Die dendrologischen Untersuchung durch Dr. Karl-Uwe Heußner vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin ergab, dass der freigelegte Eichenstamm 1.079 Jahre alt ist. Damit gehört der Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses zu den ersten, die in der Region errichtet wurden und der im Vorfeld vermutete Sensationsfund fand Bestätigung.
In den drei untersuchten Proben wurden die großen und kleinen Jahresringe des Holzes mittels hochmodernster Technik quasi durchleuchtet. Nach einem Abgleich stand fest, dass der Baum um 933 zu wachsen begann und um 1150 gefällt wurde. Am Balkenfragment wurden sogar Bearbeitungsspuren gefunden. "Er wurde behauen", so Dinter.
Die Ergebnisse bestätigten damit die These von Pfarrer Helmut Kautz, der schon während des vorangegangenen Gottesdienstes vom "1000jährigen Rottstock" sprach.
Den im Vorfeld vom Geistlichten ausgelobten Schätzwettbewerb um das Alter des Balkens konnte Helmut Ehle für sich entscheiden. Er mutmaßte, dass der Stamm 1082 Jahre alt sei.
Als Siegprämie hatte Kautz im Vorfeld einen Splitter des kostbaren Holzes versprochen. Doch dem wurde im der zurückliegenden Woche von behördlicher Stelle kurzfristig ein Riegel vorgeschoben. "Alles was im Boden liegt, gehört dem Land", erklärte der Archäologe die Besitzverhältnisses des Holzfragments, das über kurz oder lang zu Staub verfallen wird.
Das der Gemeinde zurückgegebene Balkenstück soll späterhin in einer Ausstellung in der Kirche zu sehen sein. Bis diese jedoch installiert ist, gilt es einen wichtigen Aufbewahrungshinweis zu befolgen. "Man sollte ihn nach Möglichkeit bei einer gleich bleibend kühlen Temperatur in einer Bandage lagern". Diese könnte auch aus Frischhaltefolie bestehen, dann darf dass Holz darin jedoch nicht luftdicht verschlossen sein, erklärte der Altertumsforscher.
Der kostbare Rottstocker Holzfund untermauert die ab1150 in der Region beginnende starke Bautätigkeit und "passt sich gut in das Gesamtkonzept ein", so der Fachmann.
Die im Juli gemachten Balkenfunde waren für die Archäologen von größerem Interesse als die entdeckten Grabanlagen. "Funde wie hier in Rottstock sind selten", erklärt Dinter, da die heutigen Kirchbauten meist auf den Überresten der Holzbauten thronen.
In der Rottstocker Kirche wurde keine Forschungsgrabung durchgeführt. Bodenabsenkungen im Chorraum gaben den Anlass, Ursachenforschung zu betreiben.
Bereits 2009 erfolgten endoskopische Untersuchungen, bei denen das Vorhandensein von Grüften festgestellt wurde. Im Rahmen der Grabung wurden vier Grüfte, Münzen, Hölzer und das zur Untersuchung eingeschickte Rundholz mit einem Querschnitt von mehr als 30 Zentimeter Durchmesser gefunden. Die Auswertung der Fundstücke ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Vermutlich im Februar kann ein abschließendes Gutachten geschrieben werden.
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