Die Folgen der russischen Invasion in die Ukraine sind inzwischen auch in der Gemeinde Wiesenburg/Mark angekommen. Schon frühzeitig hatte sich die Verwaltung positioniert und zumindest vorübergehende Quartiere für Flüchtlinge angeboten. Die ersten Familien sind nun in Reetz angekommen. Dort gibt es zwei Notwohnungen, in denen die Menschen erst einmal unterkommen können. Es sind Familienangehörige zweier in der Elki-Milchproduktion beschäftigten ukrainischen Arbeiter.

Wohnungen wurden dank Helfer und Spenden hergerichtet

Jedoch musste in den Wohnungen erst einmal klar Schiff gemacht werden, sie standen seit Jahren leer. Dabei legte sich die Leiterin des Wiesenburger Familienzentrums, Friederike Schmidt, mächtig ins Zeug. Die Fäden liefen bei ihr zusammen. Bei einer Besichtigung mit Bürgermeister Marco Beckendorf und Ortsvorsteherin Marion Gante wurden die Wohnungen als Übergangslösung für geeignet befunden. Die Familien waren damit einverstanden, wohnten sie doch alle gemeinsam erst einmal in den Arbeiterunterkünften bei Elki. Die Firma hat ebenfalls Unterstützung angeboten. Gemeinsam mit einer Übersetzerin wurden alle nötigen Dinge geklärt.

Friederike Schmidt von der Vielzahl an Hilfsangeboten überrascht

Am 1. März sollte es losgehen mit der Grundreinigung und Einrichtung. „Ich war völlig überwältigt über die vielen Hilfsangebote“, sagte Friederike Schmidt. Schon am Dienstagnachmittag standen Helfer mit Putzmitteln vor der Tür, um zu unterstützen. Am darauffolgenden Tag kamen noch ein paar Reetzer Männer dazu, die beim Aufbau der Möbel halfen. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs waren sofort zur Stelle, um die Stromversorgung wieder herzustellen sowie Waschmaschine und Spüle anzuschließen. Angestellte der Tischlerei Friedrich kümmerten sich um die verzogene Eingangstür. Als Friederike Schmidt nach einer Gardinenstange fragte, kam prompte die Antwort – wir bauen etwas. Und natürlich gingen viele Sachspenden ein. Nicht nur aus Reetz, sondern aus dem gesamten Gemeindegebiet. Neben Kühlschränken, Waschmaschine, Betten und Schränken brachten viele auch Alltagsgegenstände, Bettwäsche, Handtücher und Hygieneartikel. Parallel dazu erhielt Friederike Schmidt viele Anrufe von Menschen, die Wohnraum anbieten würden. „Damit könnten wir bestimmt noch 15 bis 20 Menschen unterbringen“, freut sie sich.

Eine Odyssee aus dem Kriegsgebiet in das sichere Deutschland

Auch die Familie, die eine der Wohnungen beziehen wird, war erleichtert. Die zweite Familie möchte bei Elki wohnen bleiben. Als Valery vom Einmarsch der russischen Truppen erfuhr, gab es für ihn nur einen Gedanken: Meine Familie muss in Sicherheit gebracht werden. Ist es schon schwer genug, wegen der Arbeit lange getrennt zu sein, so ist der Gedanke, dass Frau und Kinder in Gefahr sind, noch unerträglicher. „Wir haben gleich in den ersten beiden Kriegstagen entschieden, dass wir nach Deutschland zu Papa gehen“, erzählt Tochter Nastja, die sich in Englisch recht gut verständlich machen kann. So wurde das Notwendigste zusammen gepackt. Ein Auto brachte die Familie in Richtung Polen. Da sie in der westlichen Ukraine leben, war dieser Weg nicht allzu weit, aber anstrengend, denn viele Menschen versuchen gerade, auf diesem Weg in Sicherheit zu kommen. Vor der Grenze lag noch einmal ein Fußmarsch von etwa fünf Kilometern vor Mama Irena, Nastja und Bruder Arsen. Und dann hieß es warten, ganze zehn Stunden dauerte es, ehe sie die Grenze überqueren konnten, wo Valery seine Familie endlich in die Arme schließen konnte.
Nun heißt es abwarten. Die Familie möchte nicht in Deutschland bleiben, sondern wieder zurück in die Ukraine. „Das ist unsere Heimat“, sagt Irena nicht ohne einen immer noch bedrückten Gesichtsausdruck.
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