Der Strafprozess vor dem Landgericht Potsdam wegen der im Februar 2019 aufgeflogenen Cannabis-Plantage in Dahnsdorf ist geplatzt und muss neu beginnen – wann, das ist noch offen.

Fünf Männer und eine Frau waren angeklagt

Das teilte das Gericht auf Nachfrage mit. Angeklagt waren fünf Männer und eine Frau, die von Anbau und Verkauf profitiert haben sollen. Angeklagt ist auch der Landwirt, dem die ehemalige, mit Solarmodulen bestückte LPG-Halle gehört. Vier weitere Angeklagte stammten aus dem Landkreis Oberhavel, einer lebt im Saarland.

Verhandlung wegen krankem Richter und strengen Regeln geplatzt

Grund für das plötzliche Ende nach acht Verhandlungstagen ist die länger andauernde Erkrankung eines Richters sowie die strengen Regeln, die für einen Strafprozess gelten. So müssen an jedem Verhandlungstag stets alle Richter und Schöffen anwesend sein. Zwischen den einzelnen Verhandlungstagen dürfen in der Regel nur drei Wochen Pause liegen, in länger dauernden Verfahren kann eine Unterbrechung wegen Krankheit oder  Corona-Schutzmaßnahmen maximal drei Monate und zehn Tage betragen. Der Prozess hatte Ende Juli 2020 begonnen, zuletzt hatten sich alle Parteien Ende August getroffen. Seitdem wurden mehrere geplante Termine aufgehoben, jetzt wurde auch die für den November vorgesehene Fortsetzung gekippt.

Cannabis-Anlage mit Hilfe der Nachbarn entdeckt

Die Anlage war entdeckt worden, als aufmerksame Nachbarn markanten Cannabisgeruch wahrnahmen und die Polizei riefen. Die Beamten hatten bei einer Durchsuchung neben 2.300 Pflanzen auch Videomaterial aus Überwachungskameras, die eigentlich zum Schutz vor Einbrechern dienen sollten, sichergestellt. Dort waren mehrere Angeklagte unter anderem beim Anziehen von Arbeitskleidung und beim gemeinsamen Essen zu sehen – allerdings nicht der Landwirt. Wenn der Prozess neu beginnt, müssen alle Zeugen noch einmal erscheinen; auch die Angeklagten können sich überlegen, ob sie erneut aussagen.“