenzenloser Preissteigerungen schon seit Wochen, neue Kunden aufzunehmen. Täglich verschwinden Anbieter vom Markt. Die Stadtwerke Bad Belzig lassen ihre treuen Kunden jedoch in dieser Situation nicht allein. Mit der EWP Potsdam haben die Stadtwerke Bad Belzig einen starken Kooperationspartner in der Region gefunden, mit dem eine Stromlieferung für Haushalts- und Gewerbekunden zu fairen Konditionen auch in Zukunft ermöglicht wird.

Kunden bekommen faires Angebot eines Partnerunternehmens zugeschickt

Die Kunden bekommen das Partnerangebot dieser Tage zugesandt und können sich kurzfristig dafür entscheiden. Dabei haben sie die Wahl zwischen einem 12- und einem 24-Monatsprodukt. Die Vertriebsmannschaft der Stadtwerke Bad Belzig unterstützt ihre Kund:innen aktiv und bittet die Kund:innen, sie via E-Mail unter vertrieb@stadtwerke-bad-belzig.de, telefonisch unter (0 33 841) 444 8 20 oder unter Beachtung der aktuellen Corona-Regeln im Kundenzentrum zu kontaktieren. Der Abschluss kann über das verschickte Formular oder auch ganz einfach online  erfolgen.
Bürgermeister Roland Leisegang: „Hinter uns liegen sehr intensive Wochen, Wochen des Entsetzens und der Enttäuschung, dann der Hoffnung und Ernüchterung, und schließlich der Gewissheit, dass wir den durch das Verhalten und den Vertrauensbruch des früheren Geschäftsführers angerichteten Schaden nicht ausgleichen konnten.“ Geschäftsführer war Hüseyin Evelek.