An drei Abenden - vom 2. bis zum 4. Oktober - öffnete sich im Niemegker Kulturhaus der Bühnenvorhang für die Mitstreiter des „Ensembles des Augenblicks“. Sie brachten das autobiografische Theaterstück „Bevor wir gehen“ auf die Bühne.

Corona schränkt Besucherzahl ein

Ein Stück, dass am Ende jeweils mit anhaltendem Applaus aus den Zuschauerrängen bedacht wurde. Die waren bei allen drei Aufführungen jedoch deutlich geringer besetzt als gewohnt. Die Zwänge der Corona-Pandemie erforderten, dass auch im Theatersaal auf Mindestabstände geachtet werden musste. In dieser Folge hatten jeweils nur 60 Frauen und Männer zutritt.

Regisseurinnen Julia Strehler und Ulrike Lykke Langer

Wer dabei war, erlebte ein intensives und zutiefst berührendes Theaterstück, dass die Regisseurinnen Julia Strehler aus Bad Belzig und Ulrike Lykke Langer aus Leipzig mit 20 Frauen aus drei Generationen erarbeitet hatten. In wechselnder Besetzung standen an den drei Abenden jeweils acht Laiendarstellerinnen im Alter zwischen 14 und 86 Jahren, also drei Generationen, auf der Bühne. In die Aufführung eingewoben waren Filmszenen, die auf dem Lebensweg von Helma und Margit - den jüngsten Darstellerinnen im Stück - begleiteten.

Kindheit im Krieg

Die Freundinnen erleben ihre Kindheit im Krieg. Sie gehören damit zur Generation der Kriegskinder, deren Leben durch kriegstraumatische Erlebnisse geprägt wurde.
Sie erlebten ihre Kindheit in Luftschutzkellern, sahen Bombentrichter, zerstörte Häuser, lebten zwischen Trümmerbergen, mussten Kleider aus Uniformmänteln tragen und hatten immer wieder den Tod vor Augen. Hunger, Angst und Trauer waren ihre ständigen Begleiter. Durch die Teilung Deutschlands wurden Helma und Margit nach Ende des Zweiten Weltkrieges getrennt. Sie erlebten die Nachkriegszeit in Ost und West und brachen aus alten Rollenbildern aus. Dennoch blieb ihr Leben von der kirchlichen und gesellschaftlichen Moral und den ständigen Veränderungen des Zeitgeists der Jahrzehnte geprägt.

Ringen der Generationen um Vergangenheit, Erbe und Zukunft

Im Zusammenspiel der Laiendarsteller entstand ein kraftvoller Dialog zwischen Großmüttern, Müttern und Enkelinnen, der das Ringen der Generationen um Vergangenheit, Erbe und Zukunft widerspiegelte.
Das Bühnenbild beschränkte sich auf wechselnde Filmeinspielungen, Gemüsekisten als Sitzmöbel und einen Kleiderständer. Was dort hing, trugen die Frauen bei ihren jeweiligen Einsätzen. Während ein Feldstein die Last der Verantwortung symbolisierte, die Helma und Margit trugen und nachfolgende Generationen tragen.