Klänge, wie sie lange nicht vom Hof der altehrwürdigen Burg Eisenhardt zu vernehmen waren, zogen am Wochenende über Bad Belzig. Mal waren es die von klirrenden Schwertern, mal die von mittelalterlichen Melodien.
Angelockt davon, pilgerten Klein und Groß der Feste entgegen und fanden sich auf dem Burghof zwischen Rittern und Gauklern, Feuerspuckern, Handwerkern, Händlern und anderem fahrenden Volk wieder. „Besonders schön ist hier, dass so viele Besucher mittelalterlich gewandet kommen“, sagt Günter Roskors. Um auf dem Markt in Bad Belzig dabei zu sein, hat er den weiten Weg von Schleswig-Holstein bis in den Fläming auf sich genommen. Ist der Stand aufgebaut, ist er nicht mehr Günter Roskors.

Aus Günter Roskors wrd Günter von Meldorf

Sobald er die Kutte übergestreift hat, ist er Günter von Meldorf und einer von vielen Händlern, die das Mittelalterspektakel mit seinen Ritterkämpfen und Feuershows mit einem Verkaufsstand „rahmen“. Im Angebot hat Günter von Meldorf unter anderem allerlei Zaubertränke - wie „Drachenpisse“ und einen „Impf Stoff“. Auf letzteren sollten sich Besucher des Spektakels natürlich nicht allein verlassen. Weshalb hier und dort Möglichkeiten zur Handdesinfektion eingerichtet, der Mundschutz an Engstellen getragen und durch den Veranstalter weitere Vorkehrungen getroffen worden waren, damit es zu möglichst keinen Coronainfektionen am Veranstaltungswochenende kommt.

Hochgelobter Markt in Bad Belzig

Für Günter und Petra Roskors ist es nach Ende des Lockdowns der erste Markt, auf dem sie ihre Waren feilbieten. In Bad Belzig sind die beiden zudem auch noch das erste Mal, und schon voll des Lobes was die Organisation und den Aufbau des Mittelaltermarktes auf dem Burghof betrifft. Da wechseln Handwerker- und Händlerstände ab, Besucher können den Frauen und Männern über die Schulter schauen, die altes Handwerk präsentieren. Da wird gefilzt und gefärbt, gedrechselt, gewebt und gesponnen.

Altes Handwerk hautnah erkeben

Wie bei Astrid Wittkopp, die sich aus Fretzdorf auf den Weg nach Bad Belzig gemacht hat. Mittelalterlich gewandet sitzt sie am Spinnrad und spinnt. Hinter ihr ist ein großer, 300 Jahre alter Bauernwebstuhl aufgebaut - an dem immer wieder auch gewebt wird. Einige Schritte entfernt hält sie Wasser in einem Kessel heiß. Daneben liegen getrocknete einheimische Kräuter, die ins Wasser kommen und gekocht werden sollen. Später kann sie die am Spinnrad gesponnene Wolle in das angesetzte Farbbad tauchen. Wer ihr bei der Arbeit zusieht, bekommt schnell ein Gespür dafür, dass der Weg vom Faden zum Kleid oder zur Jacke ein langer ist. „Ich möchte alte Handwerkstechniken bewahren, die unsere Altvorderen noch beherrschten“, so Astrid Wittkopp, die ihr Wissen wieder und wieder mit vorbeikommenden Interessierten teilt.

Wechselnde Aktionen und Attraktionen

Immer wieder wechseln auch die verschiedensten Aktionen auf dem weitläufigen Burghof ab. Mal sorgen Gaukler für Kurzweil, dann wieder bieten Mittelalterkünstler Feuer- und Fakirshows, die dem Publikum den Atem stocken lässt. Zwischendurch überziehen immer wieder mittelalterliche Melodien das Areal - bis klirrende Schwerter andeuten, dass es im Mittelalter oft auch ziemlich derb zuging.