Der Wolf ist ein hochintelligentes Tier, wie der erfahrene Jäger Conrad Philipps weiß. Zu Beginn der Winterzeit frisst ein Tier täglich bis zu 4,5 Kilogramm, kann einige Tage hungern, schlägt dann wieder zu. Und da ihm Intelligenz nachgesagt wird, nimmt er sich gern leichte Beute vor. Gelingt ihm der Beutezug, kommt er immer wieder. Das musste auch Tierwirt Peter Kernchen schmerzlich erfahren, auf dessen Hof in Trebitz sich in der vergangenen Woche Landwirte und der Kreisbauernverband zusammenfanden.
Kühe, Schafe und auch Pferde stehen auf dem Speiseplan. Momentan fressen sich die ausgewachsenen Wölfe einen Wintervorrat an, während die Jungtiere das Reißen der Beute perfektionieren.
Peter Kernchen hat bereits reagiert. Auf seinen 500 Hektar Grünland stehen 30 Highländer, der Mutterkuhbetrieb läuft auf Sparflamme. Zehn Hektar hat Kernchen eingezäunt, die 15.000 Euro Anschaffungskosten zahlte das Land. "Wir haben fünf Wochen mit vier Leuten den Zaun aufgebaut. Das zahlt uns kein Mensch", so Kernchen erbost. Die Einzäunung der Herden steht harsch in der Kritik. Es passt nicht in die Landschaft, schadet den Wildtieren. Mit Störfahrten des Nachts hat Kernchen versucht, die Wölfe abzuschrecken. "Eine Runde, rund 20 Kilometer, dauert eine Stunde. Es war zu kräftezehrend, nach vier Wochen habe ich aufgehört."
In die Runde hat sich Axel Steffen aus dem Brandenburger Umweltministerium gewagt. Zur Entschädigung der Tierhalter hält das Land Brandenburg Geld bereit. "10.000 Euro waren es mal, in diesem Jahr sind wir bereits bei 40.000 Euro angelangt", so Steffen. Er scheut sich nicht vor Ort mit frustrierten Tierwirten das Gespräch zu suchen. "Wir ringen um Lösungen", so Steffen, der mit solchen und ähnlichen Äußerungen den Unmut der anwesenden Tierhalter eher schürte. "Der Wolfs-Management-Plan wird überarbeitet. Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas zu ändern." Jens Schreinicke vom mittelmärkischen Kreisbauernverband und Mutterkuhhalter aus Stücken, verspricht in den kommenden Wochen Lösungsvorschläge zu präsentieren. "Der Wolfsbestand hat ein erträgliches Maß überschritten. Das Ministerium hat den Kontakt zu den Landwirten verlosen. Die Rissentschädigung ist bürokratisch und nicht vollumfänglich, die Einzäunung der Flächen ist nicht möglich." Er appelliert an die Politik, das Problem ernst zu nehmen.
Auf der kürzlich stattgefundenen Säugetiertagung, an der Jäger Philipps teilnahmen, wurde prognostiziert, dass es 2020 in Deutschland ungefähr 2.000 Wölfe geben wird. "Zu DDR- Zeiten stand der Wolf im Jagdgesetz", so Conrad Wrietzen.
Ist das die von den Tierwirten gewünschte Lösung? Ausgesprochen hat es keiner der Anwesenden. Bleibt abzuwarten, welche Lösungsansätze der Kreisbauernverband in den kommenden Wochen vorstellen wird.