Im Gegensatz zum Weißstorch leben die scheuen Schwarzstörche eigentlich zurückgezogen in geschlossenen Wäldern mit altem Baumbestand und fließenden Gewässern. Sie reagieren überaus empfindlich auf Störungen. Weshalb in hiesiger Region die Wenigsten jemals einen Vertreter dieser Vogelart gesehen haben.
Wie sich später herausstellte, war besagter Schwarzstorch bereits am Sonnabend Nachmittag Laubenpiepern aufgefallen, die in der Kleingartenanlage "Sonnenschein" in ihren Gärten waren. Eine von ihnen ist Natur- und Kulturführerin Inge Richter. Sie berichtet, dass der Schwarzstorch sich bei seinem Kurzbesuch in den Kleingartenanlage von den Kleingärtnern überhaupt nicht stören ließ. Unbeeindruckt von der Geräuschkulisse des nahen Bahndammes suchte er dort auch nach Regenwürmern, nahm ein kleines Mahl ein, hielt an einem Goldfischteich inne und klapperte fröhlich vor sich hin.
Am Tag darauf machte sich der Schwarzstorch dann mit einem anderem Viertel der Stadt bekannt - mit dem Schwanebecker Weg, dem Friesenweg, der Fichtestraße und der Karl-Marx-Straße. Von dort wurden ebenfalls Sichtungen gemeldet. Im Schwanebecker Weg gehörte Detlef Schwarz zu denen, die den Schwarzstorch zu Gesicht bekamen. Exakt um 13.50 Uhr stolzierte er an dessen Vorgarten vorbei in Richtung Friesenweg. Was auch dort nicht unbemerkt blieb. "Dabei sind Schwarzstörche von Natur aus sehr scheue Vögel", sagt Schwarz und klickt durch die Fotos auf seinem Handy. Er bestätigt auch die Beobachtung, dass der Vogel beringt war.
Das konnte er noch erkennen, bevor der Schwarzstorch wenig später seine Schwingen ausbreitete und in Richtung Wohngebiet Klinkengrund davon flogt. "Dort verlor sich seine Spur", so der Bad Belziger weiter.
Warum sich der seltene Vogel in die Stadt verirrte, ist unklar. Für Gesprächsstoff dürfte seine Stippvisite jedenfalls noch einige Zeit sorgen.
Erst im vergangenen Jahr war dem Schwarzstorch, der als Meister der Tarnung gilt, im Naturparkzentrum in Raben eine Sonderausstellung und ein Filmabend gewidmet worden. Der majestätische Vogel, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Fischräuber in Verruf geriet und intensiv bejagt wurde, gehört heute zu den bedrohten Arten.
Dass er noch beziehungsweise wieder da ist, bezeichnete Naturparkleiter Steffen Bohl im Rahmen der Ausstellungseröffnung als "ein Geschenk der Natur".
Im Hohen Fläming waren die Vögel mit den roten Beinen und dem metallisch schimmernden schwarzen Gefieder jedoch nie ganz ausgestorben. Zu DDR-Zeiten waren im damaligen Bezirk Potsdam 25 Brutpaare bekannt. Aktuell sind im Land Brandenburg wiederum 50 Brutpaare dokumentiert. Eines davon im Hohen Fläming. Wo ist ein Geheimnis.