Der angehende Pfarrer Oliver Notzke ist oft der erste Ansprechpartner bei Sorgen seiner Kirchenmitglieder. „Seit Beginn des Krieges in der Ukraine steht mein Telefon nicht mehr still“, erzählt Notzke. „Viele Bürger fühlen sich hilflos und möchten gerne helfen.“ Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend und so begann Notzke in Golzow-Planebruch ein Netzwerk aufzubauen und koordinierte die Spenden- und Hilfsangebote. Mittlerweile wurden zirka dreißig Flüchtlinge in der Kirchengemeinde aufgenommen. Ruckzuck wurde eine Kleiderkammer eingerichtet, in der sich die Flüchtlinge einkleiden konnten.

Cornelia Brand bietet ganz unbürokratisch einen Sprachkurs an

Notzke kontaktierte unter anderem Cornelia Brand. Sie ist pensionierte Lehrerin und hat jahrelang Deutsch und Russisch in Golzow unterrichtet. Mit ihrer Hilfe konnte schnell und unbürokratisch ein Deutschkurs für die Aufgenommenen auf die Beine gestellt werden. Ehrenamtlich unterrichtet sie wöchentlich in den Räumlichkeiten des Pfarrhauses.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Der erste Unterricht erfolgte mit sechs Personen. Mittlerweile stieg die Anzahl ihrer Schüler auf weit über dreißig, da auch aus benachbarten Ortschaften die Flüchtlinge das Angebot annahmen. Eine enorme Herausforderung ist, dass ihre Schüler zwischen 10 und 65 Jahre alt sind und unterschiedliche Sprachkenntnisse besitzen. Unterstützung erhält sie von Marina Polinna, die selbst Ukrainerin ist, aber schon seit mehreren Jahren in Cammer wohnt.

Grit Hoffmann aus Damelang ist eine große Unterstützung in der Flüchtlingshilfe

„Die gegenseitige Hilfe ist enorm. Die Krise in der Ukraine lässt uns alle näher zusammenrücken“, bewundert Notzke und möchte Grit Hoffmann aus Damelang als großartige Stütze nennen. „Ich fühlte mich so ohnmächtig als der Krieg ausbrach. Ich wollte helfen“, erklärt sie. Es begann mit einer Spendenaktion und entwickelte sich zu einem Netzwerk von zirka 20 Einwohnern aus Damelang, die Flüchtlinge aufnahmen, zum Beispiel in den Gästezimmern des „Wiesengrund“. Fahrgemeinschaften wurden organisiert, Arztbesuche begleitet und bei Einkäufen unterstützt. Das Dorfgemeinschaftshaus steht als Treffpunkt und als Küche für gemeinsame Mahlzeiten zur Verfügung.

Flüchtlinge aus der Ukraine möchten helfen und packen vor Ort mit an

„Die Dankbarkeit, die uns gezeigt wird, ist ergreifend“, freut sich Notzke. Viele Flüchtlinge möchte etwas zurückgeben und sich erkenntlich zeigen, so wurde zum Beispiel die Golzower Kirche geputzt und überfälliges Holz gestapelt. Manche möchten sich durch landestypische Speisen revanchieren. So werden zum traditionellen Tischabendmahl am Gründonnerstag zum ersten Mal auch ukrainische Gerichte gereicht. Das ist gelebte Nächstenliebe.
Mehr zum Krieg in der Ukraine finden Sie auf einer Themenseite und im Liveticker. Informationen zu Hilfsangeboten gibt es hier.