„Unser Storch ist eingetroffen. Zwei Tage früher als im vergangenen Jahr“, freut sich Storchenvater Gerhard Rettig. Die Nachricht, dass Adebar am Ostersonntag seinen Horst am Rand des Gutsparks von Cammer wieder bezogen hatte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Noch kein Storch in Schwanebeck

Auch andernorts, wie in Lütte, Fredersdorf, Golzow, Damelang und Brück sind die Horste bereits besetzt. Während Storchenfreunde in Schwanebeck noch auf die Rückkehr der Rotstrümpfe warten. Aber nicht nur dort, gibt es „Wohnungsleerstand“. Obgleich der Mensch versucht, Adebar Nistangebote zu unterbreiten, bleiben viele neu aufgebaute Horste wie beispielsweise in Freienthal leer. Futtermangel dürfte die Hauptursache sein, dass die Population der Störche nicht weiter steigt. Dabei gab es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in fast allen Orten in Nachbarschaft zu den Belziger Landschaftswiesen Storchenhorste. Die Rotstrümpfe nisteten auf Haus- und Scheunendächern oder auf großen Bäumen. Bis der Mensch eingriff, der die Rotstrümpfe von ihren angestammten Nistplätzen auf den Bauerngehöften vertrieb - in dem er bei Bauarbeiten die Nester zerstörte; in dem jahrhundertealte Laubbäume gerodet wurden und ab 1906 die Melioration der Planeniederung begann. Mit der Trockenlegung der sumpfigen Wiesen versiegten die ehemals reichen Nahrungsquellen der Störche immer mehr.

Storch-Statistik aus dem Jahr 1958

Nach einer 1958, vom 1. April bis 1. Oktober stattgefundenen Zählung, ist belegt, dass in jenem Jahr im gesamten Altkreis Belzig nur noch zwölf Storchnester besetzt waren! Davon wurde das in Linthe durch ein Feuer zerstört und das in Fredersdorf durch ein Unwetter vernichtet. Neue Nestunterlagen, die auf dem Hof der LPG in Dahnsdorf und auf dem Gelände der Tonwarenfabrik in Niemegk gebaut wurden, „wurden wohl angesehen, aber nicht angenommen. Sie entsprachen allem Anschein nach nicht den Anforderungen.“ Der Vogelwarte Hiddensee konnte in jenem Jahr gemeldet werden, dass im Kreis Belzig 19 Jungstörche flügge wurden. Davon konnten von Ragösen und Damelang je vier, von Brück und Nichel je drei, von Brachwitz und Neuendorf je zwei Jungvögel die weite Reise nach Afrika antreten. Das Storchenpaar in Linthe hatte ein Junges aufgezogen. Bleibt zu hoffen, dass das Jahr 2021 ein gutes Storchenjahr wird und Ereignisse wie im vergangenen Sommer in Niemegk geschehen, wo die Altstörche in zwei Horsten den Nachwuchs aus dem Nest warfen, nicht vorkommen. Futtermangel könnte eine Ursache dafür gewesen sein.

Wie sah das Storchenjahr 2020 im Hohen Fläming aus?

Im Storchenjahr 2020 wurden in Neschholz und Schlalach jeweils vier Jungstörche flügge. In Baitz, Brück (Straße des Friedens und Luisenstraße), Fredersdorf, Lütte, Cammer, Ragösen, Trebitz, Dippmannsdorf und Stromtal waren es jeweils drei. In Damelang, Brück (alte Bäckerei), Brachwitz, Görzke, Linthe, Mörz und Wiesenburg waren es jeweils zwei. Als „Einzelkinder“ wuchsen die Rotstrümpfe in den Storchenhorsten in Bad Belzig und Schlalach (Hof Krüger) heran.