Eckhart Lehmann aus Brück ist weit über die Grenzen des Planestädtchens hinaus bekannt. Den meisten Menschen in der Region über seine große Leidenschaft für alte Kirchturmuhren. So mancher betagten Kostbarkeit hat er im Wortsinn wieder auf die Sprünge geholfen.
Aber auch daheim tickt es bei ihm in den unterschiedlichsten Klangfarben - sowohl im Wohnbereich als auch in der Werkstatt. Da ticken Standuhren, Wanduhren Kaminuhren ja sogar Bahnhofsuhren um die Wette und jeder Zeitmesser lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Schließlich hat jede Uhr ihre Geschichte und über jede kann der gelernte Fein- und Funkmechaniker etwas erzählen. Und so kommt es vor, dass man beim Plausch über die Arbeit mit den Zeitmessern von Eckhart Lehmann schnell mit auf eine Zeitreise genommen wird.

Neben Uhren sammelt Eckhart Lehmann Postkarten

Wir finden uns wieder im Brück des 20. Jahrhunderts. Knapp 1.500 Einwohner zählte das Städtchen damals. Zu ihnen gehörten Eckart Lehmanns Großeltern - der Sattlermeister Hermann Lehmann und Gattin. Beide erfreuten sich an - und nutzten für berufliche wie private Angelegenheiten - das Informationsmedium jener Zeit: Die Postkarte! Sie war im Kauf und mit einem Porto von 5 Pfennig erschwinglich und war meist auch nur einen Tag unterwegs, bis sie ihren Empfänger erreichte. Die Eheleute Lehmann schätzten die bunten Karten mit den mal kürzer und mal länger ausfallenden Nachrichten so sehr, dass sie dieselben aufbewahrten. Vielleicht auch, weil mit den immer besser werdenden Bahnverbindungen die Reiselust einen gigantischen Aufschwung erfuhr und jeder einzelne Kartengruß den Horizont erweiterte.

Eintauchen in die Geschichte - mit Hilfe von Postkarten

Heute hütet Eckhart Lehmann die Postkartensammlung des Sattlermeisters und hat seine Freude an den Grüßen von Ausflugszielen im Spreewald, im Altenburger Land oder im Harz; den Grüßen aus Bernau, Luckenwalde, Wörlitz oder Kloster Lehnin; und natürlich den Grüßen aus Bad Belzig, Jeserig/Fläming oder Jüterbog - geschrieben von Verwandten, Freunden und Geschäftsleuten.
Zu seinem Geburtstag im November 1904 konnte sich Hermann Lehmann beispielsweise über einen Kartengruß der Familie Dommitzsch freuen. Letztere hatten ein ganz besonderes Exemplar für ihn ausgewählt. Eine Ansicht des Niemegker Stationsgebäudes der Städtebahn, vermutlich aufgenommen am Tag der Eröffnung.
Für Neujahrsgrüße, am 30. Dezember 1905 in Jüterbog abgestempelt, hatte ein Verwandter eine Ansicht von Damen in Flämingtrachten ausgewählt. Er schreibt: "Hat euch allen der Weihnachtsmann viel gebracht? Ich bin durchgefallen. Wahrscheinlich war ich nicht artig."

Grüße auf Karten - festgehalten für alle Ewigkeit

Andere Grüße sind an Frau Sattlermeister Lehmann gerichtet. Der Schreiber oder die Schreiberin einer Postkarte aus Belzig, sie herzlichst grüßend, unterzeichnete nur mit M.V. Er oder sie dankte mit der Karte für eine Warenlieferung und schrieb: "Nun warte ich leider auf die Rechnung, oder darf ich sie selbst erwarten, was mir sehr lieb wäre. Bitte um Entschuldigung meines langen Schweigens, hatte aber Besuch und da ist dann so wenig Zeit. Nochmals besten Dank, vielleicht ist es ihnen möglich, selbst nach hier zu kommen, sonst bitte ich recht sehr um die Rechnung."
Eine andere Postkarte an Eckhart Lehmanns Großmutter kam aus Jeserig/Fläming. Ida - die Schreiberin, entschuldigte sich mit derselben. Eigentlich hatte sie sich zum Schützenfest in Brück angekündigt. Kam aber dort nicht an. "Wir hatten nämlich acht Tage lang Einquartierung. Alle Tage waren welche kaum fort, da waren die andern schon da."
Neben den bunten Postkartenansichten sind es die Nachrichten, die diese Sammlung für Eckart Lehmann so besonders macht.