Hochbetrieb herrscht derzeit in der alten Geschwister-Scholl-Grundschule an der Weitzgrunder Straße in Bad Belzig. Das bereits in den 1990er Jahren aus dem „Schuldienst“ entlassene Gebäude wird seit 2018 umfassend saniert, um- und ausgebaut.

Bibliothek, Jugendtheater Strumpfhose, AWO und CVJM

Nach Abschluss aller Arbeiten soll das Haus als soziokulturelles Zentrum genutzt werden. Die städtische Bibliothek und das Jugendtheater Strumpfhose werden einziehen. Weitere Räume werden für Angebote der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bereitgestellt und durch den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) genutzt, der in Bad Belzig für die Jugendarbeit verantwortlich zeichnet.

Arbeiten sollen Ende 2020 fertig sein

Aktuell erfolgt der Innenausbau. Installateure, Maler und andere Gewerke sind im Haus tätig. Bis zum Jahresende sollen die Arbeiten beendet sein. Für die Herrichtung des früheren Schulgebäudes zum soziokulturellen Zentrum hatte die Stadt 2017 aus dem Bundesprogramm „Soziale Integration im Quartier“ eine Förderung in Höhe von 2,3 Millionen Euro erhalten.

Baukosten sprengen das Budget

Weil diese Summe die Baukosten jedoch bereits seit geraumer Zeit nicht mehr deckt, es wird mittlerweile von mehr als 3,5 Millionen Euro ausgegangen, sorgte das Projekt in den vergangenen Wochen und Monaten für Diskussionen.
Grund dafür sind nicht nur die gestiegenen Preise auf dem Bau, sondern erfolgte planerische Veränderungen bei der Raumaufteilung. Dazu kam, dass die horizontale Abdichtung in großen Teilen des Baukörpers beschädigt war, in der Dach- und Holzbalkenkonstruktion einen Schädlingsbefall festgestellt wurde, sich in Teilen der Dachkonstruktion der Schwamm ausgebreitet hatte und Deckenbereiche im Kellergeschoss sich als nicht tragfähig erwiesen hatten. „Bauen im Bestand birgt immer ein Risiko“, so Bauamtsleiter Robert Wildgrube.

Putzarbeiten zum Wahnsinnspreis

Besonders negativ schlug jedoch der Posten der Putzarbeiten zu Buche. 180.000 Euro waren  dafür vorgesehen. Der einzige Bieter erhielt den Zuschlag für 300.000 Euro. Um die entstandene Kostenlücke zumindest teilweise schließen zu können, hat die Verwaltung für 2020 und 2021 weitere Fördergelder in Höhe von insgesamt 300.000 Euro aus dem Kreisentwicklungsbudget beantragt.

Finanzausschusses auf der Baustelle

Die Kostenexplosion hatte aber auch zur Folge, dass sich die Mitglieder des städtischen Finanzausschusses nach der Corona-Zwangspause zu einer Begehung der Baustelle aufmachten. Sie ließen sich von Architekten, Planern und Verwaltung die Gründe der Verteuerungen vor Ort erläutern. Die Begehung wurde im Finanzausschuss noch einmal thematisiert.

Entsetzte Abgeordnete aller Fraktionen

Holger Kögel, sachkundiger Einwohner der Fraktion Gewerbeverein/Wir vom Dorf, bezeichnete die Kostenentwicklung als „Desaster“.
Der Stadtverordnete René Zarbock (Wir vom Dorf) kritisierte, dass die Verwaltung zu spät mit den Abgeordneten Rücksprache genommen hätte. Der Ausschussvorsitzende Gustav Horn (SPD) regte wiederum an, dass bei der Sanierung von Altbauten künftig ein finanzieller Puffer in den Planungskosten vorgesehen wird. Dem folgte Bürgermeister Leisegang und kündigte an, das Management in der Verwaltung verbessern zu wollen - um im Fall des Falls auch kurzfristig mit den Abgeordneten in den Dialog treten zu können.

Zuwegung vom Edeka-Markt aus nicht möglich

Für die Herrichtung der Außenanlagen mit 26 Parkplätzen sind weitere 700.000 Euro kalkuliert. Da die erhoffte Zuwegung vom Edeka-Markt aus nicht verwirklicht werden kann, ist auch in dieser Position mit Mehrkosten zu rechnen. Darüber informierte der Bürgermeister, nachdem Anfang September noch einmal das Gespräch mit der Edeka-Handelsgenossenschaft gesucht wurde. Jetzt muss die Zuwegung zum soziokulturellen Zentrums über eine schmale Zufahrt von der Weitzgrunder Straße aus erfolgen.